Models, Scheitern und Schwangerschaft

 

Der merkwürdige Mann im Bus hat mich übrigens nicht angestarrt, sondern gemustert. Denn als ich ausstieg, tat er es mir gleich und reichte mir mit einem breiten Grinsen seine Hand. Er  stellte sich als Talentsucher einer bekannten Modelagentur vor, eigentlich sei es nicht seine Art jemanden nach Feierabend noch anzusprechen, aber bei mir habe er eine Ausnahme machen müssen.

Er redete eine Menge, gab mir mehrere Visitenkarten. Ob ich mir nicht vorstellen könnte für eines der vielen Versandhäuser zu modeln? Es würden noch Frauen in meinem Alter gesucht und ich hätte ein sehr fotogenes Gesicht und so weiter und so fort.

Ich gebe es zu, ich habe die Karte mitgenommen, nicht nur, um den Mann loszuwerden, sondern wohl auch, weil es mir schmeichelte. Und ich dachte noch darüber nach, als ich später mit meinen Mädels (und Stefan) telefonierte, um den morgigen Tag zu planen. Also habe ich es mal zur Diskussion gestellt, so rein hypothetisch.
Schließt sich das nicht schon aus, wenn man meinen Beruf beachtet? Würde man nicht immer Gefahr laufen, dass es einen komischen Beigeschmack bekommt? Schüler sollten einen nicht in jedem Outfit sehen, Kollegen auch nicht. Und bei meinem Kollegium… Frau Rondell… Frau Seeger… Direktor Jochender… Irgendwie ist der Gedanke fast amüsant, findet ihr nicht?

 

„Ich als Model, das würde noch fehlen.“
„Warum nicht?“ Emily.
„Mir würde es gefallen.“ Stefan.
„War ja klar.“ Felizitas.
„Ich würde es nicht wollen.“ Emily.
„Selbstverwirklichung und so ist ja nicht für jeden was.“ Stefan.
„Wer es nötig hat…“ Sarah.
„Du könntest es dir leisten.“ Emily.
„Kann ja nicht jede von uns, oder wie?“ Felizitas.
„Ich bin Lehrerin.“
„Manche Lehrerinnen machen das.“ Stefan.
„Manche Lehrerinnen  schlafen auch mit ihren Schülern.“ Felizitas.
„Das war jetzt mal vollkommen unpassend.“ Sarah.
„Jetzt nimm es nicht wieder persönlich.“ Felizitas.
„Das war sicher nicht so gemeint.“ Emily.
„Nur weil die so empfindlich ist.“ Felizitas.
„Ach? Ich bin empfindlich?“ Sarah.
„Mädels…“ Stefan.

„Es gibt nicht nur dich auf der Welt, verdammt.“ Felizitas.
„Ich weiß, momentan gibt es nur Feli, Feli, Feli!“ Sarah.
„Bitte…“
„Nur weil du an deinem Schüler gescheitert bist!“ Felizitas.
„Wenigstens lasse ich mich nicht schwängern!“ Sarah.

 

 

Zumindest im Gespräch-Beenden waren sie sich einig. Ein einfaches „Modeln ist nichts für dich.“ hätte mir übrigens gereicht.

 

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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22 Antworten zu Models, Scheitern und Schwangerschaft

  1. nadineswelt schreibt:

    Sarah und Feli waren aber jetzt am Ende sehr unter der Gürtellinie! Total fies!

  2. krizzydings schreibt:

    ach du grüne neune ….habe festgestellt ,dass ich unbedingt auf deinem blog recherchieren muss,was es mit Felizitas Schwangerschaft und Sarah liebesgeschichten auf sich hat…und bei emiliy klingelt auch was…

    • Frau Falke schreibt:

      Mach das, wobei es wahrscheinlich auch nicht so super viel Aufschluss geben wird. Felizitas Schwangerschaft eher, Sarah zu unterstellen, dass sie auch nur irgendwie Schuld wäre an dem Ganzen, finde ich falsch. Was Emily betrifft hoffe ich einfach, dass da nicht auch noch etwas los ist…:/

  3. michael schreibt:

    Bei den Models wird es wohl auch nicht viel irrationaler zugehen als bei den Kolleginnen. Könnnte mir allerdings vorstellen, dass der eifersüchtige Freund von der Idee nicht so angetan ist.

    Für den morgigen Tag würde ich emfehlen: Zum Strand fahren, Wassermaschinenpistolen mitbringen, diese mit ketchup und senf füllen, und dann jede gegen jede. Der Herr Stefan kann während der Schlacht ja Würstchen grillen, Salat zubereiten, Getränke besorgen etc.

  4. FrischeKick schreibt:

    Mir würde es sicherlich auch schmeicheln🙂
    Wieso auch nicht. Vielleicht ist es ungewohnt, wenn die Schüler einen plötzlich in einem Versandkatalog entdecken. Aber schlussendlich ist es dein Leben🙂

    Lieber Gruss aus der Schweiz
    FrischeKick

  5. michael schreibt:

    > “ Selbstverwirklichung und so ist ja nicht für jeden was.“
    Als Antwort auf „Ich würd es nicht wollen“ ? Der Herr ist aber auch etwas bösartig. Oder offenbart sich da das nächste Beziehungsdrama ?

    Wär doch mal ein interessantes Schülerprojekt: Herauszufinden und Aufzumalen, welcher Lehrer mit wem über Kreuz liegt, das Herausarbeiten der Hack-hierachien usw.

    • Frau Falke schreibt:

      Ich hoffe ehrlich gesagt, dass sich das nicht auf Emily bezog. Ich nahm es eher so wahr:

      „Ich als Model, das würde noch fehlen.“
      „Warum nicht?“ Emily. (Nett.)
      „Mir würde es gefallen.“ Stefan. (Eigentlich nett gemeint.)
      „War ja klar.“ Felizitas. (Bezieht sich auf Stefan. Er als Mann muss sowas ja sagen etc. pp.)
      „Ich würde es nicht wollen.“ Emily. (Spitze gegen mich. Oder gegen Stefan, von dem sie nicht wollen würde, dass es ihm gefiele, wenn sie modeln würde…?))
      „Selbstverwirklichung und so ist ja nicht für jeden was.“ Stefan. (Gegen Felizitas Unterstellung.)
      „Wer es nötig hat…“ Sarah. (…)

      Als Schülerprojekt eignet sich das glücklicherweise nicht. Es ist zu kompliziert, schon für uns. Und interessieren würde es die Kids größtenteils auch nicht.😉

      • michael schreibt:

        > „Ich würde es nicht wollen.“

        Oder vor sich hingesagt, weil sie sich gerade vorstellte, wie sie modelt.

        • Frau Falke schreibt:

          Auch eine mögliche Lesart. Ich glaube es wäre am Besten, wenn jeder dazu Stellung nähme, meine Einschätzungen sind ja auch sehr subjektiv.😉
          Aber schön, dass es ihr wenigstens einer positiv auslegt.

      • michael schreibt:

        Mir würde es gefallen.“ Stefan. (Eigentlich nett gemeint.)
        „War ja klar.“ Felizitas. (Bezieht sich auf Stefan. Er als Mann muss sowas ja sagen etc. pp.)

        Und die letzte Ausssage können wir nach der heutigen Eröffnung ganz anderes interpretieren!

        Frau Falke, ich glaub, Sie haben ein Problem.

        • Frau Falke schreibt:

          Ich will das aber nicht. Felizitas hat mit dieser Schwangerschaftssache schon genug zu tun.

          Ich habe ein Problem? Immer. Nur frage ich mich, wie ich da wieder reingeraten bin.

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