Alles neu und eigentlich nichts und ich will, wo auch immer ich hingehe, eine Kaffeemaschine

Seit wir aus den Ferien wiedergekommen sind ist alles neu, allem voran aber das Lehrerzimmer. Damit meine ich jetzt nicht das Neulehrerzimmer, denn das ist das alte geblieben. (Haha, neu und alt – gewöhnt euch lieber dran.)
Neu jedoch wird das Lehrerzimmer gemacht, das umgebaut wird, und der Lagerraum der Hausmeister, welcher ebenfalls in den Ferien ausgebaut wurde, jedoch im Gegensatz zum Lehrerzimmer auch fertiggestellt wurde.

Aus dieser Tatsache ergeben sich nun folgende Probleme:
1.      Das Lehrerzimmer ist nur zur Hälfte nutzbar.
2.      Das Neulehrerzimmer darf nun offiziell nicht genutzt werden, wird es aber.
3.      Das neue Lehrerzimmer wird nicht benutzt.

Bröseln wir das also mal auf.

Zu 1. lässt sich sagen, dass die Hälfte des Lehrerzimmers noch abgesperrt und mit einer Schieferholzplatte vom Kollegium getrennt ist. Trotzdem ist der gesamte Raum sowie jegliche Gegenstände, die wir unbedachter Weise liegen lassen, mit einer gut zwei Zentimeter dicken beigegelben Staubschicht überzogen. Den Personen, die sich länger als gute fünf Minuten im Lehrerzimmer befinden, ergeht es übrigens ebenso.

Die Kollegen sind dementsprechend nicht so gut auf die ganzen Umbauten zu sprechen, leben aber entweder schon so lange dort, dass sie in einer einzigartigen Symbiose mit ihren Plätzen sind, die ihnen das Fortgehen unmöglich macht, oder haben Freunde dort, die diese Symbiose eingegangen sind, sodass sie nur unter größtem Trennungsschmerz einen halbwegs bewohnbaren Raum suchen könnten.

Wie man sieht, ist das Verlassen des Lehrerzimmers eine unzumutbare Aufgabe.

 

Auch 2. schildert einen sehr interessanten Umstand, der zu gehörig aufgeheizte Diskussionen führt, die meistens mit dem Schluss enden, dass ich eine schreckliche Person bin („Warum hat sie uns den Raum gezeigt, wenn wir nicht darin bleiben dürfen?“) oder dem, dass unser Direktor eine schreckliche Person ist („Warum hat er uns das vorher erlaubt, wenn wir nicht darin bleiben dürfen?“). Egal welche der beiden Möglichkeiten den Ausgang des Gespräches bedeuten, die Unzumutbarkeit den Raum nicht weiter nutzen zu dürfen klingt in jedem Wort mit.

Die Lehrer haben sich einfach schon zu sehr an das Neulehrerzimmer gewöhnt, es ist ihre Zuflucht, ihr Panikraum. In ihm können sie sich sicher fühlen und für einen winzigen Augenblick der wunderbaren Phantasie nachhängen, die Schüler könnten sie hier nicht finden.
Wir haben dort alles, was es zum Leben braucht, eine Kaffeemaschine, eine Couch, Stühle und Tische sowie Berti. Lehrerherz, was willst du mehr?

Wie man sieht, ist die Nichtbenutzung des Neulehrerzimmers eine unzumutbare Aufgabe.

Ebenso wichtig ist 3., was ich besonders genial finde, weil die Tatsache, ein neues Lehrerzimmer zu gründen, eigentlich super ist. Leider aber kommt diese Prachtidee gut eineinhalb Jahre zu spät, wir haben uns schon längst umorientiert und das Neulehrerzimmer bezogen.

Da wir aber das Neulehrerzimmer nicht mehr nutzen dürfen, hat Stefan geäußert, sich einen Schutzanzug kaufen zu wollen und ins Lehrerzimmer zurück zu kehren. Das wiederum hat eine Welle der Empörung durch die Reihen derer rollen lassen, die im Lehrerzimmer ihre Stammplätze haben.
Die Referendare sollen doch ausgelagert werden, beschließen die Kollegen. Weil die sowieso niemand braucht. Außerdem kann sich so junges Gemüse ja noch viel besser umgewöhnen als ihrer eins.
Das finden die Referendare (und wir Junglehrer, die natürlich mal wieder zu dieser Sparte dazu gezählt werden) falsch. Sie sehen nicht ein, warum ausgerechnet sie jetzt aussortiert werden sollen, nur weil die anderen so eingefahren sind in ihren alten Mustern.

Das Fazit ist demnach, dass niemand ins neue Lehrerzimmer einziehen will, nicht, weil das schlecht wäre, aber weil es negativ behaftet ist. Außerdem haben wir ja alle unsere Lehrerzimmer, wenn da nicht 1. und 2. wären.

 Wie man sieht, ist das Nutzen des neuen Lehrerzimmers eine unzumutbare Aufgabe.

In diesem Schuljahr ist alles neu.“ sagt Herr Jochender. Das Kollegium fragt für was.
Und ich sehe sie mir an, wie sie wegen solcher Nichtigkeiten stressen, und kann nicht glauben, das mich das vor diesem Wochenende noch so beschäftigt hat. Wenn uns nur bewusst wäre wie egal diese Lehrerzimmer-Geschichte ist. Leute, es ist nur ein Raum. Mehr nicht. Schaut uns an. Wir sollten uns lieber um eine Kaffeemaschine bemühen.

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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14 Antworten zu Alles neu und eigentlich nichts und ich will, wo auch immer ich hingehe, eine Kaffeemaschine

  1. Nessa schreibt:

    Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass ihr auch ohne Umbauten grundsätzlich mehr als ein Lehrerzimmer habt? Wenn ja: Warum eigentlich?! O.o

    • Frau Falke schreibt:

      Offiziell haben wir nur ein Lehrerzimmer. Das jedoch ist viel zu klein für alle Kollegen, und da wir ein paar heftigere Streitigkeiten hatten, wurde ein Raum zum zweiten Lehrerzimmer umfunktioniert, der eigentlich zur Aufbewahrung von Unterrichtsmaterial diente. Das wiederum sieht der Schulleiter nicht gern.
      Umgebaut wird das normale Lehrerzimmer. Um die Vertriebenen von dort dennoch unterbringen zu können, hat er den Raum der Hausmeister fertigmachen lassen. Da will nun nur leider niemand hin.

      Okay, das wird nicht besser, egal wie ich es formuliere. Chaos.

  2. Nobelix schreibt:

    Wenn der Direktor die Pause im alten Lehrerzimmer verbringt, sollte doch theoretisch sein Büro frei sein, oder? Das könnte man wiederum zu einem Interims-Lehrerzimmer umfunktionieren – mitsamt Garderobe im Sekretariat. Obwohl…ob sich die Sekretärin / der Sekretär darüber freuen würde? Ich bin mir da grade nicht so sicher…
    Interessant wäre es aber bestimmt, oder?😉

    Ach übrigens…du hast nicht zufällig einen Passierschein A38?😀

    • Frau Falke schreibt:

      Verdammt! Ich wollte die Idee vorbringen, aber du kennst das ja, mit diesem vermalledeiten Passierschein wird man rund um die Welt geschickt. Und als ich endlich ankam und deinen Plan umsetzen wollte, hatte mir Jochender das Zepter aus der Hand genommen.😉

  3. verlorenesschaf schreibt:

    Erinnere ich mich richtig… war Berti nicht der Fikus? Und der lebt immer noch? ^^ Respekt o.O

  4. frlstreberlin schreibt:

    ich bin immer noch verwirrt ^^

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