Sportlehrerglück Bundesjugendspiele

Heute ist es leicht bewölkt, aber warm, der hier und da kurz auftretende Nieselregen stört niemanden und die Stimmung ist so ausgelassen wie nie. Grund für die gute Laune ist, dass unsere Schule Sportfest hat, was bedeutet, dass Sarah schon den ganzen Tag wie auf Wolken durch die Gegend schwebt und jedem, der nur in Reichweite steht, ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Es bietet sich einem aber auch ein wundervolles Bild:
Die Schüler sind in Klassen zusammen und trotten in Sportkleidung über den Platz, begleitet von den Klassenlehrern, die stolz von „ihrer Klasse“ berichten und ihre Ergebnisse mit denen der anderen vergleichen.
Die Sportlehrer und solche, die dafür gehalten werden könnten, haben Stationen bekommen und sind nun beim Werfen, Sprinten oder Springen, sie gehen regelrecht in ihrer Aufgabe auf, fühlen sich endlich einmal für voll genommen.
Sogar die Nicht-Sportler haben sich themenpassend in Schale geworfen und machen, wenn man sich den Modestil unseres Kollegiums ansieht, einen echt tollen Eindruck. Und selbst Felizitas hat sich für ein sportliches Outfit entschieden, auch wenn sie in ihm mehr wirkt, als wolle sie an einem Fotoshooting teilnehmen, als Sport zu machen.

Soweit, so gut.

Aber natürlich ist auch an einem solchen Tag nicht alles so glänzend, wie es scheint. Denn natürlich gibt es auch dieses Mal die Kollegen, die auf „so einen Unsinn“ keine Lust haben, die spät kommen und früh gehen, nein, „im Stau steckten“ *husthust*. Sie halten ihre Aufsichtspflicht, wenn sie so arm dran sind tatsächlich eine Klasse unter ihrem Fittich zu haben, für überbewertet  und verziehen sich lieber die geschlagenen zwei Stunden ihrer Anwesenheit ins Lehrerzimmer, wo sie sich verbarrikadieren und jedem, der vorbei kommt, entweder erzählen, wie unnötig diese Veranstaltung ist, beziehungsweise, wenn sie sich das nicht erlauben können, dass sie „mal grade eben etwas kopieren“ gegangen sind.
Uns jedoch kann das egal sein, denn solange sie nicht bei dem Sportfest sind, gehen sie mit ihrer negativen Stimmung wenigstens keinem auf die Nerven.

Ich für meinen Teil komme gutgelaunt bei dem Rasenplatz an, habe Herrn Vladeck, der das Ganze über ein halbes Jahr lang organisiert hat, auf seinem Fahrrad gesehen, einen Plausch mit Herrn Fontain gehalten, Herrn Leverkusen gegrüßt und, wenn mich nicht alles täuscht, an der scheinenden Aura Sarahs teilgehabt.

Dann aber werde ich von Herrn Helfrich, mit dem ich momentan für meinen Geschmack ein wenig zu viel zu tun habe, angesprochen, oder besser: aufgehalten.
„Frau Falke, wie schön, dass Sie da sind. Ich war mir nicht sicher, ob Sie es gesehen hatten.“
Irritiert blicke ich ihn an. „Ob ich was gesehen habe…?“
„Ihre Einteilung für den Stand.“
„Das muss eine Verwechslung sein,“ versuche ich mich zu retten. „ich bin doch überhaupt keine Sportlehrerin.“
„Nicht?“ erkundigt sich Herr Helfrich erstaunt und sieht mich fragend an.

Ich spare es mir, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass ich außer joggen und Mountainbike-Fahren absolut unsportlich bin. Oder ihm zu erklären, dass ich letztens die Ergebnisse der Deutschfachschaft in der Fachschaftsrunde vorgestellt habe. Oder ihm zu erzählen, dass ich in der letzten Notenkonferenz neben ihm saß und die Englischnoten seiner (!) Klasse verkündet habe. Oder einfach nur zu sagen, Herr Helfrich, ganz ehrlich, wir sind schon ein paar mehr Jahre Kollegen. Ich meine, hallo?

Doch nein, warum sollte ich. Ich lächle also nur lieb und schüttele leicht den Kopf. „Nein, ganz sicher nicht.“
Er sieht mich zweifelnd an. „Hmm, das ist natürlich schade. Dann weiß ich nicht, warum Sie als Sportlehrerin eingeschrieben sind.“
Er grinst selbstbewusst. „Außer, weil Sie so sportlich sind, natürlich.“

Ich hebe fragend eine Augenbraue und verlagere mein Gewicht von dem einen auf den anderen Fuß.
Er merkt, dass ich mich so nicht mehr überzeugen lasse. „Klappt nicht mehr, was?“
„Nicht wirklich zumindest.“
Der Kollege grinst noch breiter. „Schade. Früher hat Sie mein Charme noch bezirzen können.“
Ich hebe entschuldigend die Schultern. „Tut mir Leid.“
Er nickt. „Konnte ja auch keiner ahnen, dass Sie irgendwann erwachsen werden.“

 

Zehn Minuten später stehe ich immer noch bei Herrn Helfrich. „Sagen Sie mal, ohne unhöflich sein zu wollen, wie ist denn das jetzt mit dem Stand?“
„Oh, natürlich, eine Sekunde.“ Er kramt einen Plan hervor. „Dort hinten ist er, Sprint 1. Wenn Sie sich darum bitte kümmern würden?“
Ich nicke, schon einen halben Schritt entfernt. „Ja gern, vielen Dank.“

Als ich endlich meinen Stand erreiche, sehe ich noch aus den Augenwinkeln, dass Herr Helfrich leuchtet. Er ist also auf Sarah gestoßen, das ist doch schön, da haben sich Zwei gefunden.

 

Sportfeste sind super. Das sollten wir viel öfter machen, allein schon wegen Sarah.

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

P.S.: Ratet mal, welche zwei Kollegen “allein” die Urkunden geschrieben haben. Genau, Frau Corr und Herr Donalds. Man darf gespannt sein…

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Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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22 Antworten zu Sportlehrerglück Bundesjugendspiele

  1. nomadenseele schreibt:

    Irgendwie habe ich den Sinn von Bundesjugendspielen bis heute nicht verstanden.

    • Frau Falke schreibt:

      Wenn es dich genug interessiert, könntest du ja ein paar Nachforschungen betreiben. 😉

      • nomadenseele schreibt:

        Könnte ich. Aber ich fand die Bundesjugendspiele immer ziemlich blöd und sie gehören in die Schublade *Besser vergessen – verlorene Lebenszeit*.

        • Frau Falke schreibt:

          Mir geht es, wie du siehst, nicht so.
          Der heutige Tag war richtig schön. 🙂

          • nomadenseele schreibt:

            Du musstest da auch nicht mitmachen.

            Kritiker bemängeln, dass körperlich schwache Schüler durch eine schriftlich bestätigte schlechte Leistung eher demotiviert als zum Sport ermutigt werden.
            http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesjugendspiele

            Ja, das trifft meine damalige Stimmungslage ziemlich genau – so 12 Jahre lang. Zum Glück gab es sie in der Oberstufe nicht mehr.
            In der Grundschule hat es freundlich ausgedrückt an dem Tag Anschisse gehagelt (kann man leider nicht anders ausdrücken) – Vorläufer Reichsjugendspiele, ja das passte zur Stimmung und lässt sich in mein Bild sehr gut intregrieren.

            Von der 5.-10. war es demütigend als einer der wenigen nicht die erforderliche Punktzahl zu erreichen. Ich hätte meiner Mutter eigentlich solange auf den Nerv gehen müssen, bis sie mich rausgenommen hätte – und ich kann ziemlcih hartnäckig sein. Selbst schuld.

          • Theni schreibt:

            Du bist ja auch Lehrerin und musst nicht mitmachen… O.O 😛
            Sporttage sind schrecklich. PUNKT. O.O

            • Frau Falke schreibt:

              Ich bilde mir ein, die Schüler hätten auch Spaß gehabt.

              • Theni schreibt:

                Im Norden sind ja auch alle verrückt ;D
                bei uns saß der größte Teil der Klasse ziemlich lustlos rum…

              • nomadenseele schreibt:

                Das waren die guten Schüler. Die anderen waren damit beschäftigt, nicht allzu depressiv auszusehen.

              • Frau Falke schreibt:

                Das ist Blödsinn. Glaube mir, ich habe nichts so Schlimmes in der Schule erlebt wie den Sportunterricht. Ich weiß, wie es ist, wenn man an etwas solchem scheitert, denn ich bin von einer der besten Sportlerinnen durch eine Krankheit zu einer jenen geworden, die fast nichts mehr leisten konnte. Ich habe vor Schmerzen nichts außer Schwärze gesehen und bin dennoch weitergelaufen. Ich bin sehr sensibel, was dieses Thema angeht, und ich habe nicht bloß auf die geachtet, die gut waren.
                Aber es ist eben auch mit schwächeren Schülern möglich, so einen Tag gut zu gestalten, wenn die Schüler langfristig trainiert wurden, wenn klar ist, dass die BJS-Urkunde nicht nichtig macht, was man das ganze Jahr über im Unterricht geleistet hat. Wenn es um die persönlichen Verbesserungen geht und von den Kollegen vor allem diese festgehalten werden.

              • michael schreibt:

                > Im Norden sind ja auch alle verrückt ;

                Jep. Und nur, weil sie was im Kopf haben, können sie verrückt werden ^_^ .

              • nomadenseele schreibt:

                Ich war an den Tagen immer schrecklich deprimiert, weil jeder besser zu sein schien als ich. Ich kann nun einmal nicht schnell rennen oder weit springen. Und in der Grundschule wurde ich immer vom Rektor ausgeschimpft, weil ich zu langsam war, angeblich wegen der Schuhe mit Klettverschluß, die damals angesagt waren.

                Ich habe Jahre außerhalb der Schule verbringen müssen, um zu begreifen, dass Sport tatsächlich Spaß macht und mir gut tut. Aber so ist es mir mit fast allem gegangen, erst als ich aus der Schule draußen war, habe ich mich interessiert und habe mich geöffnet, nur war es dann oft zu spät gewesen.

            • nomadenseele schreibt:

              Theni, begreife das jetzt als virtuelle Umarmung.

  2. schreibsuechtige schreibt:

    Oh, oh… na, das kann ja was werden! Hoffentlich kriegen die beiden ihre Probleme wenigstens so weit auf die Reihe, dass sie konstruktiv miteinander arbeiten können! Auch ein Grund, warum ich unter KEINEN Umständen etwas mit einem Kollegen anfangen würde. Zuviel Stress, wenn es auseinander geht.

    Ach ja, ich sollte mich mal kurz vorstellen. Ich bin die Schreibsüchtige und durch einen Artikel auf http://www.zeit.de hier gelandet. Die letzten Tage habe ich deinen und Frl. Rots Blog förmlich verschlungen, dabei mitgefiebert, gelacht und auch ein Stück weit getrauert. Ich selbst stamme nicht aus dem Berufsbild Lehrer, dafür habe ich eine Schwester die gerade an der Uni Marburg mit Geschichte, Englisch und Philosophie auf Lehramt kämpft (das Referendariat hat sie aber noch vor sich).

    Jedenfalls wollte ich eine kurze Rückmeldung geben und dir mitteilen, dass du einen neuen Fan gewonnen hast.

    Liebe Grüße,

    Die Schreibsüchtige

    • Frau Falke schreibt:

      Liebe Schreibsüchtige,

      ich freue mich immer sehr über derart positive Rückmeldung und bin froh dich unter den Lesern begrüßen zu können. Es gefällt mir zudem, dass du dich vorgestellt hast – es ist interessant zu wissen, wer sich so für die Schulgeschichten interessiert, die man tagtäglich erlebt.
      Ich bewundere es, dass du dich durch so viele Artikel gekämpft hast, und hoffe, du wirst fleißig Kommentare schreiben. Die älteren Artikel will ich nach einem Jahr auch nochmal bis zum dann aktuellen durchlesen. Es muss spannend sein zu sehen, wie sich alles im Endeffekt entwickelt hat. 🙂

      • schreibsuechtige schreibt:

        Liebe Frau Falke,

        mein ehemaliger Deutsch-, Englisch- und Klassenlehrer hat mir halt beigebracht, dass man sich ordentlich vorstellt. 😉
        Ganz abgesehen davon, dass es überhaupt seine Schuld ist (und die meiner lese begeisterten Mutter natürlich), dass ich mich noch heute für Geschichten aus dem Schulalltag begeistern kann (wie denn auch nicht?! Wenn der werte Herr, ab und zu die Angewohnheit hatte, voller Selbstironie über längst vergangene Zeiten zu berichten und dann auf die Nachfrage, ob dass denn heute auch noch so sei, nur süffisant grinste).

        Ich hatte das Glück, obwohl ich ein ziemlich Mobbingopfer war, eine Hand voll Lehrer zu haben, dir mir das Gefühl vermittelt haben, dass ich und das Thema Schule keine Feinde sein müssen.

        An meine Klassenkameraden denke ich noch immer nicht gerne zurück. An ihn dagegen sehr gerne!

        Und auch aus diesem Grund, werde ich mit Sicherheit sehr fleißig kommentieren, war er doch der erste, der mir ein Talent zum geschriebenen Wort anerkannt hat und dieses auch gefördert hat (gerne auch mit einem: „Wenn du wolltest, wie du könntest…“ – Ich hatte und habe mitunter Probleme mit der Kontinuität und Ausdauer, aber das ist ein anderes Thema).

        Ich bleibe jedenfalls weiter am Ball, werde mitfiebern und dich unterstützen wenn nötig. Es darf nämlich nicht sein, dass solch eine engagierte und leidenschaftliche Lehrerin, irgendwann nicht mehr kann, nur weil die Gesellschaft und „einige“ Leute um sie herum, beim Gedanken daran, dass der Status Quo sich verändern könnte, sich glatt in die Hosen machen.

        Gib nicht auf, wir geben dich schließlich auch nicht auf!

        Liebe Grüße,

        Die Schreibsüchtige

        • Frau Falke schreibt:

          Ich werde es heute nicht schaffen in Worte zu fassen, was du mir mit diesem Beitrag alles gegeben hast – aber ich danke dir wirklich sehr dafür. Manchmal ist es genau das, was man braucht, jemand, der einen annimmt, wie man ist, und mit Wohlwollen betrachtet.
          Das offensichtliche Schreibtalent sollte wirklich genutzt werden, aber ich denke, das hier ist schon mal ein guter Anfang. Ich freue mich auf die kommenden Tage. Und ich versuche, vor allem, daran zu denken, dass eigentlich gerade alles okay ist.

          • schreibsuechtige schreibt:

            Nicht nur manchmal. Immer! Aber ich habe auch leider die Erfahrung machen müssen, dass solche Menschen, die einen wirklich so annehmen, wie man ist, sehr rar gesät sind. Um so schöner, wenn man doch noch einen entdeckt.

            Mein Schreibtalent wird bereits genutzt. Teilweise unter Verschluss in meinem stillen Kämmerchen, teilweise öffentlich in meinem Blog. 😉

            Übrigens finde ich, dass die Menschen viel zu wenig Aufbauarbeit bei anderen betreiben. Sicher, wenn es jemand nicht so gut geht, ist sie dringend nötig. Aber warum darauf verzichten, wenn bei dem anderen gerade alles „rund“ läuft? Dafür ist der „Flow“ den man dadurch bekommt, einfach viel zu schön und berauschend.

            Nimm die gute Stimmung mit und erinnere dich daran, wenn es mal wieder nicht so gut läuft.

            Ganz liebe Grüße,

            Deine Schreibsüchtige

  3. Nobelix schreibt:

    Auerhauerha…da krieg ich ja ganz böse Erinnerungen an meine Schulzeit…
    Damals, als ich noch nicht so groß war…aber deswegen nicht weniger pummelig. In der Zeit wurde auch der Grundstock für meinen späteren Weg als Sport-Abwehr-Spezialist gelegt 🙂

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