Erinnerungen eines Möchte-gern-Casanovas

An mir ist gerade ein silbernes Cabrio vorbei gefahren, was mich an die Story erinnert, die Stefan letztens im Neulehrerzimmer zum Besten gab.

Wir saßen beisammen, die Pause war schon fortgeschritten und Stefan machte sich über irgendwas Gedanken, bis er aufsah und sie mit uns teilte.
„Wart ihr schon mal in eure Lehrerin verliebt?“
Felizitas lachte, Sarah stand auf und ging, nur Daina nahm sich dem armen Kerl an. Sie legte das Messer zur Seite, mit dem sie einen Apfel geschnitten hatte, und lächelte. „Nun, Stefan, in Anbetracht der Tatsache, dass ich eine Frau bin…“
Er verdrehte die Augen und knuffte sie in die Seite. „Du weißt doch genau, wie ich das meine.“
Sie lachte, steckte sich ein Stück Apfel in den Mund und sah ihn abwartend an. „Weiß ich das denn?“

Herr Hedwig schüttelte den Kopf. „Also ich war noch nie in eine meiner Lehrerinnen verliebt. Das ist doch auch nicht normal.“
„Dann hatten Sie nie so scharfe Lehrerinnen wie ich in der Oberstufe.“  kommentierte Herr Wallert trocken, weshalb der Kollege ihm einen bösen Blick zuwarf.
„Das hat doch damit nichts zu tun, das ist eine Einstellung.“ erklärte Herr Hedwig.
„Wenn Sie meinen.“ sagte Herr Wallert und sein Blick in meine Richtung war verschwörerisch.

Stefan spielte an dem Armband seiner Uhr. „Ich war damals in der zehnten Klasse unsterblich in meine Kunstlehrerin verliebt. Sie hieß Frau Birnbaum und war einfach toll: Jung, engagiert und unfassbar attraktiv. Sie war der Hammer.“
Daina verschränkte ihre Finger ineinander und stützte ihren Kopf auf diesen auf. „Das klingt wie der Traum eines jeden Schülers.“
„Nicht wahr?“ Stefan lächelte.
„Bis auf das engagiert, da wundert es mich, dass du da so viel wert drauf gelegt hast in dem Alter.“ setzte Daina nach.
Stefan ließ sich von ihr nicht weiter necken. „Sie hat die coolsten Ausflüge mit uns unternommen, ist mit uns raus gegangen um in der Natur Motive zum Zeichnen zu finden und hatte irgendwie immer ein offenes Ohr. Wir konnten mit allen Problemen zu ihr kommen.“
Daina steckte sich ein weiteres Stück Apfel in den Mund.
„Und habe ich schon erwähnt, wie unglaublich Hammer sie aussah?“
Die Frage blieb unbeantwortet, denn Daina hatte sich an ihrem Apfel verschluckt und hustete.

Stefan hatte etwas Versonnenes in seinem Blick. „Ich kannte ihre Telefonnummer und Adresse, wusste, was ihre Lieblingsfarbe war und wann sie Geburtstag hat. Ich konnte sogar ihr Kennzeichen auswendig.“
„Gruselig.“ wurde natürlich sogleich von Herrn Hedwig dazwischengeworfen.
Felizitas sah an ihm vorbei. „Aber sie scheint dir ja nie eine Chance gegeben zu haben.“
Stefan zog einen Schmollmund. „Ja, für die Schwärmereien eines pubertären Jungen hatte sie kein Verständnis. Zu der Zeit war sie aber auch schon verheiratet, wenn ich mich recht entsinne, und hatte auch eine Tochter. Nein, Moment, ich glaube es war ein Sohn. Es hatte halt einfach nicht sein sollen mit uns.“
Seufzend nahm er sich etwas von Dainas zweitem Apfel.
„Nur wisst ihr, sie fuhr so eine silbernes Cabrio, und immer, wenn ich irgendwo einen solchen Wagen sah, bekam mein Herz einen kleinen Stich.“
„Wie süß.“  Daina, die sich erholt hatte, lächelte.

Herr Wallert wiederum kehrte gedanklich gerade von seinem Lehrerinnen-Schwarm zurück. „Wie bist du denn auf sie gekommen?“
„Steht vor der Schule ein silbernes Cabrio?“ stichelte Herr Hedwig.
Stefan spielte mit dem Messer in seinen Händen, weshalb der Kollege vielleicht ein bisschen vorsichtiger sein sollte. „Nein, aber ich habe am Wochenende meine ehemalige Lehrerin getroffen, als ich meine Eltern besucht habe.“
„Oh, wie romantisch.“ schwärmte Daina.
„Naja, kommt ganz darauf an wie man es sieht,“ gab Stefan zu. „schließlich war die gute Frau Birnbaum damals schon Fünfunddreißig. Und das ist viele Jahre her.“

Die anderen lachten, nur Herr Wallert neigte sich wie vertraulich nach vorn. „Da solltet ihr mal überlegen, wie alt meine Lehrerin heute ist.“

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

 

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
Dieser Beitrag wurde unter Einfach nur schön abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Erinnerungen eines Möchte-gern-Casanovas

  1. frlstreberlin schreibt:

    das drängt sich doch die Frage auf: Gibt es jetzt Schüler/innen die in ein Mitglied des Kollegiums verliebt sind?😉

  2. zartbitterdenken schreibt:

    Ach das ist mal wieder eine seh schöne Geschichte.
    Wobei ich mich erinnere, dass eine meiner Klassenkameradinnen auch ziemlich für einen Lehrer schwärmte und das eig fast in Stalkerei endete.

  3. Nadine schreibt:

    Ich war nie in einen Lehrer verliebt. Für sowas war kein Potential an unsrer Schule. Auch die Junglehrer waren nie mein Typ…

  4. rotezora. schreibt:

    Meine beste Freundin war in unseren Physiklehrer* verliebt. Nicht, weil er so ein Knaller war, er war nur das einzige männliche Wesen unter 50 an unserem altehrwürdigen Mädchengymnasium. Ich sach nur: Hormone. Sie kannte auch seine Adresse, und so haben wir uns eines Nachmittags auf den Weg gemacht und uns auf der Rückseite seines Grundstücks angeschlichen. Niemand war zu sehen, aber nah am Zaun stand ein Pflaumenbaum, der voller Früchte hing. Und hier bekam die Sache auch für mich einen gewissen Unterhaltungswert: Wir füllten die Gepäcktaschen unserer Fahrräder voll Pflaumen, immer mit dem angenehmen Nervenkitzel, der Physiklehrer könnte plötzlich vor uns stehen und uns zur Rede stellen. Am nächsten Tag nahmen wir die Beute mit in die Schule, verteilten sie in der 5-Minutenpause der Physik-Doppelstunde an die Klassenkameradinnen und boten auch dem Physiklehrer welche an, was er gern annahm und sich artig bedankte. Könnt ihr euch zwei 14Jährige vorstellen, die jedesmal, wenn sie einander ansahen, fast geplatzt wären vor unterdrücktem Kichern?

    *Dieser Physiklehrer war auch bekannt für seine unfreiwillig komischen Sprüche. Beispiel E-Lehre :“Ich lasse jetzt Ströme aus meinen Buchsen fließen.“ Oder nach einer Stunde, in der wir mangels Arbeitseifer nicht damit fertig wurden, irgendwelche Messergebnisse in ein Koordinatensystem einzutragen: „Meine Damen, morgen zeigen Sie mir unaufgefordert Ihre Kurven!“

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s