Jedes Kollegium braucht blondes Gift

 

„Die erinnert mich doch an wen.“

Wir sitzen bei Felizitas, die uns einberufen hat um mit ihr eine Serie zu verfolgen, die wahrscheinlich keine von uns eingeschaltet hat, als sie lief. Ich nicht, weil ich für Telenovelas und Soaps noch nie etwas übrig hatte, und Sarah nicht, weil sie diese ständige Disharmonie, die sich durch die ganzen dreißig Minuten Serie zieht, nicht ertragen kann. (Es ist aber zu erwähnen, dass sie dafür Actionfilme liebt, nicht, dass jemand noch auf die Idee kommt, sie wäre zu zart besaitet.)
Feli aber braucht so was im Moment, und seit sie die DVDs besitzt, die sie Gott weiß wo aufgetrieben hat, versucht sie uns zu überreden uns das anzusehen. Jetzt hat sie es wohl geschafft.

 

„Wenn ich bloß wüsste wer.“ sinniert Felizitas weiter. Die erste Folge läuft gerade mal seit drei Minuten, aber unsere Freundin hat schon das gefühlte tausendste Mal gefragt. Dann leuchten ihre Augen.
„Jetzt weiß ich es! Sie erinnert mich an Kerstin.“
Sarah nickt, während sie ein Stück Apfelkuchen auf ihre Gabel schiebt. „Zumindest vom Aussehen, das mag stimmen, aber doch so gar nicht vom Typ, oder?“
Ich lege nachdenklich den Kopf schief. „Sie ist jung, engagiert und eine Musiklehrerin, aber sonst?“
„Moment mal, engagiert hat sich Kerstin bislang ja nicht gerade gezeigt.“ befindet Felizitas. „Und so ein übertriebener Gutmensch ist sie auch nicht.“

Sarah zieht sich seufzend die petrolfarbene Decke über ihre Beine. „Es ist halt nur ein Film, Mädels. Die beiden unterrichten das gleiche Fach, das mag sein, und auch ihr Alter ist sicher nicht weit voneinander entfernt, aber außer der Tatsache, dass beide brünett sind, haben sie nichts miteinander gemein.“
„Ich finde trotzdem, dass es Parallelen zu unserer Schule gibt.“ lässt sich Felizitas nicht beirren.

„Und wo siehst du da die Parallelen? Die ganze Serie steckt voller Fehler, nichts von dem, was da passiert, würde an einer richtigen Schule derart stattfinden.“ hole ich sie auf den Boden der Tatsachen zurück.
„Was stört dich denn bitte?“
„Na, zum Beispiel, dass die Lehrerin ihre Handtasche auf den Musikflügel legt. Das würdest du doch niemals tun, oder?“
„Natürlich nicht.“ gibt Feli kleinlaut zu.
„Und dann diese besprühten Schulmauern. Entweder sprayen die Jugendlichen die komplette Schule voll, da werden sie dann auch nicht wegen der Mauer halt machen, oder sie lassen es ganz. Nur dass die die Schulmauer dicht besprühen und die Schule nicht anrühren, das kannst du mir nicht erzählen wollen.“

Sarah nickt. „Eben. Genauso diese Besetzung,“
„Vor der Direktorin sollte man eine Verbeugung machen, die phantastisch besetzt.“ rede ich ihr dazwischen.
Sie verdreht die Augen. „Das sagst du doch nur, weil sie erstens nichts mit einem Kollegen laufen hat,“
„Noch nicht.“ prescht nun auch Felizitas dazwischen. „und zweitens nicht erst Anfang Dreißig ist.“
„Das ist doch überhaupt nicht wahr!“
Die beiden werfen sich einen verschwörerischen Blick zu und grinsen.

Ich schenke mir einen Kaffee ein, obwohl ich es eigentlich besser weiß. „Noch mal zu dem Kollegium zurück. Dieser Kollege ist ja wohl mal komplett daneben.“
„Warum denn das? Er ist attraktiv, smart, humorvoll und souverän.“
„Wir reden hier von einem Lehrer, Feli, denk doch mal nach. Welcher unserer Kollegen ist denn solch ein Schmuckstück?“
Wir lachen. „Alle?“

„In einem aber hast du Recht, Sarah. Dieser Storystrang mit dem Konrektor und der Sportlehrerin ist wirklich das pure Klischee.“
„Meine Rede,“ befindet sie. „nur dass wir eigentlich noch dankbar sein sollten, dass die keine Referendarin ist.“
Felizitas schüttelt den Kopf. „Da wäre sie der Hauptfigur ja unterlegen.“
„Referendare sind auch,“ setze ich an, doch sie stoppt mich.
„Schon gut, war nicht so gemeint, Frau Obermentorin. Ich wollte bloß sagen, dass die schon so genug Machtgefälle zwischen sich haben, als dass sie auch noch Referendarin sein müsste.“

Ich lehne mich zurück und betrachte das Geschehen. „Dennoch finde ich es übertrieben, dass der sich auch so auf die Hauptfigur einschießt. Reicht es nicht, dass die andere mit der ein Problem hat?“
„Die Blonde finde ich super. So richtig blondes Gift.“
Sarah hebt fragend eine Augenbraue.
„Ich meine, so eine braucht doch jede Schule, eine Intrigantin, welcher der bloße Erfolg über alles geht.“ antwortet Felizitas und stellt ihren Teller auf dem Tisch ab.
„Wir haben auch niemanden wie die im Kollegium.“ gebe ich zu Bedenken.

Felizitas wiegt mit dem Kopf hin und her. „Sie ist in unserem Alter, hat langes blondes Haar…“
Ich verstehe, worauf sie hinaus will und steige mit ein. „Sie ist gut gekleidet…“
„Sie ist Sportlehrerin…“
Sarah öffnet gespielt entsetzt den Mund. „Das ist doch wohl nicht euer Ernst, oder?“
„Naja, die Anzeichen,“
„Aber trotzdem! Ich bin ja wohl kein blondes Gift.“

 

Da beschließen wir einhellig, die Serie lieber ruhen zu lassen, und sehen uns stattdessen den Tatort „Tod einer Schülerin“ an, weil es da wenigstens mal ein Deutschlehrer ist, der seine Schülerin verführt, und kein Mathelehrer. Und weil die Frau des Lehrers – im Übrigen auch Lehrerin – so unglaublich toll ist.

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

 

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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2 Antworten zu Jedes Kollegium braucht blondes Gift

  1. verlorenesschaf schreibt:

    Da sind ja mal viele Klischeeeees😀 Wie heißt denn die Serie?

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