Lagerfeuer und Champagner

 

 

Wie ihr wisst, habe ich am Auen-Gymnasium meiner Heimatstadt ein paar Freundinnen, mit denen ich, wenn ich meine Eltern besuche, gern Zeit verbringe. Der Musikwettbewerb hat vor einiger Zeit einiges ans Licht gebracht, dafür habe ich den Bandabend voll und ganz genossen.

Ich mag es, die Kolleginnen zu treffen, gern höre ich mir an, was sie beschäftigt, und ich finde es angenehm einmal in einer anderen Schule zu sein, in der alles so gleich und doch so anders ist als bei uns. Heute Abend geht es jedoch nicht in die Schule, sondern zu Lina Marianzyk, denn sie zelebriert ihren Geburtstag und hat mich dazu höchst offiziell eingeladen.

Höchst offiziell, da ich schon vor Monaten eine Karte im Briefkasten hatte, in der sie ihr Älterwerden feierlich verkündete, und welche mich dazu aufforderte nicht nur mein Kommen zu bestätigen, sondern auch anzugeben, mit wie vielen Personen ich zu erscheinen gedenke. Es gibt einen Dresscode, ebenso ein Motto für die Party, die mir schon jetzt ein wenig Bedenken einflößt.

Es ist zugegebener Maßen ja nicht die erste Feier, die derart daher kommt, gerade wenn viele in deinem Bekanntenkreis Dreißig werden, beginnen sie mit Büffets und dem Aufschütten des Gartens mit Sand, laden auf Yachten und Landhäuser ein, haben plötzlich Showacts und  Festzelte und all so etwas.

Für mich ist das meistens nichts. Ich brauche keine weißen Spitzenlaken und gediegenen Satin-Schleifen um meine Stühle, keine Blumengestecke wie auf einer Hochzeit, kein Sushilaufband im Garten. Versteht mich nicht falsch, ich liebe schöne Dekoration, ich schätze gutes Essen und auch tolle Musik erfreut mich sehr – doch ist das alles nicht ein wenig zu viel?

Ich stehe vor meinem Koffer und versuche etwas auszusuchen, in dem ich dorthin gehen kann, ohne für eine pausemachende Barkeeperin gehalten zu werden. Das Kleid, das Tuch, die Schuhe, der Schmuck, das Make-Up, nichts darf dem Zufall überlassen werden. Für was? Für wen?

Ich erinnere mich an die Abende, als wir in Sneakers und ausgewaschener Jeans am Lagerfeuer saßen, ausgebeulte Pullis überzogen, wenn es langsam kalt wurde. Wie wir Stockbrot aßen oder Grillten, damals, als jeder einen Salat mitbrachte. Ich denke daran, wie die CDs irgendwann verstummten und die Gitarren herausgeholt wurden. So viele konnten damals Gitarre spielen, das war wunderschön. Wir haben getrunken, was zusammengekommen war, Bier, Wein, Sekt, manchmal härteres. Aber es hat niemand erst einmal über den Wein geurteilt, wir waren unerfahren und jung, es war uns egal. Dekoration hatte noch kein Konzept, die drei Teelichter, die der Haushalt hergab, waren aufgestellt. Und im Garten gern auch die Fackeln angezündet, solange, bis sie leer waren.

Es ist nicht zu vergleichen, das ist mir klar, und ich weiß, ich sollte froh sein, auf solche Feiern zu gehen wie die heutige. Aber manchmal wünsche ich mir, wenn ich dann mit dem Glas Champagner unter dem Pavillon stehe und in die Nacht sehe, dass zumindest die Stimmung so gelöst wäre wie sie es war, wenn man am Ende eines Tages so wie man war am Lagerfeuer zusammen fand.

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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10 Antworten zu Lagerfeuer und Champagner

  1. frl_wunder schreibt:

    und dieser Post erinnert mich mal wieder daran, dass ich unbedingt Gitarre lernen will – genau wegen solchen Abenden.
    Gibt´s bei uns heute übrigens auch noch und das sind mit Abstand die schönsten😉

    Liebe Grüße

    • Frau Falke schreibt:

      Ich habe mir das eigentlich auch vorgenommen, für die Ferien, wenn ich mal Zeit habe. Zu meiner Schande muss ich gestehen es auch diesen Sommer nicht geschafft zu haben.😦

  2. nadineswelt schreibt:

    Hm, ich sehe das eigentlich genau so und eigentlich auch nicht. Nein, ich bin nicht schizo. Bei uns gibt es auch viele Grillabende wo jeder nen Salat mitbringt. Aber ich werde meinen 30. nächstes Jahr auch anders feiern. Einerseits weil grillen im November etwas kühl ist. Andererseits will ich nen Haufen Leute einladen, die hätten bei uns daheim gar keinen Platz nicht.

    • Frau Falke schreibt:

      An einem anderen Ort zu feiern ist auch nicht das, was ich kritisieren. Auch finde ich es verständlich, wenn man sich für ein Büffet entscheidet oder eine Bar. Jedoch geht es um die Ausmaße, die das Ganze in meinem Freundeskreis annimmt. Es ist einfach zu viel, es muss immer größer, besser, repräsentativer werden. Vielleicht liegt das einfach an einem Teil des Freundeskreises. Meine Art ist es einfach nicht, ich brauche keinen bekannten Küchenchef, der das Essen zubereitet hat, ich brauche keine Kellnerinnen, die mit Häppchen herumlaufen. Guten Wein weiß ich durchaus zu schätzen – aber ist das wirklich nur an der Menge an Ziffern zu bemessen, welche das Preisschild zieren?

      • nadineswelt schreibt:

        Nein, da verstehe ich Dich. Unterschreibe hiermit Dein Statement!

      • Panama Jack schreibt:

        Sehr geehrte Frau Falke, es gibt Rettung!

        In meinem Bekanntenkreis ging es auch eine Zeit lang in die Richtung „höher, schneller, weiter“, zum Glück hat eine Freundin von mir den Mut gehabt, die Spirale schon relativ am Anfang bewusst zu durchbrechen. Bewusst einfache, aber stilvolle Dekoration usw., alles da, was nötig war, aber nix überflüssiges. Das haben sich dann hinterher auch einige Leute abgeguckt, und der Gegen-Trend war geschaffen. Geholfen hat sicherlich auch, dass die o.g. Party nach einhellliger Meinung „die schönste Fete seit langem“ war😉

        Blöderweise braucht’s dazu eine Person, die a) den Mut und b) das Händchen dafür hat, sonst schraubt sich die Spirale immer weiter …

        • Frau Falke schreibt:

          Es ist sehr beruhigend, dass es Rettung gibt. Ich bin stark dafür, dass dies bei uns auch so laufen wird. Vielleicht sollte ich eine Party veranstalten… Denn wenn das so weiter geht, drehe ich noch durch.😉

  3. Lady schreibt:

    Für mich käme eine solche Feier nie in Frage, weder als Gast noch als Gastgeber. Ich empfinde solche Veranstaltungen lächerlich. Es geht doch wohl in erster Linie darum, sich zu präsentieren, zu zeigen, „dass man es geschafft hat“, eine Art Machtdemonstration auf dem billigen Parkett der Oberflächlichkeit. Solche Freunde wollte ich nicht haben. Für mich Dekadenz ohne Intelligenz. Was im Leben wirklich zählt, finden man gewöhnlich dort nicht.😦

    • Frau Falke schreibt:

      Das Problem ist, dass der Freundeskreis meines Freundes sich größtenteils aus solchen Leuten zusammensetzt. Bei Sarah, Emily & Co hätte ich diese Schwierigkeiten nicht.😉 Zudem sind manche dieser Einladungen eben wirklich bloß repräsentativ. Auf solchen Partys kommen dann Kontakte zustande, die später wichtig für die Firma sind und… Ja, genau. Das ist dann der Moment, in dem ich komplett aussteige.:/

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