Reden wir nicht

 

Ich bin eingeladen worden von Nicolas mit ihm heute Abend einen Wein trinken zu gehen und mich ein wenig zu unterhalten. Meine Stimme klänge wieder so komisch, das wäre ja nicht zu ertragen. Wie könnte ich so traurig sein inmitten der Ferien?
Mir war dieser Vorschlag sehr lieb, denn ich wollte reden. Über dieses komische Gefühl, wenn ich keine Schule habe, über die Tatsache, dass mir die Decke auf den Kopf fällt, obwohl ich von Termin zu Termin jage. Über alles. Über nichts. Mit jemandem, der mir zuhört. Denn mein Freund will es wieder einmal nicht hören. Schule ist in den Ferien kein Thema.

Ich würde gern gehen. Einfach, weil mein Freund eh mit Kumpels unterwegs ist und es für mich keinen Unterschied macht, ob ich mich mit Nicolas oder einem meiner Mädels treffe. Er hat ja kein anderweitiges Interesse an mir. Er ist einfach ein Kollege, der nett ist und sich kümmert.
Herr Falke sieht in ihm aber etwas anderes. Er mag es nicht, wie mein Kollege mich ansieht, sagt er. Dieser Blick hätte etwas an sich, dem er nicht traut. Außerdem wäre es nicht normal, dass er sich derart um mich bemüht. Und überhaupt. Sowieso.

Er ist mein Freund, und ich möchte nicht, dass er sich unwohl wegen dieser ganzen Sache fühlt. Das lässt mich daheim bleiben, das Treffen absagen, Nicolas erklären, dass es nicht geht. Ich denke einen Moment lang, dass das richtig ist, denn in einer Beziehung nimmt man nun mal aufeinander Rücksicht. Dass er gerade nicht da ist, dass er es nicht hören will… Ist ihm daraus ein Vorwurf zu machen? Wir arbeiten dran. Wir.
Anderseits hätte ich gerne wieder das Gefühl selbst entscheiden zu können, was ich mache. Und wann sind seine Entscheidungen derart von mir bestimmt? Ich könnte gehen und das tun, wozu ich Lust habe. Aber das käme mir auch falsch vor, egoistisch irgendwie. Zudem würde ich mich über seine Wünsche hinwegsetzen und ihm attestieren, dass seine Einschätzung des Ganzen falsch ist. Und es geht hier nicht um gewinnen oder verlieren.

Ich möchte nicht, dass es wird wie an dem Tag, als ich von dem Ausflug mit Nicolas wiederkam und Herr Falke mich schon an der Tür abfing. Denn meine gute Laune war unangebracht, dass ich mich umgezogen hatte eh und dass ich dann auch noch so spät kam…

 
Kontrolle ist so verletzend. Vertrauen ist so schwierig.
Dieser Artikel hat keine Pointe.
Ich bin nicht gegangen.

 

 

 

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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14 Antworten zu Reden wir nicht

  1. krizzydings schreibt:

    irgendwas fühlt sich hier nicht an wie es sollte…so „unbequem“…als würde ein schuh drücken den man schon lange hat und mag

  2. Nadine schreibt:

    Hallo Du!
    Ich verstehe Deine Zwickmühle. Aber ich glaube, ich wäre gegangen. Mein Mann muss mir so viel Vertrauen entgegenbringen können, dass ich nicht fremdgehe. Klar ist das nicht leicht, aber andersrum muss ich ihm auch Vertrauen entgegenbringen. Ich fände es nicht fair, dass er von mir erwarten würde, alleine zu Hause zu bleiben. Einerseits, wie gesagt, verlange ich Vertrauen in mich. Musste er erst lernen, hat es aber getan. Und, seien wir doch mal ehrlich, wenn Du ihn betrügen wollen würdest, könntest Du das auch tun, wenn Du mit einer Freundin losziehst – auch da kann man Menschen kennenlernen. Und wenn Du ihn mit Nicolas betrügen wollen würdest, gäbe es auch Möglichkeiten. Außer er sperrt Dich daheim ein. Andererseits könntest Du ihm natürlich im Gegenzug vorwerfen, wenn er mit seinen Jungs loszieht, könnte er auch irgendeine Frau aufreißen, und Du vertraust ihm schließlich auch. Allerdings finde ich persönlich diese Vorwürfe einen falschen Weg.
    Diese Rücksichtnahme auf Eifersucht ist für mich immer grenzwertig. Natürlich möchte man den Partner nicht verletzen. Andererseits ist man selber trotzdem Mensch und möchte sich seine Freunde selber aussuchen und auch seine Freizeit selbst gestalten. Ich würde zum Beispiel an Deiner Stelle Rücksicht auf seine Eifersucht nehmen, hätte Dich Nicolas ins Kino in eine romantischen Film eingeladen. Aber bei einem Glas Wein mit Gespräch, weil er sich sorgt…? Nein, ich wäre gegangen. Nun sitzt Du allein daheim, und ärgerst Dich, weil Du mit niemandem über das sprechen kannst, was Dich aktuell besorgt, und Herr Falke muss sich keine Sorgen machen und hat einfach Gaudi mit den Kumpels. Das finde ich nicht fair. Auch vor allem von ihm nicht, dass er Dich da so unter Druck setzt.
    Das ist jetzt ein bisschen lang geworden, sorry.
    Und ich weiß, dass ich da vielleicht ein bißchen anders denke und anders bin als viele andere Frauen, aber das ist nur und ganz alleine meine (vielleicht total falsche) Meinung und Einschätzung.

  3. michael schreibt:

    Ach je, noch mehr Beziehungsprobleme.

  4. gotsassaufeinemast schreibt:

    Aber ist es nicht auch egoistisch von ihm, dass er sich dem Thema verweigert, obwohl du das Bedürfnis hast darüber zu sprechen, damit es dir besser geht?

  5. antagonistin schreibt:

    Für mich gibt es in solchen Situationen eine klare Richtung: Ich treffe mich mit wem ich will, und ich entscheide das ganz alleine. Problematisch für die Beziehung ist es ausschließlich dann, wenn ich selbst nicht sicher bin, ob eine Begegnung möglicherweise doch in etwas abdriften könnte, was ich letztlich nicht will. Ist dem nicht so, sehe ich absolut keinen Grund, jemanden nicht zu treffen. Rücksicht vor der Eifersucht eines anderen ist keine Rücksicht, sondern Vermeidung.

  6. mathefee schreibt:

    Schade, dass Sie nicht gegangen sind! Es hätte Ihnen wahrscheinlich gut getan. Nur „wahrscheinlich“, denn das schlechte Gewissen hätte vielleicht doch den Gewinn des Treffens wieder plattgemacht. Wenn der Stachel der Eifersucht ersteinmal sitzt (egal ob begründet oder unbegründet), dann ist es als Partner schwer, dagegen anzukämpfen. Vielleicht kann ja zukünftig ein Treffen in größerer Runde mit den jeweiligen Partnern wieder die nötige Sicherheit für Ihren Freund bringen, dass es eine Verbundenheit auf kollegialer Ebene ist.
    Noch eine kleine Anmerkung zu der Leere: Egal wie heiß ersehnt die Ferien sind, ich falle immer mindestens für einen Tag in das sprichwörtliche Loch; bin gereizt, lustlos und gleichzeitig ruhelos. Mittlerweile weiß ich darum und kann damit umgehen.

  7. mccab99 schreibt:

    Es ist ungewöhnlich, wenn sich jemand so kümmert. Hm. Wer hat hier wenig Selbstvertrauen? Er, der nicht glaubt, so wichtig für dich zu sein, dass du keine Sachen machst? Du, weil du nicht das tust, was dir guttut? Ihr beide, jeder auf seine Art? Klar. Wer nach dem Motto lebt: „Mir passiert das nicht!“, hat schon den ersten Schritt ins fremde Bett getan.

  8. Wolfy schreibt:

    Also Frau Falke – ich kann dich ja verstehen.
    Du liebst Herrn Falke und möchtest, dass alles zwischen euch klappt.

    Aber bitte stelle dir eine Frage:
    Wenn du nicht über das reden darfst/kannst, was dich momentan beschäftigt, weil er genervt davon ist – klappt das dann? Für ihn sicherlich. Er muss sich ja nicht darum kümmern. Aber für dich? Dir nagt es an der Seele und macht dich im schlimmsten Fall krank.
    Du darfst nicht mit deinen männlichen Freunden ausgehen – wohlgemerkt nicht als Date sondern tatsächlich als ein Treffen unter Freunden. Und zwar während er gar nicht da ist. Hier solltest du dich fragen, ob Herr Falke nicht etwas egoistisch ist – neben der Eifersucht versteht sich. Er beschäftigt sich anderweitig und die liebe Frau soll doch bitte zu Hause bleiben. Er hätte ja auch etwas mit dir unternehmen können – allein schon, um dich von deinen Gedanken weg zu bekommen.
    Aber nein, er geht und untersagt dir den Kontakt mit Nicolas, mit dem du reden könntest. Mit dem du über das reden kannst, über das du reden möchtest. Über das, was die aktuell im Kopf rumspukt und von dem er kein Wort hören möchte.

    Wirklich Frau Falke: Du hast heute genug Rücksicht genommen. Jetzt sollte er damit auch mal anfangen. Und wenn er seine Eifersucht nicht unter Kontrolle bekommen kann, dann sollte er sich mal fragen warum. Denn momentan scheint er sich ja nicht wirklich Mühe zu geben, damit dir erst gar kein anderer Mann in den Kopf steigt. ò.ó

    Aber was auch immer du machst:
    Lass deine Freundschaften nicht unter der Beziehung leiden. Entweder dein Freund akzeptiert deine Freunde – gleich welchen Geschlechts sie haben – oder er bringt stichhaltige Gründe, warum sie nicht deine Freunde sein sollten. Und „der schaut dich so komisch an!“ ist keinesfalls ein stichhaltiger Grund!
    Denn ganz ehrlich: zu einer gesunden Beziehung gehört eine Portion Eifersucht – aber auch deutlich mehr Vertrauen in den Partner. Anders kann es nicht funktionieren.

  9. Jürgen schreibt:

    Also, Frau Falke, ich muss schon sagen. Das mit dem Freund – wenn es denn stimmt, denn das Netz ist geduldig – ist schon sehr sehr merkwürdig.
    PS. Warum wählen Sie Bilder für den Blog, die (fast) Gefühle wie Leidenschaft, Hingabe, Sex ansprechen?
    Auch merkwürdig.

  10. michael schreibt:

    > Warum wählen Sie Bilder für den Blog, die (fast) Gefühle …

    Frau Falke mag die Bilder auswählen, aber interpretieren tut sie der Betrachter!

  11. apanat schreibt:

    Ich finde deine Texte immer wieder sehr gekonnt.
    Im Internet Ratschläge zu einer so beschriebenen Konstellation zu geben, würde ich mich freilich scheuen.
    Aber natürlich ist die Kombination Text/Ratschläge immer gut zu lesen.

  12. Inch schreibt:

    Ach Herrjeh. Schwierig. Schwierig

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