Die Leiden der jungen Laura

In der Oberstufe nutze ich jede Gelegenheit meinen Schülern die Vielfalt der Literatur näher zu bringen.

Interessanter Weise zeigen sich die angehenden Erwachsenen sehr begeistert von all den klassischen Werken, die sonst im Zusammenhang mit der Schule verteufelt werden. Kleist, Frisch, Goethe – ihre bekannten Werke, die im Lehrplan jenes Jahres keinen Platz fanden.
Unter anderem hörten wir demnach im vergangenen Schuljahr wir ein recht gutes Referat über Die Leiden des jungen Werther, zu dessen Einstimmung die haltende Gruppe an die Klasse Werther’s Original austeilte, Bonbons, Zuckerbrot ohne Peitsche.

Ich hätte an dieses Referat wahrscheinlich nie mehr gedacht, oder höchstens, wenn es wieder auf dem Lehrplan stände oder als Referat von den Schülern gewünscht würde. Dass ich wieder daran erinnert wurde, liegt an einer Schülerin, Laura. Denn sie schrieb mir diese Mail:

 

Liebe Frau Falke,
als ich heute Morgen an der Ampel stand und ein Werther’s Original aß, ist es passiert. Mir ging ein Licht auf. Werther’s Original wegen Werther! Wie der Protagonist in Die Leiden des jungen Werther!
Unfassbar, dass ich erst jetzt darauf gekommen bin. Aber Sie sehen – Ihr Unterricht lässt einen nicht mehr los, wenn man ihn erst einmal besucht hat.
Mit ganz herzlichen Grüßen
Ihre Laura

 

Meine Schüler.
Unfassbar.

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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23 Antworten zu Die Leiden der jungen Laura

  1. Effi schreibt:

    Cool, Ihre Schüler können Ihnen e-Mails schreiben?
    Ansonsten sehr lustig 😀

    • Frau Falke schreibt:

      Ist das ein Spitze, die ich nicht verstehe, oder so ungewöhnlich? Die Schüler bei uns haben die (geschäftlichen) Mail-Adressen aller Lehrer zur Verfügung um Rückfragen tätigen zu können und gewisse Dinge abzusprechen. 🙂
      Ja, das fand ich auch. Vor allem süß, dass sie extra deshalb geschrieben hat.

  2. anna schreibt:

    Das Verfüttern von Bonbons ist ähnlich naheliegend aber eindeutig charmanter als die Verteilaktion anlässlich eines Geographievortrags über Frankreich: Die Gruppe (rein männlich besetzt) beglückte Mitschüler und Lehrerin mit Kondomen. (Nicht selbst erlebt, aber aus erster Hand erzählt bekommen.)

  3. michael schreibt:

    > Unfassbar, dass ich erst jetzt darauf gekommen bin.

    Ist schon bemerkenswert, dass man so ein scheinbar unbedeutendes Problem lange mit sich herumträgt und sich dann plötzlich sich die Lösung einstellt.

  4. Nele Abels schreibt:

    Ich bin so alt. Als ich noch jung war, hießen die Dinger „Werther’s Echte“. 😦

  5. Nadine schreibt:

    So, ich will jetzt auch Werthers Echte. Pf, jetzt muss ich dann einkaufen fahren!

  6. Hallo Frau Falke,
    nein, das sollte keine Spitze gegen Sie sein 😉 Ich habe bloß noch nirgendwo erlebt, dass Lehrer eine „geschäftliche E-Mail Adresse“ haben, die sogar die Schüler nutzen dürfen 🙂
    Finde ich persönlich aber eine tolle Idee.

  7. ullli23 schreibt:

    Ob der junge Werther an Zahnschmerzen litt?

    Wikipedia behauptet übrigens, dass die Bonbons teurer und weniger werden:

    [i]“Aufgefallen ist die Marke im Jahr 2007 durch schleichende Preiserhöhung durch Verringerung der Packungsgröße. Die Füllmenge einer Packung herkömmlicher Werther’s Original verringerte sich von 255 g auf 225 g, während der Preis unverändert blieb. Die daraus resultierende Preiserhöhung betrug 13,3 %.“[/i]

    Allerdings verschweigt selbe Quelle den Zusammenhang zwischen Goethe und Karamell. Vielleicht könntest Du Laura ja mal überzeugen die Wikipedia-Artikel zu Buch und Bonbon entsprechend zu vervollständigen.

    • Frau Falke schreibt:

      Ich werde Laura daraus ansprechen. 😉
      Das mit Größe und Preis ist ja ein Ding. Wobei ich mich frage, wieso es in Anbetracht der Tatsache, dass fast überall mit solchen Mitteln gearbeitet wird, gerade der Fall so hohe Wellen schlug. War es einfach zu offensichtlich?

      • ullli23 schreibt:

        Mein Verdacht ist, dass die anderen eine derartige Änderung als Feature anpreisen („Jetzt noch kompakter!“) und Werther’s Original diesen Schritt ausließ, wodurch der Verbraucher sich heimlich hinters Licht geführt fühlte. Aber kann auch anders gewesen sein, hatte das damals überhaupt nicht mitbekommen…

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