Kein Strand, kein Dinner, keine Pferde – keine Verlobung

Als er heute Morgen zur zweiten großen Pause hin das Lehrerzimmer betritt, begrüßt mich der Kollege Clemens unerwartet freudig. „Oh, Frau Falke, strahlende Sonne meines Tages!“

Verwirrt sehe ich von dem Kaffee auf, den ich mir gerade ohne böse Vorahnung einschenke. „Ihnen auch einen guten Morgen…?“

Er begleitet mich zu meinem Tisch und schüttelt dabei den Kopf. „Also wirklich, das ist jetzt aber schon ein wenig enttäuschend. Dafür, dass Sie in Begriff sind mich zu heiraten, war Ihre Begrüßung ziemlich kalt.“
„Ach, wir heiraten? Wann ist denn das passiert?“

Grinsend setzt er sich mir gegenüber. „Haben Sie es noch nicht erzählt bekommen? Mir haben es die Schüler gleich mehrfach berichtet.“
Ich sehe ihn abwartend an.
Er lächelt spitzbübisch. „Den Schülern ist mein neuer Ring aufgefallen, also haben sie die Tage damit verbracht, Ausschau zu halten, wer außer mir noch einen Ring an der richtigen Hand trägt. Und da sie von einigen Kolleginnen wussten, dass diese verheiratet beziehungsweise verlobt waren, und mir keinen Kollegen zugetraut haben,“
„Wer könnte das auch?“ kann ich es mir nicht verkneifen dazwischen zu reden, was ihn jedoch nicht aus dem Takt bringt.
„Jedenfalls kamen sie wohl alsbald überein, dass du die Auserwählte sein musst.“

Ich sehe auf den Ring, den ich an der rechten Hand trage, wenn auch mehr aus der Tatsache heraus, dass ich an der linken Hand schon zwei Ringe habe, als der Symbolträchtigkeit wegen.
„Nun, dann kann man uns beiden wohl nur gratulieren, oder?“

„Ach, Sie nehmen den Antrag gleich an?“ erkundigt er sich erstaunt.
Ich zucke mit den Schultern. „Hätte ich noch auf Kerzenschein und ein Dinner zu zweit warten sollen?“
„Am besten noch am Strand mit Pferden?“
„Aber ich kann überhaupt nicht reiten.“ gebe ich zu bedenken.
Nicolas grinst. „Ich auch nicht.“
„Da passen wir wohl noch besser zusammen, als ich bisher dachte.“

„Was halten Sie denn davon, wenn wir das mit dem Antrag gleich mit einer schönen Reise verbinden? Wir könnten Paris, Venedig, Wien oder Rom besuchen, es gibt so viele schöne Orte.“
„Planen Sie Ihren nächsten Urlaub?“ erkundigt sich Felizitas, die sich eben erst zu uns gesetzt hat.
„Unsere Verlobung.“
Feli entgleiten für einen Moment die Gesichtszüge. „Eure…? Ach so, die Schüler, was?“
Nicolas sieht sie mit einem gespielt verletzten Blick an. „Was soll denn jetzt das heißen, Frau Kollegin? Trauen Sie es mir etwa nicht zu solch ein bezauberndes Wesen zur Frau bekommen zu können?“

Feli verschluckt sich an ihrer Apfelschorle, sie gewöhnt sich gerade das Kaffeetrinken ab. „Bezauberndes Wesen…? Ach, Sie meinen sie?“
Erstaunt deutet sie auf mich.
„Blöde Nuss.“ beschwere ich mich und setze unbedacht hinzu: „Du bist ja nur neidisch.“
Da weicht die Farbe für eine Sekunde aus ihrem Gesicht, auch wenn man das unter ihrem leicht gebräunten Teint nicht ganz so gut sehen kann. „Vielleicht hast du Recht.“

Emily wirft mir einen warnenden Blick zu, Nicolas lächelt Felizitas an, als sei da gerade nichts passiert. „Die Schüler kommen auf Ideen, was?“
„Mich wundert es nicht.“ sagt Felizitas und in ihrer Stimme klingt unterschwellig die Wut mit, die sie auf mich hat.
Momentan ist sie sehr empfindlich, man muss sich jedes Wort dreimal überlegen und hat dann doch noch eine hohe Chance das Falsche zu sagen.

Ein wenig irritiert hebt Nicolas eine Augenbraue. „Ah ja? Warum denn das?“
„So wie Sie miteinander flirten.“
Der blonde Kollege beißt sich auf die Lippe und nimmt den Kopf zurück, als habe ihn dieser Schlag unerwartet getroffen. Er blickt mich an, als frage er mich, was ich davon halte, schüttelt dann aber den Kopf und lächelt.
„Wissen Sie, Felizitas, da haben Sie wirklich Recht. Aber deshalb sind wir ja jetzt auch verlobt. Damit wir ganz ungeniert miteinander flirten können.“

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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41 Antworten zu Kein Strand, kein Dinner, keine Pferde – keine Verlobung

  1. sunshinemuffin schreibt:

    Ich find´s niedlich. Nicolas´ Reaktion, dein Mitspiel und die Schüler sowieso🙂. Seit langem mal wieder ein richtig positiver Blogeintrag, das freut mich.

  2. frlstreberlin schreibt:

    🙂 das liest sich wirklich nett. Ein wenig Seifenoper im wahren Leben.
    Werden die Schüler aufgeklärt oder wurden sie es schon?

  3. wiycc schreibt:

    Coole Reaktion von ihm, gefällt mir.
    Ich habe noch nicht viel gelesen bei Ihnen, nur den Post von gestern noch, aber das klingt nach einem sehr sehr stressigen Kollegium. Das ist doch hoffentlich nur temporär?

    • Frau Falke schreibt:

      Oh, ich würde jetzt gern sagen, dass es sonst nicht so ist. Meine anderen Posts würden mich dann aber Lügen strafen, leider. Es ist nicht nur temporär so, sondern eigentlich immer. Und momentan ist es nicht einmal besonders schlimm, da hatten wir schon heftigere Zeiten. Aber es gibt auch schöne Tage und liebe Momente.
      Die Reaktion des Kollegen hat die Situation gerettet, ich bin froh, dass er diese Art an sich hat.

      • wiycc schreibt:

        Ja, der kommt lässig rüber.
        Schade ansonsten, ich hätte gedacht, daß gerade im Lehrerberuf, wo die soziale Kompetenz doch etwas ausgeprägt sein sollte, man nicht noch aufeinander losgeht. Zumal man bestimmt mit Schülern und Eltern genug beschäftigt ist.
        Toi toi toi Frau Falke, ich könnte so ein Gedöns auf Dauer sicher nicht.

        • Frau Falke schreibt:

          Ich denke, dass das alles auch irgendwo seine Gründe hat. Es sind ja nicht bloß ein paar schlecht gelaunte Erwachsene.:/ Ein wenig mehr Rücksichtnahme etc. wäre dennoch sehr wünschenswert.
          Danke für den Wunsch, ich hoffe, dass es besser wird.

  4. lottamachtkrach schreibt:

    Euer Lehrerzimmer gleicht wirklich einer Soap Opera… Verbotene Liebschaften, ungewollte Schwangerschaften, Intrigen, massenweise Flurgossip…
    Wenn man bedenkt, dass der größte Aufreger bei uns heute der Ausfall des zweiten Kopierers vor der 1. Stunde war, werde ich fast neidisch auf so viel Lehrerzimmeraction😉

    Alles Gute zur Verlobung😉

    • Frau Falke schreibt:

      Verboten sind die Liebschaften ja glücklicher Weise nicht, das würde uns noch den Rest geben.😉 Diese Schwangerschaft wiederum ist wirklich ein Thema. Normaler Weise werden ungewollte Schwangerschaften höchstens im kleinsten Kreise, wenn überhaupt, besprochen. Aber wie, wenn jemand schwanger wird und tut, als wäre nichts los?
      Ich glaube, bei euch ist die Stimmung einfach noch nicht so hochgekocht wie bei uns. Ein ausgefallener Kopierer hätte bei uns einen Weltuntergang bedeuten können. Oh, stell dir vor, wenn sie einen Schuldigen gesucht hätten!😀

      Danke für die Glückwünsche, es ist schön zu wissen, dass sich wenigstens eine Person auf dieser Welt für mich freut.🙂

  5. Jürgen schreibt:

    Was für eine Schule!
    Alles dreht sich hauptsächlich um ein Thema.

  6. zartbitterdenken schreibt:

    *lach*
    Das Gespräch ist sehr schön, auch wie gleich alle Umstehenden einsteigen und mitmachen. Manchmal ist SOAP doch dem wahren Leben ähnlicher als man glaubt

  7. Nadine schreibt:

    Was für ein mieser Antrag, den hätt ich nicht angenommen!😉

    • Frau Falke schreibt:

      Was?! Aber…aber er hat doch gesagt, ich wäre die strahlende Sonne seines Tages! Was will frau denn bitte mehr?
      Und überhaupt. Das ist der romantischste Antrag, den ich jemals bekommen habe.😉

  8. michael schreibt:

    > …..ich wäre die strahlende Sonne seines Tages!…

    Der soll sich mal mehr Mühe geben!


    Und der Herrscher jener Stadt
    solch ein schönes Frauchen hat,
    daß sie tags das Licht verdunkelt,
    nächtens wie die Sonne funkelt,
    glänzt ein Mond in ihrem Haar,
    an der Stirn ein Sternlein klar.
    ….

  9. Stephan schreibt:

    Super toll geschrieben und habt Ihr die Show im nächsten Klassenzimmer noch weiter abgezogen! Ja schneller als man denkt bekommt man in der Schule einen „EHE“mann! Das ist ja die reinste Partnervermittlung. Ihr solltet aber aufpassen, nicht das noch ein Klassensprecher die Provision haben möchte und die Schülerinnen sich darum kloppen, wer Blumenmädchen sein darf! Ist wunderbar geschrieben und ich kann mir die Gesichtszüge und -farben der anderen Damen gut vorstellen! Bin mal gespannt wann ein anderer Lehrer Euch anspricht und fragt wann den der Termin ist! Der 32.09.2012 wäre doch ein schöner😉

  10. zappelbein schreibt:

    Wirklich eine schöne Geschichte, so einen netten Kollegen hätt ich auch gern.😉 Und für Schüler sind das doch mit die spannendsten Themen im Schulalltag.🙂

  11. apanat schreibt:

    Romantik? Ernst ist wichtig!😉

    Ernst ist das Leben, heiter die Kunst. Und: Kunst kommt von koennen, nicht von wollen. Sonst hiesse sie Wulst.

    Vielleicht sollte ich doch das Bloggen aufgeben und nur noch Blogs lesen. So wie Ihren, der die strahlende Sonne ….
    Irgendwas habe ich jetzt verkehrt gemacht, was nur?
    Liegt vermutlich an meiner englischen Tastatur.

    • Frau Falke schreibt:

      So viele Sinnsprüche auf einmal! Aber ich hätte doch gern ein wenig Romantik. Und ernst genug war der liebe Kollege ja. Immerhin war er so vernünftig uns beide nicht auf Pferde zu zwingen.😉
      Das Bloggen aufzugeben wäre schade, jedoch sei dir versichert, dass die strahlende Sonne sich auch sehr über deine Kommentare freut.
      Und wie kommst du an eine englische Tastatur? Ist das wieder so eine Macbook-Sache?

  12. verlorenesschaf schreibt:

    Ein Mensch aus meiner Klasse sagte mal, das Leben sei eine Seifenoper… Irgendwie beruhigend zu erkennen, dass das auch woanders zutrifft😉

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