Ausflugsbegleitung

Wenn man mit einer Schulklasse einen Ausflug macht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man sich eine Begleitperson sucht. Für Schüler wirkt das meist ganz zufällig, als wäre man mit dem Finger die Lehrerkürzelliste entlang gefahren und habe sich zufällig jemanden ausgesucht.

 

Tatsächlich aber ist es gar nicht so einfach eine Begleitperson zu finden. Je nach Vorlieben des Unterrichtenden werden die Kollegen mit verschiedenen Interessen ausgesucht, und manches Mal scheitert es schon daran, dass die zweite Begleitung sich nicht so verhält, wie es die erste erwartet hatte.

Am unschuldigsten beginnen die Annäherungsversuche über das Anbieten des Mitfahrens auf einen Ausflug. Die Kollege, die dazu gezwungen wurden, sind da schon längst draußen, und auch keine noch einzulösende Versprechen stehen hier zwischen den Kollegen.
Gern am Anfang des Schuljahres spricht also eine Kollegin die Einladung aus eine andere Kollegin mit auf einen Ausflug zu nehmen, und je nach persönlicher Einstellung freut sie sich dann auch. Bei Frau Prosch und Daina begann es damals genauso, die Fachschaftskönigin bat die Junglehrerin mitzukommen – nicht ahnend, dass diese sich ausgesprochen gut mit den Schülern verstehen würde, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und letztendlich nicht die Alleinunterhalterin für die Chemielehrerin spielen würde.
Natürlich haben es die Schüler übertrieben, und keines Falls wäre Daina noch mit ihnen noch ein Abendkleid shoppen gegangen, wie es die Schüler vorschlugen. Dennoch war es unnötig, dass Frau Prosch die Kollegin am Arm packte und mit sich zog. „Frau Miller kommt mit mir nach Hause, damit das klar ist!“

Nett wird es auch, wenn ein Kollege eigentlich allein fahren möchte und gezwungener Maßen jemanden mitnehmen muss. Besonders oft geschieht das bei Kollegen, die selbst wenig bis gar keine Ahnung von dem haben, was sie tun. Sie suchen sich dann möglichst unauffällige Referendare, wenn machbar fachfremd, und schleppen diese mit sich. Diese Art von Begleitung redet ihnen nicht rein, hat noch weniger einen Plan als sie selbst und halten sich schön brav an sie. Das Problem dieser Begleitungen ist es, dass man sie sehr schnell wieder wechseln muss, denn jeder, der als Refi einmal bei solch einem Ausflug mit war, informiert sich das nächste Mal besser.
Herr Hedwig macht das immer mit großer Begeisterung, und irgendwie findet er immer wieder eine, die ihm lieb folgt und sogar seinen Ausführungen zur Architektur mit fast so etwas wie Interesse folgt. Frau Debian, Frau Jäger, Megan… Offensichtlich gilt diese Regelung für männliche Referendare nicht.

Dann gibt es natürlich noch die Gegenteils-Regelung, als Frau nimmt man einen Mann mit, als Mann eine Frau, wenn man jung ist, jemand älteren und umgekehrt. Mein ehemaliger Mathelehrer machte dies oft, er wollte sich auf keinen Fall mit „Mädchenproblemen“ beschäftigen müssen. Dass die Wahrscheinlichkeit, dass er diesbezüglich bei einem so wenige Stunden umfassenden Ausflug gefordert sein würde, relativ gering war, störte ihn nicht. Frau Seeger liebt es ihre Begleitung nach solchen Kriterien auszusuchen. Wenn sie weggeht, dann mit dem am meisten etwas hermachenden jungen Mann, der das Kollegium zu bieten hat. Momentan ist Johannes Polwin-Kaulwitz  ihr Favorit, denn er wird von den Mädchen gemocht, von den Jungs angehimmelt (Jaaaa, das habe ich nicht vertauscht.) und ist mit seiner lockeren, aber organisierten Art immer eine Entlastung.

Das Unangenehmste, was einem passieren kann, ist, dass man an jemanden wie Herr Reeden gerät. Er bräuchte keine weitere Begleiterin, eigentlich ist er Unterhaltung genug. Er hat zwar selbst keinerlei Planung, aber er macht einfach das, wonach ihm ist. Die Schüler können sich dann nach ihm richten, sie haben ja eh nicht die Möglichkeit wegzugehen. Er braucht seine Begleitung nur zur Selbstdarstellung. Seine Behandlung ist verletzend, er stuft die Kollegin herab und redet mit ihr wie mit einem unzurechnungsfähigen Kind. Nur um dann wieder über die Schüler an sich oder die Kollegen zu lästern, mit einem vertrauensheuchelnden „Sie wissen, was ich meine.“, aber doch immer mit dem unausgesprochenen Zusatz über ihr zu stehen.
Die meisten lassen sich das schon während des ersten Ausfluges nicht gefallen, mir ging es damals auch so. Andere wissen spätestens danach, dass sie mit jemandem wie ihm nie mehr wegfahren werden. Und dann gibt es noch Frauen wie Megan, die aus unerfindlichen Gründen auch ein zweites, drittes oder viertes Mal mit ihm fortfahren. Die ihn reden lässt und stumm bleibt und von der ich nicht weiß, ob ich sie dafür bewundern soll oder sie mir leidtun.  Übt sie um ihm irgendwann Kontra zu geben? Schweigt sie, weil sie weiß, dass es nichts bringt, sie die Klügere ist? Oder kriegt sie es schlichtweg nicht hin ihm abzusagen?  Irgendetwas stimmt zwischen den beiden nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Eine andere Möglichkeit, und mir die allerliebste, ist der Ausflug zweier Freundinnen. Wenn Emily Sarah um deren Begleitung bittet, amüsieren sie sich. Sie haben beide einen ungefähren Plan, reden miteinander und ebenso mit den Schülern und verleben einen tollen Tag. Diese Art der Begleitung wird von den Schülern meist mit einem Schmunzeln und Augenrollen kommentiert, „war ja klar, dass die zusammen fahren.“. Grund für allerlei Überlegungen gibt es, wenn die Kombination Mann/ Frau mitkommt. Denn dann geht es los: „Der steht bestimmt auf sie.“ „Meinst du? Die ist doch verheiratet.“ „Muss ja nichts heißen…“.

 

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
Dieser Beitrag wurde unter Die lieben Kollegen abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu Ausflugsbegleitung

  1. Nadine schreibt:

    Ich überleg grad, haben wir uns als Schüler da Gedanken drüber gemacht? Ich könnt mich gar nicht erinnern. S war halt so! Andrerseits war unser Klassleiter keiner, bei dem man irgendwelche amourösen Verwicklungen auch nur hätte vermuten können. In der c-Klasse allerdings, ich glaub, da gabs immer irgendwelche Gerüchte über deren Klassleiter.

  2. frl_wunder schreibt:

    die sorgfältigen Überlegungen kann ich schon verstehen- ich würd als Lehrer auch nicht den ganzen Tag mit Kollege XY, den ich überhaupt nicht mag, durch die Stadt rennen wollen… 😀

    Und wir Schüler können uns hier und da ein wissendes Grinsen auch nicht verkneifen – etwa wenn so manche „gut befreundeten“ Lehrer im Schullandheim auf ein gemeinsames Doppelbettzimmer bestehen 😀

  3. michael schreibt:

    > dann gibt es noch Frauen wie Megan, die aus unerfindlichen Gründen auch ein zweites, drittes oder viertes Mal mit ihm fortfahren

    Einfach. Das Unterrichten von Schülern wird als schlimmer empfunden.

  4. annettchen schreibt:

    Bei meinen Kindern wird es in der Unter- und Mittelstufe so gehandhabt, dass grundsätzlich die beiden Klassenlehrer die Fahrten begleiten.

    • Frau Falke schreibt:

      Wir haben zwar auch stellvertretende Klassenleitungen, diese aber sind meist anderweitig verplant oder haben mit der Klasse herzlich wenig zu tun, je nachdem, wer schon andere Klassenleitungen übernommen hat.

  5. Fran schreibt:

    Und dann gibt es noch Lehrer die nehmen „Praktikanten auch bekannt als Ex-Schüler“ mit…meine (inzwischen frühere) Reli-Lehrerin rief letztens an, ob ich nicht evtl. Zeit hätte, sie bräuchte noch jemanden…das war der ziemlich spontane Abschluss-Ausflug der Lateinkurse…war aber lustig.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s