Zu meiner Schulzeit III

Der dritte Beitrag der kleinen Projektreihe „Zu meiner Schulzeit“ stammt von Sunshinemuffin, die uns an einem Erlebnis ihrer Zeit als Fünftklässlerin teilhaben lässt. Ich fand das beeindruckend – an die Sexta erinnere ich mich ehrlich gesagt kaum noch. Dass wir aber ebenfalls ein großes Hin- und Her hatten was die Frage betraf, wer mit wem befreundet ist, weiß ich noch sehr gut. 
Und diejenigen, die mit dem Begriff des Nikolauslaufen nichts anfangen können, finden übrigens hier Hilfe: Glowesabend/ Sunnerklauslaufen

 

 

Damals.

Damals ist ein großes Wort für einen so jungen Menschen wie mich. Wenn ich es benutze, werde ich belächelt, manchmal gutmütig, manchmal spöttisch.

Dennoch benutze ich es, denn schon in meinem Leben gibt es Zeiten, die unsagbar lange zurückzuliegen scheinen.

Damals, als die Eltern meiner Mutter noch lebten.
Damals, als meine Mutter mit meinem Bruder und später mit meiner Schwester schwanger war.
Damals, als …

Naja, darüber möchte ich nun aber gar nicht schreiben, auch wenn es weltbewegende Zeiten waren (zumindest für mich). Sondern über eine andere, ebenso lang zurückliegende Zeit.

Und zwar über meine erste Zeit in der fünften Klasse.

Das war 2005, ich trug eine Brille, unsägliche blonde Strähnen (im Ferienlager selbstgemacht) und am rechten Arm einen knallorangen Gips – ich hatte mir nämlich im erwähnten Ferienlager den Arm gebrochen, weil ich vom Hochbett gefallen war…

Am ersten richtigen Schultag fuhr ich mit dem Bus zur Schule und traf an meiner Haltestelle für den Schulbus auf ein großes Mädchen mit langen blonden Haaren, einer sympathischen Ausstrahlung und einer nervigen besten Freundin. Es stellte sich heraus, dass das blonde Mädchen in meine Klasse gehen würde, die andere glücklicherweise aber nicht.

Wir kamen ins Gespräch und Melina – so hieß die Blonde – erzählte mir, dass sie total auf US5 stünde. Prompt behauptete ich, mir ginge es genauso – dabei wusste ich nicht einmal, wer das sein sollte. Ich war einfach froh, eine potentielle Freundin gefunden zu haben.

In der Schule angekommen, fanden wir unseren Klassenraum und eine meiner besten Freundinnen aus der Grundschule enttäuschte mich sehr, da sie die ganze Zeit mit einem anderen Mädchen zusammensteckte… Aber ich hatte ja Melina.

Unsere Klassenlehrerin hieß Frau Drama und hatte rote Haare, von denen ich damals noch annahm, sie seien natürlicherweise so – warum auch nicht?

In der allerersten Pause steckten wir dann auch zusammen, mit einigen anderen aus unserer neuen Klasse. Und verirrten uns so, dass wir am Ende unseren Klassenraum nicht mehr wiederfanden. Was im Nachhinein betrachtet ziemlich peinlich ist, da unsere Schule nur zwei Treppenaufgänge hat, an jedem Gebäudeende einen und sonst auch sehr „einfach“ gebaut ist…
Das erklärt auch, warum uns die Schülerin, die wir in der Pausenhalle nach dem Weg gefragt haben, so entgeistert anschaute. Aber sie antwortete trotzdem und wir fanden unseren Raum heil wieder.

Es war an der Zeit, Klassensprecher zu wählen. Wir hatten recht viele, die in der Grundschule Klassensprecher gewesen sind (mich zum Beispiel. Obwohl das bei mir ein sehr diktatorisches Klassensprecherwahlverfahren war… ich wurde einfach ein einziges Mal gewählt und blieb es bis zum Ende der vierten Klasse) und dementsprechend viele Kandidaturen. Melina und ich hatten zuvor verabredet, dass wir uns gegenseitig vorschlagen und auch wählen wollten.
Sie hielt sich nicht daran und wählte sich lieber selber, entschuldigte sich später aber auch dafür. Ich nahm es ihr nicht übel, ich wäre sowieso nicht Klassensprecherin geworden (und die, die es geworden ist, haben wir ein paar Monate später wieder abgewählt).

Der erste Tag verging und bald darauf die ersten Wochen. Die Pausen verbrachte ich oft mit Melina und ihrer nervigen Freundin. Ich mochte sie einfach gar nicht, fand blöd, was sie sagte, fand sie zickig und doof. Irgendwann sagte ich ihr das auch, schließlich mochte sie mich ebenso wenig.

Ich hatte Angst, damit Melinas Freundschaft zu verlieren, aber diese hielt. Beste Freundinnen wurden wir aber nie, denn am 6. Dezember gingen wir Nikolauslaufen. Ich tat dies zum ersten Mal, Melina hatte es schon vorher gemacht. Und leider kam auch Tabea-Philine mit uns.

Eigentlich mochten Melina und Tabea-Philine sich nicht – dachte ich. Es entwickelte sich aber zwischen den beiden rasch eine dicke Freundschaft, wobei Melina stets in Tabea-Philines Schatten blieb.

Es wurde Frühjahr und wir fuhren mit dem Rad statt mit dem Bus nach Hause – ein weiterer Verlust von Melina an Tabea-Philine. Denn Melina und ich fuhren mit demselben Bus, Tabea-Philine musste einen anderen nehmen. Nun fuhren wir aber zu dritt zur Schule. Melina nahm einen größeren Umweg in Kauf, um mit uns zu fahren und gelegentlich fuhren wir zwei auch ohne diesen Umweg nach Hause, was für mich einen längeren Weg und für Tabea-Philine eine Unzumutbarkeit darstellte, weswegen sie uns dann nicht begleitete.

Man kann erraten, dass ich Tabea-Philine nicht sehr mochte. Irgendwann wurde ich dann aber doch warm mit ihr und wir wurden Freunde, aber wirklich etwas zusammen gemacht haben wir eigentlich nur zu dritt, was vorher zu zweit gewesen war. Oder aber die beiden unternahmen etwas ohne mich.

Mittlerweile sind die beiden auf derselben anderen Schule als ich und ich höre nur noch sehr selten was von ihnen.

Nur manchmal frage ich mich, was gewesen wäre, wenn wir an diesem 6. Dezember zu zweit gewesen wären…

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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7 Antworten zu Zu meiner Schulzeit III

  1. frl_wunder schreibt:

    so „Dreier-Gespanne“ sind nie ganz einfach😉
    Und auch als Streitschlichterin bei meiner 5.Klasse werde ich oft mit „Das ist aber meine beste Freundin, ich will nicht, dass du was mit ihr machst“ – Problemen konfrontiert. Glücklicherweise legt sich das aber mit der Zeit (zumindest bei uns :))

    P.S. Ich hab das Buch „Das Mädchen am Kanal“ gelesen😉

    • Frau Falke schreibt:

      Bei uns ist das manchmal in der siebten Klasse auch noch schwierig, aber du hast Recht, irgendwann legt sich das. Die Art, wie man Freunde findet, ändert sich.

      Oh, du hast es gelesen! Und, was sagst du?

      • frl_wunder schreibt:

        einfach nur „wow“ – ein Buch, das man nicht so schnell vergisst. Ich habe ihm sogar einen eigenen Post gewidmet…😉

        Aber wie Sie schon zuvor gesagt haben; das Buch wirft mehr Fragen auf als man Antworten findet.

        • Frau Falke schreibt:

          Ich sage ja, ich liebe es. Jede Zeile scheint einen zu befreien und zu verletzen, und letztlich kann man nicht einmal greifbar machen, was einem den Atem nimmt.
          Es freut mich, dass du ähnlich begeistert bist wie ich es noch immer bin.

  2. michael schreibt:

    Interessant wäre ja, wie Melina oder Tabea-Philine (merkwürdiger Name) diese Episode jetzt sehen.

  3. Pingback: Zu meiner Schulzeit…. | ѕσνιєℓ zuм тнємα ѕcнuℓє

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