Lebenszeichen

Guten Abend meine Lieben,

 

endlich habe ich Zeit für ein Lebenszeichen gefunden. Bei mir ist gerade sehr viel los, zu viel, um auch nur irgendwas geregelt zu bekommen. Ich hoffe das wird sich in den nächsten Wochen wieder entspannen, weiß aber leider nichts zu versprechen. Ich werde es versuchen – dennoch kann es sein, dass es innerhalb der kommenden vierzehn Tage schwierig wird. Ich hoffe aber dennoch zwischendurch ein paar Stunden zu finden, in denen ich auch den Kopf frei genug habe um zu schreiben. Sollte das nicht der Fall sein, möchte ich euch wissen lassen, dass ich nicht in der Versenkung verschwunden bin und ich euch keinesfalls vergessen habe.

Mit ganz herzlichen Grüßen
Frau Falke

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Jedes Kollegium braucht blondes Gift

 

„Die erinnert mich doch an wen.“

Wir sitzen bei Felizitas, die uns einberufen hat um mit ihr eine Serie zu verfolgen, die wahrscheinlich keine von uns eingeschaltet hat, als sie lief. Ich nicht, weil ich für Telenovelas und Soaps noch nie etwas übrig hatte, und Sarah nicht, weil sie diese ständige Disharmonie, die sich durch die ganzen dreißig Minuten Serie zieht, nicht ertragen kann. (Es ist aber zu erwähnen, dass sie dafür Actionfilme liebt, nicht, dass jemand noch auf die Idee kommt, sie wäre zu zart besaitet.)
Feli aber braucht so was im Moment, und seit sie die DVDs besitzt, die sie Gott weiß wo aufgetrieben hat, versucht sie uns zu überreden uns das anzusehen. Jetzt hat sie es wohl geschafft.

 

„Wenn ich bloß wüsste wer.“ sinniert Felizitas weiter. Die erste Folge läuft gerade mal seit drei Minuten, aber unsere Freundin hat schon das gefühlte tausendste Mal gefragt. Dann leuchten ihre Augen.
„Jetzt weiß ich es! Sie erinnert mich an Kerstin.“
Sarah nickt, während sie ein Stück Apfelkuchen auf ihre Gabel schiebt. „Zumindest vom Aussehen, das mag stimmen, aber doch so gar nicht vom Typ, oder?“
Ich lege nachdenklich den Kopf schief. „Sie ist jung, engagiert und eine Musiklehrerin, aber sonst?“
„Moment mal, engagiert hat sich Kerstin bislang ja nicht gerade gezeigt.“ befindet Felizitas. „Und so ein übertriebener Gutmensch ist sie auch nicht.“

Sarah zieht sich seufzend die petrolfarbene Decke über ihre Beine. „Es ist halt nur ein Film, Mädels. Die beiden unterrichten das gleiche Fach, das mag sein, und auch ihr Alter ist sicher nicht weit voneinander entfernt, aber außer der Tatsache, dass beide brünett sind, haben sie nichts miteinander gemein.“
„Ich finde trotzdem, dass es Parallelen zu unserer Schule gibt.“ lässt sich Felizitas nicht beirren.

„Und wo siehst du da die Parallelen? Die ganze Serie steckt voller Fehler, nichts von dem, was da passiert, würde an einer richtigen Schule derart stattfinden.“ hole ich sie auf den Boden der Tatsachen zurück.
„Was stört dich denn bitte?“
„Na, zum Beispiel, dass die Lehrerin ihre Handtasche auf den Musikflügel legt. Das würdest du doch niemals tun, oder?“
„Natürlich nicht.“ gibt Feli kleinlaut zu.
„Und dann diese besprühten Schulmauern. Entweder sprayen die Jugendlichen die komplette Schule voll, da werden sie dann auch nicht wegen der Mauer halt machen, oder sie lassen es ganz. Nur dass die die Schulmauer dicht besprühen und die Schule nicht anrühren, das kannst du mir nicht erzählen wollen.“

Sarah nickt. „Eben. Genauso diese Besetzung,“
„Vor der Direktorin sollte man eine Verbeugung machen, die phantastisch besetzt.“ rede ich ihr dazwischen.
Sie verdreht die Augen. „Das sagst du doch nur, weil sie erstens nichts mit einem Kollegen laufen hat,“
„Noch nicht.“ prescht nun auch Felizitas dazwischen. „und zweitens nicht erst Anfang Dreißig ist.“
„Das ist doch überhaupt nicht wahr!“
Die beiden werfen sich einen verschwörerischen Blick zu und grinsen.

Ich schenke mir einen Kaffee ein, obwohl ich es eigentlich besser weiß. „Noch mal zu dem Kollegium zurück. Dieser Kollege ist ja wohl mal komplett daneben.“
„Warum denn das? Er ist attraktiv, smart, humorvoll und souverän.“
„Wir reden hier von einem Lehrer, Feli, denk doch mal nach. Welcher unserer Kollegen ist denn solch ein Schmuckstück?“
Wir lachen. „Alle?“

„In einem aber hast du Recht, Sarah. Dieser Storystrang mit dem Konrektor und der Sportlehrerin ist wirklich das pure Klischee.“
„Meine Rede,“ befindet sie. „nur dass wir eigentlich noch dankbar sein sollten, dass die keine Referendarin ist.“
Felizitas schüttelt den Kopf. „Da wäre sie der Hauptfigur ja unterlegen.“
„Referendare sind auch,“ setze ich an, doch sie stoppt mich.
„Schon gut, war nicht so gemeint, Frau Obermentorin. Ich wollte bloß sagen, dass die schon so genug Machtgefälle zwischen sich haben, als dass sie auch noch Referendarin sein müsste.“

Ich lehne mich zurück und betrachte das Geschehen. „Dennoch finde ich es übertrieben, dass der sich auch so auf die Hauptfigur einschießt. Reicht es nicht, dass die andere mit der ein Problem hat?“
„Die Blonde finde ich super. So richtig blondes Gift.“
Sarah hebt fragend eine Augenbraue.
„Ich meine, so eine braucht doch jede Schule, eine Intrigantin, welcher der bloße Erfolg über alles geht.“ antwortet Felizitas und stellt ihren Teller auf dem Tisch ab.
„Wir haben auch niemanden wie die im Kollegium.“ gebe ich zu Bedenken.

Felizitas wiegt mit dem Kopf hin und her. „Sie ist in unserem Alter, hat langes blondes Haar…“
Ich verstehe, worauf sie hinaus will und steige mit ein. „Sie ist gut gekleidet…“
„Sie ist Sportlehrerin…“
Sarah öffnet gespielt entsetzt den Mund. „Das ist doch wohl nicht euer Ernst, oder?“
„Naja, die Anzeichen,“
„Aber trotzdem! Ich bin ja wohl kein blondes Gift.“

 

Da beschließen wir einhellig, die Serie lieber ruhen zu lassen, und sehen uns stattdessen den Tatort „Tod einer Schülerin“ an, weil es da wenigstens mal ein Deutschlehrer ist, der seine Schülerin verführt, und kein Mathelehrer. Und weil die Frau des Lehrers – im Übrigen auch Lehrerin – so unglaublich toll ist.

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

 

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Mützendiskussion

„Ich hasse diesen Tag.“ erklärt mir Marit in der zweiten großen Pause sauer, als ich nicht an ihr und ihren Freundinnen vorbei gehen kann, da mir Liza noch etwas zeigen wollte, das „total süß“ ist.
Ich bewunderte also pflichtbewusst das neue Hello-Kitty-Handy, stimmte zu, dass es „unglaublich niedlich“ und „voll super“ ist, und mochte eigentlich weitergehen, Aufsicht ist nun mal Aufsicht, und wo ich sie eh nur noch alle Schaltjahre machen muss, sollte ich meine Aufgabe dann auch ordentlich erfüllen.

Ich sehe Marit an, die leidend dem Mund verzieht. „Ich hasse diesen Tag wirklich. Blöder Donnerstag.“

„Was stört dich an Donnerstagen?“ erkundige ich mich.

Die Schülerin verschränkt die Arme. „Wir haben heute Chemie und Philo, gleich beide, wissen Sie, was ich meine? Als hätte sich die Welt gegen mich verschworen.“

Irritiert blicke ich sie an. „Ich dachte du hast vierzehn Punkte in Philosophie, und soweit ich weiß, willst doch sogar etwas mit Chemie studieren, oder nicht?“

Marit nickte. „Ich habe ja nichts gegen die Fächer an sich, es sind halt nur die falschen Lehrer. Frau Prosch und Herr Polwin-Kaulwitz sind eine katastrophale Mischung.“

Noch immer bin ich nicht ganz schlau aus dem geworden, was sie da sagt. Liza, die neben ihr steht, scheint das zu bemerken, denn sie schubst ihre beste Freundin leicht an und grinst.

Die Schülerin schüttelt den Kopf und deutet auf ihren Kopf. „Fällt Ihnen nicht etwas an mir auf?“

Unsicher mustere ich sie. „Du hast eine neue Frisur…?“

Liza dreht sich grinsend weg, während Marit mit Nachdruck auf ihren Kopf deutet. „Hallo? Das sieht man doch.“

Ich zuckte mit den Schultern und versuche es erneut. „Du hast eine Mütze auf, meinst du das?“

„Genau das.“ scheint Marit sich über meine Erkenntnis zu freuen.

Möglicher Weise ist es ja meine Schuld, vielleicht bin ja wirklich ich diejenige, die hier auf dem Schlauch steht. Aber ich kann beim besten Willen nicht sagen, was sie mir damit begreiflich machen will.

„Es ist doch so: An unserer Schule gibt es genau zwei Lehrer, die Stress machen, wenn man mit einer Mütze im Unterricht sitzt. Dabei ist das total unfair, ich meine, das ist doch meine Sache, wenn ich die gern an habe, oder?“ Marit schüttelt den Kopf.

„Jedenfalls habe ich genau die beiden auch noch heute im Unterricht. Da kann ich mich gleich auf Diskussionen vorbereiten.“

Ich habe nichts an der lila Strickmütze auszusetzen, die sie trägt, kann aber verstehen, dass der eine oder andere Kollege sich dadurch gestört fühlt. „Warum lässt du sie dann nicht einfach ab, solange du bei diesen zwei im Unterricht sitzt?“

„Das ist meine Ausdrucksfreiheit?“ erklärt sie mir, aber es klingt, als wäre ich unfähig etwas zu begreifen, was auf der Hand liegt.

„Und für die Kollegen ist es eine Sache des Respekts, Marit. Du wirst ihre Autorität angreifen, wenn du dich ihren Anweisungen widersetzt.“

„Ach, Respekt.“ winkt Marit ab. „Das hat damit doch nichts zu tun.“

„Nicht?“

„Nee, gar nicht. Der Polwin-Kaulwitz will nochmal im Knigge nachsehen, ob nur Männer oder auch Frauen aus Höflichkeit in geschlossenen Räumen die Kopfbedeckung absetzen müssen, und die Prosch hat nur was gegen die Mütze, weil es sie an ihr Praktikum beim Fleischer erinnert. Da hat sie nämlich so komische Hauben tragen müssen.“

Das war dann auch der Moment, in dem ich aufgab, und mit einem freundlichen Nicken verabschiedete ich mich in Richtung Lehrerzimmer. Mittlerweile hatte es ja auch geklingelt.

Es grüßt ganz lieb

Frau Falke

P.S.: Wir wären damals nie auf die Idee gekommen unsere Mützen im Unterricht anzubehalten.

P.P.S.: Wir damals? Habe ich das wirklich geschrieben? Oh mein Gott, ich bin alt. Sooooo alt.

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Teenagerphase und Stress mit unseren (Zieh-)Eltern

Auf dem Post-It steht eine nur sehr kurze Nachricht (Uhrzeit und Raumnummer) in einer Schrift, die ich spontan keiner meiner Freundinnen zuordnen kann. Eigentlich habe ich keine Lust, aber da ich nicht weiß, wem ich absagen muss, folge ich dem Zettelchen doch.

Die Tür zum Konferenzraum, der diesen Namen aus unerfindlichen Gründen trägt, lässt sich schwer öffnen, und ich denke kurz an Kerstin, bevor ich herein trete. Die Tische sind zu einer Tafel zusammengeschoben, Kaffee steht bereit, ebenso Kuchen und Geschirr.  Am Kopfende sitzen Herr Wallert und Frau Crande, und sie nicken mir zu, als hätten sie seit Stunden hier gewartet.
Felizitas hebt grüßend die Hand, sie scheint sich nicht zu trauen etwas zu sagen. Ich werfe Stefan einen Blick zu. „Haben wir… Haben wir irgendwas verbrochen?“

„Wir sind noch nicht vollzählig.“ erklärt Frau Crande.
„Das beantwortet nicht meine Frage.“ lasse ich verlauten und setze mich. Mein Blick zu Herr Wallert verschafft mir ein wenig Beruhigung, denn er lächelt mich an.

„Du hast also auch so einen Zettel bekommen?“ vermutet Stefan, als Emily durch die Tür tritt. Ihr folgt Megan, die ein wenig verhuscht wirkt. Als sie sich gesetzt haben, sieht uns Frau Crande einmal der Reihe nach an. Ich überlege mittlerweile, was das sein könnte, was wir angestellt haben, komme aber noch immer nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

„Es freut mich, dass ihr alle da seid.“ beginnt die Kollegin, nachdem Herr Wallert sie auf die Uhrzeit aufmerksam gemacht hat. Daina kommt hinzu, setzt sich aber wortlos zu uns. Auch ihr scheint schleierhaft, warum wir hier sind.

Die Älteste von uns räuspert sich, während der Kollege beginnt Kaffee zu verteilen. „Es ist so: Wir wollten mal mit euch reden.“
Sie tauschen einen Blick, er nickt. „Ihr macht uns die letzten Wochen Sorgen, und zwar jeder und jede von euch. Und wir haben beschlossen, dass es so nicht weitergeht. Ihr scheint gerade echt den Halt verloren zu haben, und,“
„Ihr seid unerträglich.“ beendet sie seinen Satz.

Womit die anderen gerechnet haben, kann ich euch nicht sagen, aber sicher war es nicht das, was sie erwarteten. Daina hebt eine Augenbraue. „Ach?“
Frau Crande lässt sich nicht beirren. „Wir versuchen schon die ganze Zeit, euch auf die richtige Spur zu bringen. Doch das ist herzlich schwer, wenn ihr es nicht zulasst. Mir jedenfalls reicht es, und dem Kollegen Wallert auch. Wir reden heute Tacheles, und danach dürft ihr uns dann auch gern hassen, aber das ist dann eh nur eure Teenagerzeit und wird abklingen, wenn ihr erwachsen werdet und erkennt, dass wir Recht hatten.“

Herr Wallert hat mittlerweile an alle Kaffee und selbstgemachten Kuchen verteilt. Sarah legt ihre Stirn in Falten, Stefan beginnt zu essen, als sei nichts los. Ich bin wohl die einzige, die sich fühlt, als müsse sie hier raus. Ich rufe mich zur Ordnung und sehe wie Daina sich die Lippen am Kaffee verbrennt.

Frau Crande streicht sich das Haar zurück und fixiert Sarah. „Kind, du musst etwas ändern. Du machst dich kaputt, wenn du dich deinem Liebeskummer so hingibst. Du bist eine tolle Frau, du bist liebenswert und humorvoll, du bist sportlich nicht zu schlagen und die Art, wie du dich um deine Schüler kümmerst, ist wunderbar.“
„Er – dieser ominöse er – hat dich nicht verdient. Das wirst du früher oder später selbst noch erkennen. Aber uns wäre es lieb, wenn du es möglichst früh erkennen würdest. Denn es raubt dir die Kraft und die Konzentration, und das lassen wir nicht länger zu.“ Herr Wallerts Augen sind streng, das kennt man sonst nicht von ihm.

„Und nun zu dir.“ Frau Crande fixiert Felizitas, die zur Seite sieht. „Das, was du machst, ist unverantwortlich. Selbst wenn es dir nicht um dich geht, dann doch zumindest um dein Kind. Hör auf zu tun, als wäre das alles nicht passiert. Du erwartest ein Kind, ob nun mit diesem Mann oder ohne, die Tatsache ist nicht zu ändern. Und das ist schmerzhaft, ja, aber nicht der Tod. Fang an Verantwortung zu übernehmen, du wirst Mama. Verstehst du? Du wirst die Mama eines kleinen, süßen Babys, und das ist eine wirklich wundervolle Sache. Ich meine,“
„Wir meinen,“ unterbricht Herr Wallert sie, weil sie sich ein wenig verrannt zu haben scheint in die Baby-Sache. „dass du das schaffst. Du bist eine starke Frau die schon mit dem ein oder anderen Problem zurechtgekommen ist. Du wirst, wenn alles in die Brüche geht, nicht die erste Alleinerziehende sein. Und wir werden dich unterstützen, so gut wir können.“

„Daina.“ Schon hat der Kollege ihr nächstes Opfer ausgesucht. „Du musst auch etwas machen. Dieser Fachschaftsstreit nimmt Ausmaße an, die nicht mehr gesund sind. Wir haben keine Lust dich in ein paar Wochen im Krankenhaus zu besuchen, weil ihr angefangen habt euch gegenseitig mit Chemikalien zu befeuern.“
Frau Crande stimmt ihm zu. „Außerdem ist Frau Prosch doch eine vernünftige Frau. Ich verstehe nicht, wie sich zwei so intelligente Frauen wie ihr es seid zu solch einem Schwachsinn hinreißen lassen konntet. Jetzt aber ist es geschehen – also beendet das so schnell wie möglich. Es belastet euch nur unnötig. Und es ist kaum auszuhalten, dass das alles auch noch in einer Fachschaft geschieht, die theoretisch so toll ist.“

„Nun zu dir, meine Liebe.“ Frau Crande nimmt sich auch Emily vor, die bislang versucht hat so zu tun, als wäre sie nur Zuschauer in diesem Schauspiel. „Was ist bei dir los? Du bist niedergeschlagen und lustlos, du hast deine AG-Pläne komplett aus den Augen verloren und auch alles andere scheint dir egal zu sein.“
„Man sieht dich kaum mehr – und, noch schlimmer, man hört dich kaum noch. Du bist wie ein Schatten im Kollegium geworden. Das ist nicht gut.“ unterstützt sie Herr Wallert.
„Wir möchten, dass du darüber nachdenkst, was dich so belastet, und ob du nicht vielleicht hingehen solltest und mit jemandem von uns reden. Oder von den anderen. Oder irgendeiner Stelle. Oder sonst irgendwem. Wir wollen nicht, dass es irgendwann böse endet.“ Frau Crande mustert sie. „Wir wollen nicht, dass du irgendwann auch in eine Klinik musst.“

„Und auch du, Stefan,“ wendet sich Herr Wallert an den Mann, der scheinbar entspannt die Teller vom Kuchen befreit. „nervst. Du hast gerade eine schwierige Phase, das können wir alle nachvollziehen, aber mein Gott, schau dich an. Du bist jung, gesund und soweit erfolgreich, wie man es in dieser Schule sein kann.“
„Diese Frau macht dir das Leben nicht leicht, das wissen wir, und auch, dass du Schwierigkeiten hast damit umzugehen. Aber vielleicht solltest du deine Einstellung zu der ganzen Sache überprüfen. Du kannst da sein für sie, du kannst ihr ein Freund und eine Stütze sein, du kannst versuchen ihr zu helfen, wo sie deine Hilfe annimmt – aber nicht mehr.“ Die Kollegin ergreift ihre Tasse. „Weißt du, deine Absicht, die ist ja durchaus ehrenwert… Aber das ist nun mal vollkommen unrealistisch. Du wirst sie nicht retten können, wenn sie es nicht zulässt. Und du musst, um ihr eine Hilfe zu sein, auch auf dich und deine Gefühle aufpassen.“

„Megan,“ beginnt Frau Crande dann, muss sich aber fassen. Sie schüttelt den Kopf und blickt ihr in die Augen, die junge Kollegin sieht weg, verkrampft aber ihre Hände ineinander. „Bitte. Bitte, bitte, bitte unternimm etwas und mach nicht so weiter. Wir ertragen das nicht, niemand erträgt das. Wie kann man so traurig sein? Jeder Mensch sollte etwas haben, das ihn erfreut. Bei dir haben wir gerade das Gefühl, dass es da gar nichts gibt. Du musst anfangen dich wieder darauf zu konzentrieren, was dir wichtig ist. Was du an diesem Beruf liebst. Was du an deinen Hobbys schätzt und an deinen Freunden magst.“
Herr Wallert unterbricht das Einschenken des Kaffees. „Wenn du nicht darüber reden willst, ist das deine Sache. Aber du solltest wissen, dass wir da sind für dich. Wir alle haben Interesse an dem, was mit dir los ist, und du bist uns wichtig. Wenn es nur ein Durchhänger ist, gib dir einen Ruck. Solltest du ein ernstes Problem haben, fange endlich an etwas daran zu ändern.“
„Schau, wir wissen, wie schwer es hier zeitweise für dich ist.“ Frau Crande hat ihre Hand auf die der Referendarin gelegt. „Aber du bist nicht das Opfer aller Umstände. Du bist eine erwachsene Frau, die ihr Leben ändern kann, und die dies meiner Meinung nach auch dringend tun sollte.“

„Und nun zu dir.“ spricht mich Herr Wallert an, während mir Felizitas deutet die Tasse hinzustellen, weil meine Hände zittern. Prima, wie das alles wieder zusammenspielt.
„Du musst dir endlich darüber klar werden, was bei dir los ist. Jeden Tag warten wir darauf, ob es etwas Neues gibt, und das macht einen verrückt. Du bist viel zu zart besaitet und wenn dann auch noch deine Nerven blank liegen… Versuch einen Schlussstrich zu ziehen, das ist das einzige, was geht. Entweder startest du in eine neue Zukunft mit deinem Freund, oder in eine ohne ihn. Wie es auch kommt, du wirst deinen Weg finden. Aber hör auf so abhängig von diesem Mann zu sein, auch wenn es unsagbar schwer fällt.“
Frau Crande stimmt ihm zu. „Es ist nicht gegen dich gerichtet. Aber du kannst so nicht verbleiben. Vielleicht bricht es dir das Herz, ja, aber es wird auch bei dir weitergehen. Du wirst dein Glück ebenso finden wie alle anderen auch. Und wenn die Zeiten gerade schwer sind, versuche bei uns Halt zu finden. Dafür sind Freunde schließlich da.“

 

„Das war hart, und sicher nicht das, was ihr hören wolltet. Aber es war nötig.“ Die Lehrerin atmet kurz durch, dann sieht sie zu dem Kollegen. „Ich denke das war es soweit, oder? Mehr haben wir unseren Küken nicht zu sagen.“
„Erst mal.“ Er legt ihr die Hand auf die Schulter und sie streicht sich über ihre Augen.  „Dann lass uns gehen. Ich glaube hier muss viel nachgedacht werden.“

Herr Wallert erhebt sich und begleitet sie zur Tür. „Wie lange wird es dauern, bis sie aus der Teenagerphase draußen sind?“
Sie lächelt. „Oh, das willst du wirklich nicht wissen…“

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Die Schule brennt nicht mehr. Sie ist ausgebrannt.

Die Schule brennt
nicht mehr.
Sie ist ausgebrannt.
Ich schaue auf die Trümmer
unserer Beziehung.
Rettung aus Asche?
Daran habe ich noch nie geglaubt.

 

Er saß am Tisch und hatte auf mich gewartet, und ich wusste, dass etwas kommen würde, das mir den Boden unter den Füßen wegreißt. „Es ist sicher nicht der beste Moment, aber ich weiß nicht, ob es bessere geben wird.“
Ich verstehe es nicht.

„Dir hat es nichts ausgemacht Dreißig zu werden.“ stellt er fest. „Aber weißt du, was ich nicht bedacht habe? Dass es mir etwas ausmachen könnte.“
Ich muss das nicht verstehen.
„Du bist so jung. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem du noch umkehren kannst. Du willst so viel… Du erwartest Dinge, die ich dir nicht geben kann.“
Ich nehme ihm gegenüber Platz. Mir wird bewusst, in welche Richtung das gehen wird, und es macht mir Angst.

„Du bist ebenso jung. Und ich will das alles für uns.“
Er schüttelt den Kopf. „Ich werde das nicht können. Heirat, Familie – ich glaube nicht, dass dir bewusst ist, was es bedeuten würde mit mir Kinder zu bekommen.“
Ich kriege keine Luft mehr.
„Ich habe einen Beruf, der mich sehr einspannt. Ich habe kaum Zeit für dich,  und am Wochenende bin ich oft müde und erschöpft.“
Gleich wird er es sagen. Ich weiß, die Arbeit ist nur ein Vorwand um sich an das andere Thema heranzutrauen.
„Ich bin krank. Ich schätze es sehr, dass du versuchst damit umzugehen, und bislang hast du das auch gut gemacht. Aber wie wird es in der Zukunft sein? Ich werde älter, und es wird nicht besser werden, nur schlechter.“

„Ich wusste das alles, als wir uns kennen lernten, und ich weiß, dass wir uns einiges zumuten. Aber was erwartest du denn von mir zu hören? Ich liebe dich. Nur das zählt.“
Er legte sein Gesicht in seine Hände. „Wie stellst du dir das vor? Willst du dich um alles allein kümmern? Ich werde dich immer wieder enttäuschen müssen. Ich werde von Therapie zu Therapie laufen, hoffend, dass die eine Behandlung nicht die andere Krankheit verschlimmert. Krankenhausaufenthalte, ständig diese Arztbesuche. Jetzt sind wir jung, haben keine Verantwortung zu tragen außer für uns selbst – aber was ist, wenn sich das ändert?“
„Ich werde mit dir alles durchstehen. Unsere Beziehung… Wir sind es mir wert. Und all diese Dinge sind doch nicht neu? Wir wussten beide, dass es schwieriger werden würde. Doch wir leben schon lange damit, und bislang ging es doch auch?“

„Was ist, wenn du es in zehn Jahren bereust? Wenn ich nicht fähig bin mit dir das Leben zu leben, das du willst? Du verdienst mehr als das. Und je früher wir einsehen, dass wir so nicht glücklich werden, umso besser ist es.“

 

Nach diesem Gespräch kann ich nichts mehr sagen. Als er mitten in der Nacht ins Bett kommt, bin ich noch wach. „Ich glaube einfach, dass wir es schaffen können. Dass es sich für das, was wir haben, lohnt, auch wenn es schwer werden wird. Ich bin davon überzeugt.“
Stille.
„Aber du nicht mehr, richtig?“
Er bleibt mir eine Antwort schuldig.

 

Seit Samstag also dieser Schwebezustand. Ich fühle mich, als würde ich den Verstand verlieren. Ihm die Zeit zu lassen eine Lösung zu finden fällt schwer. Er muss für sich selbst eine Antwort finden. Doch ich möchte so viel sagen und tun. Weil ich weiß, dass er gerade über uns entscheidet. Und weil ich doch nichts anderes mehr zu tun fähig bin. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe. Dass ich bereit bin alles mitzumachen, was auf uns zukommen wird.
Dass ich ihn liebe. Weil es ausreichen sollte. Aber vielleicht tut es das manchmal nicht. Vielleicht, und das macht mich von Stunde zu Stunde verrückter, ist es bei uns so.

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Er liebt sie nicht

Es ist schon gegen fünf Uhr, Herr Falke ist erst vor ein paar Minuten nach Hause gekommen und hat soeben Sarah  die Tür geöffnet, die zitternd im Türrahmen stehen. „Ich kann nicht mehr. Das alles – ist zu viel.“

Erschrocken stehe ich auf und nehme sie am Arm, diese junge Frau mit den zerzausten Haaren, die schwer atmend nach Luft ringt und sich zusammen krümmt. Vorsichtig führe ich sie zur Couch, während sie so sehr schluchzt, dass ich nicht verstehe, was sie sagt.
Herr Falke tritt aus dem Flur ins Wohnzimmer und wirft mir einen fragenden Blick zu, den ich bloß mit einem Schulterzucken beantworten kann.
„Sarah, was ist denn passiert? Um Himmels Willen, bitte.“ Ich halte sie, aber sie schüttelt nur den Kopf.
„Ich bin auch so dumm, so kindisch! Wieso habe ich geglaubt, es würde besser werden? Warum tue ich mir selbst nur so weh?“

Es mag schlimm klingen, aber mir fällt ein Stein vom Herzen, als sie dies sagt.  In meinen Gedanken hatte ich mir schon sonst etwas vorgestellt, um Horrorszenarien bin ich als geborene Deutschlehrerin ja nie verlegen.
„Du warst wieder bei ihm.“
Sie sieht mich an und ihre blauen Augen füllen sich wieder mit Tränen. „Ich war bei ihm, dabei wollte ich es wirklich nicht. Ich meine, ich habe doch gesagt, dass ich es nicht mehr will.“
Ich weiß nicht, was ich sagen soll, denn ich erkenne meine Sarah in dem verletzten Wesen, das da neben mir kauert, nicht wieder.
„Aber dann hat er angerufen und gemeint, dass er eine Flasche Rotwein hätte, und ich war so einsam, so verdammt einsam, weil alle in irgendwelchen Beziehungen leben und ich die einzige bin, auf die niemand wartet, wenn sie nach der Schule heimkommt, und weil das alles so unfair ist,“ Sie presst ihre Hand auf ihren Mund, bis sie sich gefasst hat.
„Er hat mich abgeholt und wir waren bei ihm, alles war schön, nur dann waren wir noch spazieren und ich habe ihn gefragt, ob er das für sinnvoll hält, was wir da machen.“
„Weil du weißt, wie sehr es dir nahegeht.“
Sie beißt sich auf die Lippe und nickt. „Er meinte, dass er es gut so findet und dass er mich nicht liebt.“
„Sarah,“ setze ich an, merke aber, dass diese Aussage nicht der Grund dafür ist, dass sie so fertig ist.
„Er hat danach gefragt, ob ich auf dem Sofa schlafen will oder in seinem Bett, oder ob er auf dem Sofa schlafen solle.“ Sie schluckt. „Oder ob er mich gleich nach Hause fahren soll.“
„Oh, Sarah,“ setze ich an und reiche ihr die Box mit Taschentüchern.
„Um drei Uhr morgens, einfach so, verstehst du? Er hat mich rausgeschmissen, weil er hatte, was er wollte, und ich war so dumm und habe es zugelassen. Ich meine, ich bin noch so begeistert zu ihm gegangen, war so froh, dass er mich angerufen hatte! Ich habe mich den ganzen Tag darauf gefreut.“
Es klingt bitter, wie sie das sagt, und nicht halb so abgeklärt wie bei unserem ersten Gespräch.
„Ist es denn so falsch, dass ich mich nach einer Beziehung sehne? Dass ich mir jemanden wünsche, der einfach nur für mich da ist? Ich will mich doch bloß zu ihm auf die Couch setzen und mich anlehnen, wissen, dass da jemand ist, mit dem ich meine Gedanken teilen kann.“
„Du wirst jemanden finden, der dir all das bietet, ohne dich derart zu verletzen, Sarah, da bin ich mir sicher.“ versuche ich sie zu trösten, doch eigentlich weiß ich, dass dieser Satz unbedeutend ist.
„Ich habe den ganzen Samstag geschlafen, und immer wenn ich aufwachte, habe ich alles daran gesetzt wieder einzuschlafen, weil ich nicht ertragen habe, was in meinem Kopf für Gedanken waren, und mich selbst am allerwenigsten.“
Ihre Züge umspielen eine Härte, sie blinzelt aufsteigende Tränen weg und lächelt.
„Dafür habe ich am Sonntag dann das einzige gemacht, was eine vernünftige Frau meines Alters in einer solchen Situation tun kann. Ich habe mich hoffnungslos betrunken.“
Sarah trinkt sonst nicht mehr als zwei Bier, demnach bin ich mir nicht sicher, was es für sie bedeutet, hoffnungslos betrunken zu sein. Anderseits habe ich sie bislang auch immer als sehr bodenständig und ausgeglichen erlebt.
„Natürlich habe ich keinen Bissen herunterbekommen, demnach war ich am Montagmorgen komplett verkatert, aber in der Schule ist es momentan ja ausreichend auf halber Flamme zu laufen. Die sind alle so mit sich selbst beschäftigt…ich müsste tot umfallen, damit mich jemand bemerkt.“
Sie sieht mich von sich selbst überrascht an. „Entschuldigung.“
Ich nicke bloß.
Sarah ist mit ihren Gedanken schon längst weiter. „Ich dachte, es würde wieder werden, ich käme drüber hinweg, da schreibt er mir diese SMS und ich drehe wieder total durch.“
„Das war Mittwoch, oder?“ frage ich, obwohl ich die Antwort schon kenne, denn da war sie wie von Sinnen gewesen.
„Er hat geschrieben, dass er an mich denken muss und es ihm Leid tut, dass er mich verärgert hat. Und dass er das Treffen wiederholen möchte, natürlich.“ Sie schnäuzt sich die Nase, daraufhin fließen wieder Tränen.
„Ich habe keine Lust mehr auf den ganzen Terror, verstehst du? Ich will mich nicht mehr jedes Wochenende aufstylen wie ein Teenager und in Diskos und Bars nach dem Richtigen suchen. Ich will in keine Kneipen mehr, in keine Opern und Theater, in keine Musical und Konzerte und all den anderen Müll. Ich will nicht mehr auf irgendwelche Feste und Feiern und sonst irgendwas.“
Sie schaut hoch, ihr Blick spricht Bände.
„ Ich will nicht mehr viermal die Woche in diese dämlichen Restaurants ausgeführt werden und dafür dann drei Tage hungern, damit ich in diese verfluchten Kleider passe. Ich will, verdammt nochmal, nicht so weitermachen.“
Ich sehe meine Freundin an und sie würde sehen, dass mich dieses Geständnis überrascht hat, wäre sie nicht gerade viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
„Ich kann es auch nicht, verstehst du? Ich kann so nicht mehr weitermachen.“ Sie streicht sich das Haar mit beiden Händen aus dem Gesicht.
„Und nun sitze ich bei dir auf der Couch und versaue euch den schönen Abend, es tut mir Leid, wirklich.“
„Du versaust gar nichts, Sarah.“ sage ich ehrlich, denn wenn sie wüsste, was hier los war… „Ist doch verständlich, dass du jemanden zum Reden brauchst, und ich bin froh, dass du da bist.“ setze ich hinzu, mit schlechtem Gewissen
Sie fährt sich über die Augen und lächelt dann wieder. „Es ist schon witzig, oder? Da sind wir jetzt schon so lange aus unserer Referendarszeit raus und unsere Krisensitzungen sind doch die Gleichen geblieben.“
„Naja, die Themen haben sich schon ein wenig verändert, meinst du nicht?“

„Nun, Hochzeit, Affären, Tod und Schwangerschaften waren damals eben noch nicht so sehr in unser Leben involviert wie es jetzt der Fall ist.“
Ich verdrehe die Augen. „Noch nicht so sehr involviert? Unsere größte Sorge war es, herauszubekommen, wie man das Format der Arbeitsblätter im Nachhinein ändern kann, ohne, dass die Absätze und Einschiebungen wieder alle weg waren.“

„Und erst die Folien…“ Sarah beginnt zu lachen und ich stimmte für einen kurzen Moment mit ein.

 

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

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Arboretum

 

An diesem Morgen steht er vor meiner Wohnungstür und sieht mich an. Er sieht ausgeruht aus, ganz anders als ich mich fühle, und ich bin sowieso verwirrt, dass er hier ist. Ich habe nichts erzählt, und gesehen hat er mich seit Freitag auch nicht mehr, und nicht einmal eine meiner Freundinnen kann mich verpetzt haben. Und dennoch steht er vor mir, der Kollege, der die besondere Fähigkeit hat immer dann aufzutauchen, wenn bei mir alles drunter und drüber geht, und stützt sich mit der Hand am Türrahmen ab.

„Guten Morgen.“ grüßt er mich, als wäre es normal, dass er um die Uhrzeit an einem Sonntag vor mir steht.
Sprachlos sehe ich ihn an, hätte ich von seinem Kommen gewusst, hätte ich versucht zumindest zu tun als wäre alles okay. Er aber hat mir diese Möglichkeit gar nicht gegeben.

Ich deute ihm einzutreten, er folgt mir mit ernstem Blick, im Flur sieht er sich um ohne Anstalten zu machen seine Jacke abzulegen. Er mustert mich, und ich fühle mich unwohl, obwohl ich zurechtgemacht bin und nicht mehr mit von der Nacht zerzaustem Haar und  den wenigen Sachen, die ich zum Schlafen trage, vor ihm stehe. Aber es ist wie so oft mit ihm. Er scheint mehr zu sehen in meinen Augen, als könnte er mir in den Kopf blicken. Ich verfluche das.

„Mein Wagen steht unten. Wir müssen gleich los. Nimm dir etwas zu  Trinken mit, wenn du magst, und vielleicht deinen Fotoapparat.“ Er folgt mir in die Küche, wo ich stehen bleibe.
„Was hast du vor?“
„Eine Entführung.“ sagt er mit seiner ruhigen, tiefen Stimme, als gäbe es daran nichts zu rütteln.
„Hast du dir das gut überlegt?“
Er lächelt. „In ein paar Stunden bist du wieder hier, keine Bange.“

Nach diesem Satz packe ich mit eine kleine Flasche Wasser in meine Tasche, meine Kamera folgt, dann noch ein paar Kleinigkeiten. Mit einer Jacke über dem Arm folge ich ihm, verlasse meine Wohnung, nehme neben ihm in seinem Wagen platz. Während er sich in den Verkehr einfädelt, stecke ich mein Haar hoch. Er schaut kurz zu mir.

„Wohin fahren wir?“ erkundige ich mich irgendwann, ohne nachzuhaken, wieso er mich so spontan einlädt. Oder entführt. Woher er es weiß. Und warum er das alle für mich tut.
Und auch er antwortet nicht auf die ungestellten Fragen, sondern nur auf jene, die ich geäußert habe. „Ich möchte dir das Arboretum zeigen. Es wird Herbst und alles stirbt, hast du gesagt, ich möchte dir zeigen, dass es so nicht ist.“

 

Und das hat er, irgendwie.

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Die Bedeutung von Glück oder warum ich mich vor Daina verstecken musste

Ich betrete heute eine neunte Klasse, die eigentlich nur eines sein sollte, nämlich laut und unkonzentriert. Hingegen meiner Annahme, die Schüler würde alle so sein wie erwartet, sind sie heute Morgen aber still. Zu still.

Beunruhigt lege ich meine Tasche neben dem Pult ab und setze mich, nicht ohne mich versichert zu haben, ob sie irgendwas aufs Pult geschmiert haben, mit dem sie mich ärgern wollen. Doch das Pult ist nicht dreckig und bricht auch nicht zusammen, als ich mich niederlasse, es muss also etwas anderes sein.
„Guten Morgen, liebe Neun d…?“
„Guten Morgen, Frau Falke.“ antwortet die Klasse in ihrem typisch sonoren Klang.
Ich atme durch, weil sie anscheinend hingegen meiner Überzeugung nichts geplant haben, und schlage hoffnungsvoll den Ordner mit den Unterrichtsvorbereitungen auf.

Dann aber meldet sich Colin, sie haben also doch einen Anschlag auf mich vor.
„Frau Falke?“
„Ja, Collin?“
Er wirft einen versichernden Blick in Richtung  seiner Freunde. „Frau Falke, was ist Glück?“
Ich hebe eine Augenbraue und sehe in die Runde. „Für mich?“
Sie nicken einvernehmlich.
„Gesundheit. Für die Familie und sich selbst.“
Nicht das, was sie erwartet haben. Ich überlege, was ich letzte Woche gesagt hätte, als noch alles gut war.

„Nach Hause zu kommen und jemanden zu haben, der mit dem Essen auf mich wartet.“
Da sind sie enttäuscht.
„Ach, doch nicht so was.“ antwortet Jonas und auch David schüttelt den Kopf. „Das ist ja langweilig, das haben wir ja immer.“
„Na, da seht ihr doch, was ihr für ein Glück habt.“ sehe ich mich in meiner Annahme bestätigt.

Linda, die seit neustem die beste Freundin von Janine ist, versucht es mir zu erklären. „Das ist kein Glück, Glück ist was anderes, irgendwie etwas Tolleres.“
An dieser Stelle bleibe ich kurz ruhig. Sie wissen vielleicht nicht, wie froh sie sein sollten. Dass es kaum etwas über das Glück einer heilen Familie gibt. Gesundheit. Doch an sich ist es auch schön. Dass sie in ihrem Alter noch nichts erlebten, dass sie zu jener Einsicht brachte.

„Etwas Besseres, in Ordnung.“
Zweiundreißig Augenpaare starren mich erwartungsvoll an.
„Glück, nun, Glück ist vielleicht einen Menschen zu haben, der einen von ganzem Herzen liebt.“
Sie lächeln, die Mädchen seufzen. Ach, das ist ja so romantisch. Ein paar Schüler sind noch nicht überzeugt.
„Oder einen Beruf zu haben, der einen zufrieden macht, und der dafür sorgt, dass man keine Angst vor der Zukunft haben muss.“
Die Berufsproblematik scheint die Klasse nicht so richtig zu verstehen.
„Ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt.“
Das haben sie natürlich, was soll denn das.
So langsam gehen mir die Ideen aus. „Eine Neunte, die all ihre Hausaufgaben macht?“
Da stöhnen sie. „Frau Falke, das war jetzt wieder so typisch Lehrer, echt.“

Ich denke mir nichts mehr, verbuche diesen kleinen philosophischen Exkurs unter Eigenart der Klasse und halte meinen Unterricht wie gewohnt. Wahrscheinlich hätte ich nicht weiter daran gedacht, wenn nicht in der zweiten großen Pause Daina völlig entnervt den Stapel Blätter von sich geschoben hätte.
„Warum gebe ich eigentlich noch Hausaufgaben auf?“
„Wollen Sie das wirklich wissen?“ erkundigt sich Frau Crande und lächelt.
Daina malt seufzend einen roten Kringel unter den nächsten Satz. „Wahrscheinlich nicht, nein.“

Alexis betrachtet die korrigierten Aufsätze. „Was genau liegt denn das Problem?“
Die Kollegin reicht ihr einige Zettel rüber. „Schau es dir an, die haben alle exakt das Gleiche geschrieben.“
Sarah nimmt sich einen der Zettel und runzelt die Stirn. „Hmm, das klingt aber nicht wie das Werk von Schülern, oder? Allein das hier, „ein Beruf mit Zukunftsaussichten“.“
„Es sei denn, deine Schüler haben die Adoleszenzkrise innerhalb der letzten sechs Wochen überwunden.“ grinse ich.
Sarah schüttelt leicht den Kopf, ihr Haar fällt ihr ins Gesicht. „Die sollten die Adoleszenz noch nicht einmal betreten haben.“
„Und Sie sind noch längst nicht draußen, meine werten Kolleginnen.“ erklärt Herr Wallert grinsend.

Daina blättert in ihren Zetteln. „Da wird es noch schöner: „Ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt.“. Ich meine, hallo? Seit wann ist das denn die Definition eines Neuntklässlers von Glück?“
„Oder hier,“ liest Alexis vor. „jemanden zu haben, der mit dem Essen auf einen wartet.“ Das ist gut, als wäre Hotel Mama für die nicht selbstverständlich.“
Sarah stützt ihr Kinn auf einer Hand auf. „Dafür ist das echt süß. „Glück bedeutet einen Menschen zu haben, der einen von ganzem Herzen liebt.“ Wie niedlich, sie haben sogar kleine Herzchen daneben gemalt.“

Ich versuche mich hinter meinem Englischbuch für Klasse Acht zu verkriechen, damit niemand sieht wie rot ich geworden bin, was Frau Debian natürlich bemerkt hat. „Sag mal, gibt es einen Grund dafür, dass du dich hinter dem Buch versteckst?“
„Meinst du mich? Ich verstecke mich gar nicht.“ versuche ich mich schnell rauszureden.
Stefan mustert mich von der Seite. „Doch, du hast was, das sieht man dir an. Jetzt erzähl schon.“
„Nun, es könnte sein, dass diese Aussagen…Also von den Schülern,“
Jetzt habe ich die ungeteilte Aufmerksamkeit aller, Daina lässt sogar ihren Stift sinken. „Sag nicht, dass du das warst.“
„Möglicher Weise  haben sie mich ja gefragt, was für mich Glück ist.“ gebe ich kleinlaut zu.

„Klar war sie das, Daina. Darauf hättest du ja wohl auch selbst kommen können.“ amüsierte sich Stefan mal wieder prächtig.
Die Schwarzhaarige lässt ihren Kopf auf den Tisch sinken. „Die haben einfach dich interviewt und die Antworten dann aufgeschrieben. Deutschhausaufgabe erledigt, so schnell kann’s gehen.“
Ich beiße mir auf die Unterlippe und senke meinen Blick.
Daina fährt sich durchs Haar. „Sag mir wenigstens, dass sie das schon gestern gemacht haben.“
Alexis sieht mich an, Sarah lieber weg. „Nun, wenn ich ehrlich bin…“
„Die haben es heute erst gemacht, oder?“ hakt Daina nach.
„Genaugenommen…“
„Ebengerade?“
Ich gebe mich geschlagen. „Vor deiner Stunde.“

Daina schüttelt den Kopf. „Für was gebe ich eigentlich Hausaufgaben auf?“
„Vielleicht bedeutet es ja Glück für dich.“ kann ich es mir dann doch nicht verkneifen.
Da wirft sie mir ihre Stiftkappe an den Kopf. Das ist dann aber kein Glück.

 

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

P.S.: Hausaufgaben werden nicht in meinem Unterricht gemacht. Schon gar nicht von mir selbst.

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Die Lounge oder warum Frau Crande einfach die Allercoolste ist

Gestern:

 

Frau Crande betritt die Lounge, wie wir das neue Neulehrerzimmer inzwischen getauft haben, mit einem Stapel Hefte. Sie legt sie auf einem Tisch ab und verlässt den Raum, nur um wenige Minuten später wieder zurück zu kehren und einige Bücher zu hinterlassen. Das Ganze geht noch gut drei Mal so, dann ist die komplette Fläche des Platzes vollgepackt mit allem möglichen Kram.

Wir beobachten irritiert, wie sie sich eine Nische schafft, in der sie ein Heft aufschlägt, in welchem sie wiederum in aller Seelenruhe zu korrigieren beginnt. Es ist Stefan, der mittlerweile eingesehen hat, dass es nichts bringt oben allein im Neulehrerzimmer zu sitzen, der als erster ob dieses Naturschauspiels die Sprache wiederfindet.
„Oh, das heißt wohl, dass wir Sie hier herzlich begrüßen dürfen, oder wie?“
Frau Crande blickt auf, als wäre es das normalste der Welt, dass sie uns in unser nicht selbstgewähltes Exil gefolgt ist. „Aber sicher doch, was soll ich denn bei denen bleiben?“
Unsicher wirft er einen Blick in die Runde. „Nun ja, es hieß doch, nur die Referendare und Junglehrer sollten hierher gehen.“
Die Kollegin lässt den Stift sinken. „Zum einen, lieber Stefan, ist man, auch wenn man sich das als solcher Jungspund, wie Sie einer sind, sicher schwer vorstellen kann, so jung wie man sich fühlt.“
Er grinst, während er Kaffee auf verschiedene Tassen verteilt.
„Zum Zweiten sagen Sie es soeben selbst, sie haben mit dieser Lounge ein Junglehrerzimmer aufgemacht. Da muss doch irgendwer auf euch Küken aufpassen, und wer wäre da geeigneter als meine Person?“

Die Tür geht erneut auf, dieses Mal ist es Kelly, die völlig entnervt ihre Tasche auf einem der Stühle abstellt. „Die haben mir einen Platz in dem anderen Lehrerzimmer gegeben, ist das zu fassen? Für wie alt halten die mich eigentlich?“
Ihr Mann legte ihr beruhigend die Hand auf den Arm. „Niemand schreibt uns vor, drüben zu bleiben.“
„Ich dachte es macht mir nichts aus, Vierzig zu werden, aber wenn das schon so anfängt, dann bleibe ich ab jetzt ewig Neununddreißig, soviel steht fest.“ jammert sie weiter, was das angeht ist sie die letzten Wochen ein wenig empfindlich.
Herr Tarsmus gibt seiner Frau eine der gefüllten Tassen. „Und noch einmal, Kelly, dich hält niemand für alt. Frau Rondell hat dich einfach nur gern um sich.“

Der Nächste, welcher unser Junglehrerzimmer betritt, ist Herr Wallert. „Muss ich mich irgendwo einschreiben, wenn ich lieber hier meinen Platz habe als drüben?“
Leslie schüttelt den Kopf. „Nein, setzen Sie sich dahin, wo noch was frei ist und gut ist. Außer Sie wollen sich in die Kaffeeliste eintragen.“
Daina schüttelt den Kopf. „Das habe ich schon für dich getan.“
Herr Wallert strahlt. „Du bist ein Engel, hat dir das schon mal jemand gesagt?“            „Heute noch nicht.“ lächelt sie.

Frau Rocio-Mull schleicht extra leise in die Lounge, da sie wohl glaubt, auf diese Weise würden wir sie nicht bemerken. Tun wir also so, als wäre es vollkommen klar, dass sie ebenfalls mit unserem Lehrerzimmer vorlieb nimmt.

„Wie genau ist eigentlich die Altersgrenze gestaffelt? Darf ich die Prügelstrafe schon ablehnen und muss ich noch an die Unfehlbarkeit des Frontalunterrichts glauben?“ erkundigt sich Daniela, die gleich mehrere Kartons übereinander gestapelt hereinträgt.
Dann fällt ihr Blick auf Frau Crande, die grüßend die Hand hebt.
„Recht gut, wenn Sie mich fragen. Wir unterrichten sogar Mädchen.“
Peinlich berührt bleibt Daniela stehen. „Oh, das wollte ich nicht, ich wusste nicht, dass,“
„…die das Urgestein schon aufgenommen haben? Nein, das konnten Sie wirklich nicht wissen.“
Daina weicht der letzte Rest Farbe aus dem Gesicht.
Frau Crande verdreht die Augen. „Nun setzen Sie sich schon, ist doch alles in Ordnung.“

Da geht die Tür wieder auf und ein paar neue Kollegen, nämlich Frau Garcia und Frau Pfaue sowie Herr Fillow, betreten die Lounge. Sie sehen sich um, finden drei Plätze, die nebeneinander liegen, und werfen einen fragenden Blick in die Runde. „Ist hier frei?“
Und so finden auch diese drei einen Platz bei uns.

 

Als es klingelt, zähle ich spaßeshalber mal, wie viele Kollegen das Zimmer, in das die Referendare abgeschoben werden sollten, verlassen, und stelle fest, dass wir fast die Hälfte des Lehrkollegiums untergebracht bekommen haben.
Frau Crande hatte eben doch Recht, man ist so jung, wie man sich fühlt. Unsere Schule hat eindeutig nicht unter den Überalterung der Lehrerschaft zu leiden. ;)

 

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

 

 

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Ein Machtwort des Direktors, ein Sieg für die Alteingesessenen und ein Neulehrerzimmer für die Referendare

Das mit der Sitzordnung ist nach den Sommerferien ja immer so ein Graus. Da finden sich neue Klassen zusammen, in denen sich die Schüler noch nicht kennen und müssen sich in Räumen, die ihnen ebenfalls fremd sind schon jetzt Gruppen zuordnen, von denen sie nach wenigen Wochen möglicher Weise merken, dass sie überhaupt nicht zu ihnen passen.

Da geschehen große und kleine Dramen von gekündigten Freundschaften bis hin zu Tränen, weil sie glauben nicht mehr zur Tafel sehen zu können, da gibt es die eine Schülerin/ den einen Schüler, dessen Sitznachbar ein jeder sein will und dessen Tisch heiß umkämpft ist, ebenso die Schüler, die raus stechen und neben denen nur im Unglücksfall gesessen werden muss, wenn der Platz nicht gleich leerbleibt.

 

Nun könnte ich sagen, dass wir Lehrer dieses Verhalten seit Jahrzehnten mit stoischer Ruhe ertragen und deshalb geschult sind im Umgang mit solchen Sitzplatz-Stresssituationen, das würde dann aber nicht der Wahrheit entsprechen.

Sicher, wir kennen den Terz, welchen die Schüler besonders in der Mittelstufe veranstalten können. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass wir auch nur im Geringsten besser wären!

Nein, wir sind nur auf einem anderen Level, haben ein anderes Niveau, auf dem wir uns streiten – oder bilden uns das zumindest ein. Es bleibt trotzdem, was es im Grunde auch bei unseren Schülern ein jedes Mal ist, ein kindischer Kampf.

 

Dieses Mal war es nicht Frau Prosch, die ein Machtwort gesprochen hat. Dieses Mal war es Herr Jochender. Denn auch wenn man es fast für unmöglich gehalten hätte, so scheint unserem Direktor der Verbleib seiner Lehrkräfte wohl doch zumindest soweit zu interessieren, dass er uns in seinen Lehrerzimmern wissen will, egal in welcher Verteilung.

Und weil die Verteilung so egal ist, entscheidet er einfach mal selbst, wer wo zu verbleiben hat. Ist ja anders nicht zu regeln in diesem Kindergarten.

So kommt es, dass es tatsächlich wir sind, die umziehen müssen, und die Gruppe derer, die aufbricht, ist altersmäßig auch hübsch gestaffelt. Und zieht lautstark ab, unzufrieden den Kürzeren gezogen zu haben.

 

Bernhard schüttelt den Kopf, während er seinen halb ausgepackten Karton wieder zusammenpackt. „Strafversetzt in ein Lehrerzimmer, obwohl ich hier oben restlos glücklich bin. Für so einen Dreck komme ich morgens hierher.“

Daina trägt ihren Karton mit einem Lächeln herüber. „Wisst ihr, vielleicht ist das gut so. Immerhin müssen wir die auf diese Weise nicht länger als unbedingt nötig ertragen.“
Wir wissen, dass sie hierbei besonders an eine Person denkt.

Frau Debian nickt zustimmend. „Wenn die wenigstens nicht so überheblich wären das als Sieg abzutun. Wenn ich nach zwanzig Dienstjahren so werde, na dann Danke.“

Frau Jäger schiebt die Brille, die sie seit Neustem trägt, immer wieder auf ihrer Nase nach oben. „Warum sollen wir da unten sein? Was gibt es oben auszusetzen? Welche Klasse ist in dem Gang?“

Alexis beruhigt die Referendarin und wendet sich dann an mich. „Sei nicht traurig, vielleicht wird das hier ja ein gutes neues Neulehrerzimmer. Dann haben wir genauso viel Spaß wie oben und zeigen‘s den blöden Hühnern so richtig.“

Herr Polwin-Kaulwitz wetzt ähnlich aufgeregt, aber nicht nervös sondern geschäftig durch die Gänge. „Hat jemand Berti gesehen? Und wo ist mein Ordner? Hat jemand schon die Fachliteratur runtergebracht?“

Finja und Christian antworten ihm nicht, sie antworten auch sonst keinem. Wir warten gespannt, ob sie sich Plätze nebeneinander suchen werden, oder ob dann, wenn sie sich wieder vertragen haben, herumgetauscht werden muss.

Jonathan will die Gunst der Stunde nutzen um sich neben Anja zu setzen, die von ihrem Los noch nichts ahnt. Um cool zu wirken spricht er über die Maße des Raumes und die Sonneneinstrahlung während der verschiedenen Jahreszeiten durch die Fenster. „Vor allem hinten ist es einfach unpraktisch, keine eigene Küche zu haben um Kaffee zu kochen. Zuvor war es zwar auch nur ein Tisch, auf dem alles abgestellt war, dieser befand sich aber nicht derart zentral im Raum wie es hier der Fall ist.“
Das ist nicht cool, doch wie es das Schicksal will, hört ihm Anja eh nicht zu.

Herr Bach steht der Tatsache, dass wir umziehen müssen, gefühlsneutral entgegen, ärgert sich jedoch über die Art und Weise, wie der Entschluss fiel. „In meiner alten Schule hätten wir so etwas durch eine Kolloquiumssitzung geklärt. Es kann ja nicht sein, dass über unsere Köpfe hinweg solche Entscheidungen getroffen werden.“

Stefan hat sich oben im Neulehrerzimmer verschanzt. Er sagt er wird kein neues Lehrerzimmer betreten, auch kein neues neues oder altes neues oder altes neues neues.

Megan macht auf mich einen recht zufriedenen Eindruck. „Hauptsache ich bin mit den Menschen in einem Raum, die ich mag, der Rest ist doch egal.“
Hauptsache weit weg von Herrn Kleist.

Sarah hätte man sowieso lieber in eine Grundschule stecken sollen, sie hat schon große Pläne für das neue Lehrerzimmer. „Stellt euch doch mal vor, was man da alles machen kann. Der Raum ist nicht nur unserer, sondern offiziell unserer, das heißt, wir können ihn gestalten, wie wir wollen.“ Ich bete, dass sie keine Papierschmetterlinge aufhängen wird. Aber mal sehen.

Anja schweigt zu der ganzen Umzugsgeschichte. Ob es ihr tatsächlich vollkommen egal ist oder sie andere Gründe hat, ihre Meinung nicht kundzutun, sei dahin gestellt. Anderseits habe ich eh das Gefühl, Anja ist wie Moos, sie kann überall gedeihen.
Und das ist ausschließlich positiv gemeint.

Herr Bach scheint einzig den Umstand zu begrüßen, durch die verkleinerte Anzahl von Kollegen nun weniger Namen lernen zu müssen, denn er hat ein unfassbar schlechtes Namengedächtnis. (Meinen Namen hat er sich aber gemerkt nach dem letzten Mal.)

Emily erklärt, dass das neue Lehrerzimmer sicher genauso gut ist wie das alte, vielleicht sogar besser, weil jünger, und dass alles in allem sowieso egal ist, wo wir Pause machen, Hauptsache wir haben die Dinge, die wir brauchen, Platz und Sitzmöglichkeiten.

Felizitas bemerkt, dass es sicher eine Weile dauern wird, bis die Schüler und im neuen Lehrerzimmer finden werden, und diese Aussicht scheint dann auch ein paar andere zu versöhnen.

 

Wenn man es so betrachtet, ist die Strafversetzung, wegen der wir so eine Aufregung veranstaltet haben, vielleicht doch nur halb so schlimm wie gedacht. Denn obwohl alle zuvor herum geheult haben, ist das neue Lehrerzimmer nun plötzlich gar nicht mehr so schlimm.

Es ist Schutzraum vor Angriffen seitens der älteren Kollegen, besonders der Rondell-Seeger-Fraktion. Es ist Ernüchterungsschutz für die, die ihre Motivation nicht verlieren wollen. Es ist die Gegenfestung zum Lehrerzimmer. Es ist die Abhilfe für jene, die mit drei Lehrerzimmern überfordert sind. Es ist der Raum, in den wir gern kommen, wenn er erst passend eingerichtet und mit unseren gewohnten Gegenständen gefüllt ist. Es ist die Gelegenheit für unser On-Off-Pärchen, sich einen verliebten Blick zuzuwerfen, ohne etwas über die Jugend von heute zu hören zu bekommen (sobald sie wieder zusammen sind). Es ist die Möglichkeit für neue Freundschaften und Kontakte, was uns sicher auch mal gut tut.

Und vor allem ist es einfach bloß ein Lehrerzimmer. Wir müssen hier ja nicht den Rest unseres Lebens verbringen. Wir sollen bloß für die Zeit, in der wir nicht unterrichten, hier einkehren und an ganz besonders guten Tagen vielleicht sogar so etwas wie ein kleines bisschen Ruhe finden oder wenigstens unsere Sachen verstauen können.
Ich sehe mich im neuen Lehrerzimmer um und mit einem Mal ist die Sitzordnung egal. Denn es sind meine Freunde, die ich hier sehe. Und die, die es werden können.

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

P.S.: Sarah hat zum Trost den Cappuccino besorgt, den es auch in der Grundschule gibt. Damit dürfte unser neues Lehrerzimmer zum In-Treff der Schule aufsteigen.

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Alles neu und eigentlich nichts und ich will, wo auch immer ich hingehe, eine Kaffeemaschine

Seit wir aus den Ferien wiedergekommen sind ist alles neu, allem voran aber das Lehrerzimmer. Damit meine ich jetzt nicht das Neulehrerzimmer, denn das ist das alte geblieben. (Haha, neu und alt – gewöhnt euch lieber dran.)
Neu jedoch wird das Lehrerzimmer gemacht, das umgebaut wird, und der Lagerraum der Hausmeister, welcher ebenfalls in den Ferien ausgebaut wurde, jedoch im Gegensatz zum Lehrerzimmer auch fertiggestellt wurde.

Aus dieser Tatsache ergeben sich nun folgende Probleme:
1.      Das Lehrerzimmer ist nur zur Hälfte nutzbar.
2.      Das Neulehrerzimmer darf nun offiziell nicht genutzt werden, wird es aber.
3.      Das neue Lehrerzimmer wird nicht benutzt.

Bröseln wir das also mal auf.

Zu 1. lässt sich sagen, dass die Hälfte des Lehrerzimmers noch abgesperrt und mit einer Schieferholzplatte vom Kollegium getrennt ist. Trotzdem ist der gesamte Raum sowie jegliche Gegenstände, die wir unbedachter Weise liegen lassen, mit einer gut zwei Zentimeter dicken beigegelben Staubschicht überzogen. Den Personen, die sich länger als gute fünf Minuten im Lehrerzimmer befinden, ergeht es übrigens ebenso.

Die Kollegen sind dementsprechend nicht so gut auf die ganzen Umbauten zu sprechen, leben aber entweder schon so lange dort, dass sie in einer einzigartigen Symbiose mit ihren Plätzen sind, die ihnen das Fortgehen unmöglich macht, oder haben Freunde dort, die diese Symbiose eingegangen sind, sodass sie nur unter größtem Trennungsschmerz einen halbwegs bewohnbaren Raum suchen könnten.

Wie man sieht, ist das Verlassen des Lehrerzimmers eine unzumutbare Aufgabe.

 

Auch 2. schildert einen sehr interessanten Umstand, der zu gehörig aufgeheizte Diskussionen führt, die meistens mit dem Schluss enden, dass ich eine schreckliche Person bin („Warum hat sie uns den Raum gezeigt, wenn wir nicht darin bleiben dürfen?“) oder dem, dass unser Direktor eine schreckliche Person ist („Warum hat er uns das vorher erlaubt, wenn wir nicht darin bleiben dürfen?“). Egal welche der beiden Möglichkeiten den Ausgang des Gespräches bedeuten, die Unzumutbarkeit den Raum nicht weiter nutzen zu dürfen klingt in jedem Wort mit.

Die Lehrer haben sich einfach schon zu sehr an das Neulehrerzimmer gewöhnt, es ist ihre Zuflucht, ihr Panikraum. In ihm können sie sich sicher fühlen und für einen winzigen Augenblick der wunderbaren Phantasie nachhängen, die Schüler könnten sie hier nicht finden.
Wir haben dort alles, was es zum Leben braucht, eine Kaffeemaschine, eine Couch, Stühle und Tische sowie Berti. Lehrerherz, was willst du mehr?

Wie man sieht, ist die Nichtbenutzung des Neulehrerzimmers eine unzumutbare Aufgabe.

Ebenso wichtig ist 3., was ich besonders genial finde, weil die Tatsache, ein neues Lehrerzimmer zu gründen, eigentlich super ist. Leider aber kommt diese Prachtidee gut eineinhalb Jahre zu spät, wir haben uns schon längst umorientiert und das Neulehrerzimmer bezogen.

Da wir aber das Neulehrerzimmer nicht mehr nutzen dürfen, hat Stefan geäußert, sich einen Schutzanzug kaufen zu wollen und ins Lehrerzimmer zurück zu kehren. Das wiederum hat eine Welle der Empörung durch die Reihen derer rollen lassen, die im Lehrerzimmer ihre Stammplätze haben.
Die Referendare sollen doch ausgelagert werden, beschließen die Kollegen. Weil die sowieso niemand braucht. Außerdem kann sich so junges Gemüse ja noch viel besser umgewöhnen als ihrer eins.
Das finden die Referendare (und wir Junglehrer, die natürlich mal wieder zu dieser Sparte dazu gezählt werden) falsch. Sie sehen nicht ein, warum ausgerechnet sie jetzt aussortiert werden sollen, nur weil die anderen so eingefahren sind in ihren alten Mustern.

Das Fazit ist demnach, dass niemand ins neue Lehrerzimmer einziehen will, nicht, weil das schlecht wäre, aber weil es negativ behaftet ist. Außerdem haben wir ja alle unsere Lehrerzimmer, wenn da nicht 1. und 2. wären.

 Wie man sieht, ist das Nutzen des neuen Lehrerzimmers eine unzumutbare Aufgabe.

In diesem Schuljahr ist alles neu.“ sagt Herr Jochender. Das Kollegium fragt für was.
Und ich sehe sie mir an, wie sie wegen solcher Nichtigkeiten stressen, und kann nicht glauben, das mich das vor diesem Wochenende noch so beschäftigt hat. Wenn uns nur bewusst wäre wie egal diese Lehrerzimmer-Geschichte ist. Leute, es ist nur ein Raum. Mehr nicht. Schaut uns an. Wir sollten uns lieber um eine Kaffeemaschine bemühen.

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

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Heute hatte ich eine Familie

Wir sind mitten in der Nacht nach Hause gefahren, und auch wenn ich nicht schlafen konnte, so habe ich doch gedöst. In der Wohnung habe ich meine Tasche gepackt, das nötigste gegessen, dann ging es zur Schule.

Als ich das Lehrerzimmer betrete, stehen meine Freunde zusammen, nachdem ich für den obligatorischen Sonntagsplausch mit Emily daheim nicht zu erreichen war, rief sie mich über das Handy an. Jetzt wissen alle Bescheid.

 

Sarah kommt auf mich zu und umarmt mich, Felizitas ebenso. Emily lächelt mich an, Stefan streicht mir über den Rücken. Auch wenn ich nicht wirklich fort war, fühle ich mich, als wäre ich angekommen. Und irgendwie stimmt das auch, denn der Freitag, an dem ich mich von den anderen verabschiedete, scheint ewig her zu sein.

Herr Wallert macht mir einen Kaffee, ein Muffin steht auf meinem Platz, und als ich zu Herrn Polwin-Kaulwitz blicke, nickt er mir zu. Ich hebe beschwichtigend die Hände. „Er ist aus dem Gröbsten raus.“

 

Als es zum Unterricht klingelt, fühle ich mich ein wenig zwischen den Zeiten, aber nicht allzu sehr. Das war schon wesentlich schlimmer. Und die Schüler, die mich kritisch ansehen, weil ich heute so streng wirke, lassen sich mit einem Kopfschütteln zur Ruhe bringen. Sie fragen nicht nach, und ich hätte auch nichts sagen können.

Auch die zweite Klasse verhält sich toll. Ein unausgesprochenes Abkommen lässt sie mich nicht auf mein ungewohnt ruhiges Verhalten ansprechen. Mein Handy ist die ganze Zeit an, in Notfällen ist uns das erlaubt. Herr Jochender hat mich darauf extra noch einmal aufmerksam gemacht.

 

In der ersten großen Pause ruft mich meine Cousine an, verwirrt, traurig, aufgelöst, aber doch irgendwie auf der Höhe. Wir telefonieren, ich höre mir alles an, sage, was auch alle anderen ihr schon erzählt haben. Ich scherze leise mit ihr, dass wir doch abgesprochen hatten nach den letzten Fällen, dass wir keine Anrufe mit schlechten Nachrichten mehr haben wollten. Sie erzählt, und sie fängt an zu weinen, wodurch auch ich hart mit mir kämpfen muss.

Herr Reeden mokiert sich über mich, als ich das Lehrerzimmer wieder betrete und auf meinen Platz zurück schleiche. Er habe es satt, dass die privaten Angelegenheiten immer mit in die Schule gebracht würden. Das Lehrerzimmer sei der falsche Platz für solche Dramen. Und überhaupt solle man solche Dinge doch vor der Tür lassen.

Da steht Frau Rondell auf, baut sich vor ihm auf und fixiert ihn aufgebracht. Wenn er nur den Hauch einer Ahnung hätte, wie es ist ein wirkliches Problem zu haben, würde er solche Reden nicht schwingen. Natürlich wäre es unangenehm, aber verdammt nochmal, es gäbe eben Dinge, schlimme Erlebnisse, die man nicht an der Türschwelle hinter sich lassen könne. Und dann sei eben der Ort, an dem man so einen großen Teil seiner Zeit verbringt, der Raum, in dem man das ausleben müsse.

 

Ich sitze auf meinem Platz, hole den Muffin aus seinem Papier und trinke einen Schluck des heißen Kaffees. Ich sehe mir meine Freunde und meine Kollegen an, und ich glaube, dass es gerade kaum einen Ort gibt, an dem ich lieber wäre als hier. Denn heute habe ich eine Familie. Eine Familie, die für mich da ist. Eine Familie in der Schule.

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

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Wenn die Zeit still steht

Ich kenne diese Art von Anrufen. Es ist nicht lange her, da haben sie mich gelähmt, ein halbes Jahr lang nicht ans Telefon gehen lassen, weil es doch jedes Mal wieder nur eine solche Nachricht war. Für mein Alter habe ich schon zu viele dieser Anrufe bekommen, jener Anrufe, bei denen die Person am anderen Ende mit ungewohnt klingender Stimme fragt, ob man dran ist.

Bei normalen Anrufen läuft das anders, achtet mal darauf. Da fragt niemand nach, ob man es ist. Da wird davon ausgegangen. Aber vielleicht ist diese Frage auch ein Grund dankbar zu sein, denn man merkt so schon früh, in welche Richtung das Gespräch gehen wird.

Ich habe über Monate unruhig geschlafen, bin jedes Mal zusammen gezuckt, wenn das Telefon klingelte. Es gibt nur eine gewisse Menge Unglück, die man erträgt, und jede Familie kann nur mit einer bestimmten Anzahl an Verlusten fertigwerden. Irgendwann habe ich nur noch gehofft, dass es niemand aus meinem direkten Familienumkreis ist. Jeder Anruf, der vom Tod eines nahen Bekannten, eines Freundes, eines weiteren Verwandten berichtete, war dennoch eine Katastrophe. Ein brennendes Haus trat in den Schatten, weil ein Kind den Unfalltod der Mutter miterlebte. Ein Aneurysma nahm uns einen vierzigjährigen Vater zweier Kinder. Der Großvater im Krankenhaus, die OP zu gefährlich. Eine Fehlgeburt.

Wenn ich zurückblicke, muss ich sagen, normalisiert sich das Leben wieder. Jeder Tag, der vergeht und an dem nichts geschieht, lässt uns ein bisschen diesen schrecklichen Schmerz des Verlustes vergessen. Wir machen weiter, wir gehen unseren Weg. Solange, bis es wieder hochkommt. Bis wir wieder solch einen Anruf bekommen.

Meine Mutter fragte mich, ob ich es sei, als ich mich am Telefon meldete, und ihre Stimme klang zittrig. Ich betete, es wäre nicht das Schlimmste. Und dann dauerte es, bis sie es mir erzählen konnte, so erzählen, dass ich es verstand. Mein Onkel hatte einen Herzinfarkt auf dem Nachhauseweg, er hatte ihn bemerkt, war auf die Seite gefahren und hatte Hilfe gerufen. Er war sogleich ins Krankenhaus gekommen, operiert worden. Meine Tante war aufgelöst, ihre Kinder ebenso. Ich setzte mich sogleich ins Auto und fuhr zu meinen Eltern.

Wir überlegten gemeinsam, was zu tun sei, ob wir zu ihnen fahren sollten, auch wenn es so viele Stunden dauern würde. Bis wir da wären, würde es Nacht sein, der Zustand der Erregung, in dem wir uns befanden, war kein guter Begleiter. Doch die Nacht ist für den Frischoperierten gefährlich. Wie könnte man es sich verzeihen nicht dort zu sein? Niemand anderes als meine Mutter stand ihr Leben lang an der Seite ihrer Schwester, erzog sie, brachte sie durch schwere Zeiten.

Auch mein Bruder kam in das Haus, in dem ein tief sitzender Schock für ein bedrückendes Schweigen sorgte, sich Tränen der Hilflosigkeit lösten, die Hoffnung hochgehalten wurde, es würde schon werden, müsse es ja. Meine Eltern verfielen in ihre typischen Reaktionen, schon oft genug war Schlimmes passiert, dass ich es von ihnen kannte, dennoch kann ich es noch immer nicht ertragen. Mein Vater, der versucht vernünftig zu bleiben, es zu durchdenken, es zu analysieren, und der doch in seinen Augen nicht verbergen kann, wie es ihm geht. Dass es ihm unfassbar viel Kraft abverlangt sich so zu verhalten. Meine Mutter, die versucht eine positive Seite an dem Ganzen zu finden. Das, was ich am allerwenigsten ertragen kann.

Wenigstens hat er es bemerkt. Zum Glück ist er rechtzeitig zur Seite gefahren. Er hätte es auch nicht ernstnehmen können. Gut, dass er gleich operiert wurde. Er ist ja noch nicht so alt.
Es erinnert mich an den Unfall. Als es hieß, es hätte noch schlimmer sein können, genauso gut hätten alle im Wagen tot sein können. Die Wahrscheinlichkeit wäre so hoch gewesen…

Ich kann mir das nicht anhören, auch wenn ich weiß, dass sie es nur macht um dem Ganzen nicht in dieser schrecklichen Hilflosigkeit entgegen zu stehen. Doch mir tun die Worte, mit denen sie den Raum füllt, nicht gut. Ich möchte auch nicht über die Operation sprechen und über den Ausgang in den meisten Fällen und was jetzt wie gelegt wurde. Was das angeht bin ich ganz anders gestrickt. Ich will wüten. Weinen. Ich will darüber klagen, wie unfair das Leben ist, und ich will, verdammt nochmal, aussprechen, was passiert ist. Auch wenn es die besten Umstände für einen Herzinfarkt gewesen sein mögen, es war ein Herzinfarkt. Ich muss das sagen können. Es war ein Herzinfarkt und dieser ist scheiße. Und ich kann es, später, in der Dunkelheit auf unserem Balkon, im Arm meines Bruders.

Die Stunden sind Warten, eine Unsicherheit liegt zwischen mir und meinem Bruder, meinem Freund, meinem Vater. Meine Mutter telefoniert mit ihrer Schwester, der Schwester meines Onkels, mit meinen Cousinen, allen möglichen Menschen. Sie ist eine Stütze in Momenten wie diesen, denn sie kann die medizinischen Hieroglyphen übersetzen. Und manche brauchen genau das, was sie macht. Dass jemand ihnen sagt, dass die Operation ja nicht so schlimm ist und dass es ja trotz allem gut gelaufen ist, von den Umständen her. Dass er es rechtzeitig gemerkt hat, dass er zur Seite gefahren ist und Hilfe geholt hat und ins Krankenhaus kam und operiert wurde und…

Mittlerweile liegt mein Onkel auf der Intensivstation, es geht ihm, den Umständen entsprechend, gut. Wenn alles reibungslos läuft, kann er vielleicht sogar schon am Wochenende nach Hause zurückkehren. Es war nur ein mittelschwerer Infarkt, erzählt meine Tante, und auch sie hat sich ein wenig gefangen. Die Stunden der Ungewissheit scheinen vorbei, die Nacht wird noch wichtig, doch wir sind alle von Hoffnung erfüllt. Langsam löst sich der Schock.

Ich sehe meinen Vater, wie er sich im Badezimmer über die Augen fährt. Noch fehlt mir das Gefühl wieder frei atmen zu können. Und wenn das Telefon klingelt, gehe ich nicht ran, andere tun es. Aber wenn ich hier sitze, erschöpft und müde, voller Gedanken, zwischen meinem Freund und meinem Bruder, dann merke ich, wie wertvoll meine Familie ist. Vielleicht haben auch wir mal Glück. Vielleicht war der Herzinfarkt ein Warnzeichen und bedeutet nicht den Tod. Vielleicht ist es, wie meine Mutter sagt, und wir haben Glück im Unglück. Irgendwann einmal, finde ich, haben wir das einfach verdient.

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Sushi für die Seele

Nach dem Unterricht haben wir uns nicht voneinander loseisen können, demnach sitzen wir nun mit einem relativ großen Teil des Kollegiums in der kleinen Sushibar der Stadt und sprechen über Gott und die Welt, in unserem Fall also über die Schule.

 

Ich sehe mich um und interessiere mich dafür, wer eigentlich alles mitgekommen ist, und es stellt sich heraus, dass wir eine ziemlich bunte Gruppe geworden sind.

Da ist Felizitas, die noch immer Ballerinas, sprich flache Schuhe, trägt, auch wenn Herr Helfrich sich sicher schon dreitausend Mal entschuldigt hat, und die Unmengen von Garnelen-Nigiris isst, auch die von Herrn Helfrich, der dafür ihren Ingwer bekommen hat, den sie zu scharf findet.
Neben Herrn Helfrich sitzen Herr Krombalk sowie Herr Clemens, und während ich versuche dem Blick von Nicolas zu entkommen, ohne rot zu werden, werfen sich Herr Krombalk und Sarah verletzte Blicke zu, wenn der andere nicht hinsieht, wobei ich mich frage, ob ich wirklich die Einzige bin, die das bemerkt.

Neben Sarah sitze nicht nur ich, sondern auch Megan, die in der letzten Zeit wahrlich aufgeblüht ist. Sie meint, es wäre besser die Energie in die Schule zu stecken, als in ihr Privatleben, wo es momentan recht karg aussehe.
Ich habe versucht ihr zu erklären, dass ich das weiß Gott angenehm finden würde, und dass sie es genießen soll, keine Probleme zu haben.
Und irgendwie schafft sie es auch, denn sie erzählt fast täglich von etwas Tollem, was ihr im Unterricht passiert ist, und das erfreut dann doch mein Mentorinnen-Herz.

Neben Megan sitzt Frau Debian, Leslie, mit ihrer selbstgemachten Strickumhängetasche auf dem Schoß, kann trotz des schönen Sommerwetters und der vielleicht letzten Sonnenstrahlen ihre Stricksachen nicht ruhen lassen, und diskutiert mit Felizitas, was die Trendfarben dieses Herbstes sein werden.
„Das ist das einzig Bedauernswerte,“ hatte Emily vor ein paar Tagen zu mir mit einem Blick auf die gefühlte hundertste Tasche gemeint. „wenn  Feli wüsste, ob es ein Mädchen oder Junge wird, dann würde sie rosa oder blaue Kindersachen stricken.“

Jetzt wiederum strahlt Sarah, sie ist in ein Gespräch mit Herrn Bach vertieft, der von einem Programm erzählt, welches er während seines Studiums kennen gelernt hatte.
Brianna, unsere assistant teacher, sitzt neben dem neuen Kollegen und schweigt fasziniert, schnellgesprochenem Deutsch kann sie nur schwer folgen, vor allem, wenn alle so durcheinander reden.

Neben mir sitzt Daina, welche in der letzten Zeit blasser ist als sonst, sie ist angestrengt von dem Hickhack, den sie momentan wieder in ihrer Fachschaft haben.
Wenn es so weiter geht, erklärt sie mir, dauert es keine Woche mehr bis etwas explodieren wird. Aber sie sieht nicht ein, mit den Experimenten aufzuhören, notfalls werde sie alle Materialien persönlich auswaschen und irgendwo einschließen.
„Meine Angst ist nur, dass sie beim nächsten Mal ein Reagenzglas mit Resten von Phosphortrichlorid oder ähnlichem stehen lässt. Da muss ich nur auf die Idee kommen das Ding auszuwaschen und…“
„Und was?“ erkundige ich mich als unkundige Nicht-Chemikerin, was Finja auflachen lässt.
„Es bildet sich Phosphor- und Salzsäure unter großer Hitzeentwicklung.“

Alles Chemiker außer mir, na typisch. Dabei passt es gar nicht zu Finja, unserer Vorzeige-Französischlehrerin, die nun grinsend erklärt, in ihrer Schulzeit ein Faible für Chemie gehabt zu haben.
„Warum hast du es dann nicht studiert?“ erkundigt sich Daina, die ebenfalls überrascht wirkt.
Finja verdreht amüsiert die Augen. „Ich mochte es, Sachen abzufackeln, ich wollte nie selbst abgefackelt werden.“
„So ist die Chemie gar nicht,“ beginnt Daina, aber ich winke ab, weil ich ihr Loblied auf ihr Lieblingsfach schon gut genug kenne, demnach bekommt es Finja erzählt und ich kann mich weiter meinen Beobachtungen widmen.

Sarah spielt unter dem Tisch mit dem Bein von Herrn Krombalk, der wie gebannt auf sein Avocado-Mini-Mako sieht, das zwischen den Stäbchen darauf wartet, gegessen zu werden. Sie spricht dabei weiterhin mit Felizitas, die über den Vorteil von Doppelstunden referiert, die sich Sarah schon seit langem wünscht.
Herr Bach diskutiert mit Brianna auf Englisch über Amerika, denn er hat gerade erzählt, dass er während seiner Schulzeit ein Austauschjahr in Chicago verbracht hat.
Die Kollegin scheint es zu begeistern, endlich wieder ihre Muttersprache sprechen zu können, denn wenn man ehrlich ist, tun wir dies nur, wenn wir ihr das, was wir wollen, wirklich absolut gar nicht auf Deutsch begreifbar machen können.

Herr Helfrich hat die Story von Herrn Bach dazu genutzt, seine letzte Klassenfahrt aufzuwärmen, und findet sogar jemanden, der zuhört, was bei unserem Kollegium ja immer ein wenig schwierig ist.
Doch Leslie und Megan hängen in typischer Referendarinnen-Manier an seinen Lippen und saugen jedes Wort begierig auf, das der erfahrene Kollege berichtet.
Und als ich gerade denke, dass ich schon erwarte, dass sie so reagieren, sieht Megan auf und zwinkert mir wissend zu. Upps, da habe ich sie wohl zu schnell verurteilt. Und wie süß, dass sie das Spielchen mitspielen.

 

Versonnen sehe ich über meine Kollegen hinweg, da treffen sich Nicolas und mein Blick, unwillkürlich muss ich lächeln. Irgendwie habe ich das Kollegium ja wirklich lieb.

Wir sollten viel öfter Sushi essen gehen, denn das ist Balsam für die Seele.

 

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

P.S.: Okay, Balsam in Form von rohem Fisch.
P.S.S.: Hmm. Irgendwie war das wirklich poetischer, bevor es aufgeschrieben war.

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Fünfzehn Zentimeter (Vorausgesetzt, du hast dich nicht verrechnet.)

Es gibt Neuigkeiten an der Felizitas-Front, an der es die letzte Zeit ja nicht besonders lustig hergeht. Sie versucht noch immer zu verdrängen, dass das Kind, was in ihr heranwächst, tatsächlich real ist, und während unserer Sorge täglich größer wird, dass sie nachher einen Schock oder so etwas bekommt, wenn sie feststellt, dass dieses Baby sich nicht einfach in Luft auflösen wird, nehmen auch bei Feli zwei entscheidende Dinge zu: Ihr Bauch und ihre Schuhe.

Denn je länger sie schwanger ist, desto höher wird ihr Schuhwerk, und so kommt es, dass ihre italienischen Plateau-Sandaletten mit Riemchen und Schnürung heute geschlagene fünfzehn Zentimeter Absatz haben.

Feli stört das natürlich nicht, sie stöckelt stolz und begeistert von sich selbst durch die Gänge und spielt das hübsche Model. Denn eines muss man ihr trotz allem ja lassen, sie kann auf diesen Dingern gehen wie Heidi Klum, Claudia Schiffer und Co.

Genau aus diesem Grund laufen uns dann auch geschlagene zehn Minuten drei Schülerinnen durch das gesamte Gebäude nach, bis sich Feli gereizt umdreht. „Was macht ihr denn da? Habe ich noch irgendeinen Test von euch oder so etwas?“

Die Mädchen kichern, bis die eine zu einer Erklärung ansetzt. „Nein, wir sind ein Fanclub.“

„Dein Problem.“ befindet Feli und macht eine wegwerfende Bewegung. Ich streife die Schülerinnen, die mir merkwürdig unbekannt vorkommen, mit einem Blick und sehe dann Feli an. „Ach ja?“
Die Mädchen kichern erneut. „Eigentlich sind wir kein Fanclub von Ihnen, Frau Falke.“

Ich versuche nicht ganz so erleichtert auszusehen, wie ich mich fühle, und wende mich an meine Kollegin. „Dein Problem.“

Die Mädchen kichern wieder. „Eigentlich auch nicht, Frau Lendor.“

Wir tauschen einen kaum genervten, aber ziemlich fragenden Blick. „Ach?“

„Wir sind nämlich der Fanclub Ihrer Schuhe.“

Felizitas lächelt, empfiehlt den Mädels, sich ein anderes Hobby zu suchen, und so schaffen wir es zumindest innerhalb von den nächsten fünf Minuten ins Lehrerzimmer zu kommen.

Den Rest des Tages ziert ein Lächeln das Gesicht der Freundin, die fast schon stolz mit ihren Schuhen durch die Gänge stöckelt.

Und ich werde wieder einmal nicht das Gefühl los, dass sie sich selbst etwas vorspielt, das verunsichert mich, das macht mir Angst. Sie wird irgendwann einsehen müssen, dass sie so nicht weitermachen kann, aber ich bin mir nicht sicher, wie sie dann reagieren wird.

Wie lange wird sie dieses Kind noch leugnen können, wie lange ihren Beziehungsproblemen aus dem Weg gehen?

Irgendwann können ihre Schuhe nicht mehr höher werden, dann muss sie einsehen, dass sie ihr Leben in den Griff kriegen muss, bevor das Baby kommt. Solange aber werden die Absätze ihrer Schuhe ebenso an Höhe zunehmen wie ihr Bauch an Umfang.

Soweit wäre alles gut gegangen, wenn nicht Herr Helfrich sich einen Spaß mit ihr erlaubt hätte, indem er, von seiner Klasse in den Raum von Felizitas sehen könnend, die Lehrerin als Beispiel für den Verwendungszweck des Dreisatzes herangezogen hätte.

Er aber erklärte, dass mit dieser simplen mathematischen Berechnung zu klären wäre, wie hoch die Absätze der Schuhe der Frau seien, wenn man nur wisse, dass sie Einsfünfundsiebzig groß war.

Und so rechneten die Schüler brav, wie hoch die Sandalen-Riemchen-was-weiß-ich-Dinger waren, was sich sogleich wie ein Lauffeuer verbreitete.

Soweit, so gut.

Geschätzte zehn Minuten später, mittlerweile hatte es geklingelt:

Wutentbrannt rauschte Felizitas ins Neulehrerzimmer, schmiss ihre Sachen in die Ecke und fuhr herum, als Herr Helfrich sie am Arm packte. „Lassen Sie mich los! Ich werde ganz bestimmt nicht mit Ihnen reden!“

„Frau Lendor, bitte. Das war doch nicht böse von mir gemeint.“

„Ach nein, war es nicht? Dann erklären Sie mir bitte, warum Sie mich so blamieren mussten! War das denn wirklich nötig?“ Felizitas riss sich los und stürmte an uns vorbei.

Sie blieb kaum zwei Sekunden später widerwillig stehen, als er sie erneut zu fassen bekam und festhielt.

„Jetzt warten Sie doch bitte. Ich wollte Ihnen wirklich nicht zu nahe treten, es war nur ein Witz, verstehen Sie? Bitte, Frau Lendor, Felizitas, ich meine,“
„Nein, es war kein Witz.“ Feli nahm mir die Kaffeetasse aus der Hand und trank einen Schluck, obwohl sie doch beschlossen hatte mit der Koffeinaufnahme aufzuhören.

„Und das ist das Problem.“
Herr Helfrich zog sich einen Stuhl heran, den er ihr gegenüber hinstellte. „Ich wollte Sie wirklich nicht verletzen, das wissen Sie, oder?“

Felizitas zog die Schultern hoch und ließ sie wieder fallen, verschränkte die Arme wie ein bockiges Kind. „Das haben Sie aber getan.“

„Nur weil ich Ihre Schuhe berechnen ließ?“ erkundigte sich Herr Helfrich mit einer hilflosen Geste, fast schon wieder lächelnd, aber nur fast.

„Sie haben nicht bloß meine Schuhe berechnen lassen. In den Augen dieser Schüler haben Sie gesagt: „Hey, seht mal, die blöde Lendor in Ihren übertriebenen Schühchen, die ist ja wohl richtig albern. In was für einem Schwachsinn von hohem Schuhwerk ist sie denn heute unterwegs?““

„Das glauben Sie nicht wirklich.“ hakte er erstaunt nach.

„Ach nein?“ versetzte sie spitz.

„Als würden die Schüler sich solche Gedanken machen, Felizitas.“

Sie zuckte die Schultern. „Dann eben nicht die Schüler, sondern Sie.“

Er schüttelte den Kopf und sah sie an. „Warum sollte ich das tun?“

Abermals zuckte sie mit einer hilflosen Geste die Schultern. „Was weiß ich, warum Sie so etwas machen.“
„Frau Lendor, ganz ehrlich, Sie sind eine tolle Kollegin und eine nette Frau.
Und wenn ich, aus welchem Grund auch immer, irgendetwas gegen Sie einzuwenden hätte, dann würde ich das ganz bestimmt nicht machen, indem ich mich vor Schülern über Sie lustig mache. Und schon gar nicht über Ihre Schuhe.“

Felizitas nickte langsam, und am Ende waren die beiden wieder soweit versöhnt, wie man es in einem solchen Moment mit einer Feli in der beschriebenen Situation sein kann. (Sie zitterte also zumindest nicht mehr vor Wut und aus ihren Augen kamen auch keine tödlichen Blitze, die einem den Atem raubten, wenn man ihnen in die Quere kam.)

Dennoch trägt sie morgen Turnschuhe, verkündete sie, was wir noch nie an ihr gesehen haben, und ich sehe schon vor mir, wie sie sie tragen wird, als wären sie das Schlimmste, was ihr je passiert ist.

Es grüßt ganz lieb

Frau Falke

P.S.: Armer Herr Helfrich, an anderen Tagen hätte Felizitas über seine Aufgabe herzlich gelacht.

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