Die Lounge oder warum Frau Crande einfach die Allercoolste ist

Gestern:

 

Frau Crande betritt die Lounge, wie wir das neue Neulehrerzimmer inzwischen getauft haben, mit einem Stapel Hefte. Sie legt sie auf einem Tisch ab und verlässt den Raum, nur um wenige Minuten später wieder zurück zu kehren und einige Bücher zu hinterlassen. Das Ganze geht noch gut drei Mal so, dann ist die komplette Fläche des Platzes vollgepackt mit allem möglichen Kram.

Wir beobachten irritiert, wie sie sich eine Nische schafft, in der sie ein Heft aufschlägt, in welchem sie wiederum in aller Seelenruhe zu korrigieren beginnt. Es ist Stefan, der mittlerweile eingesehen hat, dass es nichts bringt oben allein im Neulehrerzimmer zu sitzen, der als erster ob dieses Naturschauspiels die Sprache wiederfindet.
„Oh, das heißt wohl, dass wir Sie hier herzlich begrüßen dürfen, oder wie?“
Frau Crande blickt auf, als wäre es das normalste der Welt, dass sie uns in unser nicht selbstgewähltes Exil gefolgt ist. „Aber sicher doch, was soll ich denn bei denen bleiben?“
Unsicher wirft er einen Blick in die Runde. „Nun ja, es hieß doch, nur die Referendare und Junglehrer sollten hierher gehen.“
Die Kollegin lässt den Stift sinken. „Zum einen, lieber Stefan, ist man, auch wenn man sich das als solcher Jungspund, wie Sie einer sind, sicher schwer vorstellen kann, so jung wie man sich fühlt.“
Er grinst, während er Kaffee auf verschiedene Tassen verteilt.
„Zum Zweiten sagen Sie es soeben selbst, sie haben mit dieser Lounge ein Junglehrerzimmer aufgemacht. Da muss doch irgendwer auf euch Küken aufpassen, und wer wäre da geeigneter als meine Person?“

Die Tür geht erneut auf, dieses Mal ist es Kelly, die völlig entnervt ihre Tasche auf einem der Stühle abstellt. „Die haben mir einen Platz in dem anderen Lehrerzimmer gegeben, ist das zu fassen? Für wie alt halten die mich eigentlich?“
Ihr Mann legte ihr beruhigend die Hand auf den Arm. „Niemand schreibt uns vor, drüben zu bleiben.“
„Ich dachte es macht mir nichts aus, Vierzig zu werden, aber wenn das schon so anfängt, dann bleibe ich ab jetzt ewig Neununddreißig, soviel steht fest.“ jammert sie weiter, was das angeht ist sie die letzten Wochen ein wenig empfindlich.
Herr Tarsmus gibt seiner Frau eine der gefüllten Tassen. „Und noch einmal, Kelly, dich hält niemand für alt. Frau Rondell hat dich einfach nur gern um sich.“

Der Nächste, welcher unser Junglehrerzimmer betritt, ist Herr Wallert. „Muss ich mich irgendwo einschreiben, wenn ich lieber hier meinen Platz habe als drüben?“
Leslie schüttelt den Kopf. „Nein, setzen Sie sich dahin, wo noch was frei ist und gut ist. Außer Sie wollen sich in die Kaffeeliste eintragen.“
Daina schüttelt den Kopf. „Das habe ich schon für dich getan.“
Herr Wallert strahlt. „Du bist ein Engel, hat dir das schon mal jemand gesagt?“            „Heute noch nicht.“ lächelt sie.

Frau Rocio-Mull schleicht extra leise in die Lounge, da sie wohl glaubt, auf diese Weise würden wir sie nicht bemerken. Tun wir also so, als wäre es vollkommen klar, dass sie ebenfalls mit unserem Lehrerzimmer vorlieb nimmt.

„Wie genau ist eigentlich die Altersgrenze gestaffelt? Darf ich die Prügelstrafe schon ablehnen und muss ich noch an die Unfehlbarkeit des Frontalunterrichts glauben?“ erkundigt sich Daniela, die gleich mehrere Kartons übereinander gestapelt hereinträgt.
Dann fällt ihr Blick auf Frau Crande, die grüßend die Hand hebt.
„Recht gut, wenn Sie mich fragen. Wir unterrichten sogar Mädchen.“
Peinlich berührt bleibt Daniela stehen. „Oh, das wollte ich nicht, ich wusste nicht, dass,“
„…die das Urgestein schon aufgenommen haben? Nein, das konnten Sie wirklich nicht wissen.“
Daina weicht der letzte Rest Farbe aus dem Gesicht.
Frau Crande verdreht die Augen. „Nun setzen Sie sich schon, ist doch alles in Ordnung.“

Da geht die Tür wieder auf und ein paar neue Kollegen, nämlich Frau Garcia und Frau Pfaue sowie Herr Fillow, betreten die Lounge. Sie sehen sich um, finden drei Plätze, die nebeneinander liegen, und werfen einen fragenden Blick in die Runde. „Ist hier frei?“
Und so finden auch diese drei einen Platz bei uns.

 

Als es klingelt, zähle ich spaßeshalber mal, wie viele Kollegen das Zimmer, in das die Referendare abgeschoben werden sollten, verlassen, und stelle fest, dass wir fast die Hälfte des Lehrkollegiums untergebracht bekommen haben.
Frau Crande hatte eben doch Recht, man ist so jung, wie man sich fühlt. Unsere Schule hat eindeutig nicht unter den Überalterung der Lehrerschaft zu leiden.😉

 

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

 

 

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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18 Antworten zu Die Lounge oder warum Frau Crande einfach die Allercoolste ist

  1. Theni schreibt:

    Frau Crande ist cool. Und euer ganzes neues Lehrerzimmer sowieso.😀

    • Frau Falke schreibt:

      Sie ist spitze, finde ich auch. Allein, dass sie sich selbst Urgestein nennt.😀
      Das neue Lehrerzimmer die Lounge hat was, allein die Leute, die da sind…

      • Theni schreibt:

        Tja, sie ist halt alt und cool und steht dazu… Und ich wette, mein Lieblingslehrer hätte genau das selbe gemacht und sich zu den Referendaren gesetzt, die zum Teil fast seine Enkel sein könnten… ^^ Dein Lehrerzimmer scheint wirklich das mit der netteren Gesellschaft zu sein… (allein, weil du da bist😛 )

        • Frau Falke schreibt:

          Sie hat ja Recht, ebenso wie er es dann hätte. Irgendwer muss schließlich auf uns Küken aufpassen.😉
          Das Lehrerzimmer ist schon nett. Und vielen Dank für das Kompliment.❤

  2. Das ist ja ein Hichack bei euch! Bei uns hockt einfach jeder in seinem Fachbereich. Hat aber eine ähnliche Vereinzelung und Absplitterung zur Folge.

    • Frau Falke schreibt:

      Und wie könnte man unsere wundervolle Gemeinschaft auseinander reißen wollen?
      Nein, ernsthaft, manchmal glaube ich, es wäre so einfacher. Aber richtig klappen würde auch das nicht.

  3. michael schreibt:

    Daniela kommt rein … und Daina weicht der letzte Rest Farbe aus dem Gesicht. Welche Dramen haben sich da wieder abgespielt?

    • Frau Falke schreibt:

      Habe ich das noch nicht erzählt? Och Mensch, ich müsste täglich fünf Artikel schreiben, um euch auch nur halbwegs auf dem Laufenden zu halten.😀

      • michael schreibt:

        Da bietet es sich an, Klassenarbeiten schreiben zu lassen (besonders in der neunten :D) , währenddessen können Sie ja den einen oder anderen Artikel schreiben. Und nachdem Sie freundlicherweise für Dainas Schüler die Hausaufgaben gemacht haben, könnte Daina ja für Sie die Klassenarbeiten korrigieren – so als kleines Danke Schön

        • Frau Falke schreibt:

          Das ist SUPER. Vor allem, dass Daina korrigiert. Wobei es ein wenig meiner Predigt, dass Klausuren, Tests und Arbeiten keine Bestrafungsaktionen seitens der Lehrer sind, entgegenlaufen würde.😉

          • michael schreibt:

            Als Bestrafungsaktion würd ich das nicht sehen, da die die Schüler ja auch eine gute Note in einer Arbeit erreichen können. Erst wenn Sie die Arbeit so schwer machen, dass dies nicht möglich ist, kann man von einer Bestrafung reden. Ich würd es als ‚Disziplinierungsmassnahme‘ ansehen.

  4. nadineswelt schreibt:

    Frau Crande ist wirklich cool!

  5. „Wie genau ist eigentlich die Altersgrenze gestaffelt? Darf ich die Prügelstrafe schon ablehnen und muss ich noch an die Unfehlbarkeit des Frontalunterrichts glauben?“
    Muarrharr – der ist gut!

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