Sonnenstudio

Immer wieder werde ich aufgefordert auch mal etwas nicht-schulisches zu schreiben und eben dies folgt nun. Wundert euch nicht. Wahrscheinlich ist das nicht gerade meine Stärke. Das sieht man ja schon am Thema des Beitrags, denn welches Thema wäre schon naheliegender als Sonnenstudios?

 

 

Meine Kollegen werden langsam alle braun, sie genießen die Tage in der Sonne und das sieht man auch. Meine Sonnenzeit ist bislang leider sehr kurz gekommen, vielleicht wegen der Korrekturen, ganz sicher, weil ich keinen Balkon habe. (Hier bitte ein mitleidvoller Blick und ein geseufztes „Ach, armes Fälkchen.“)

Vieles an mir zeigt deutlich meine italienische Seite, die französische schlägt aber ebenso durch. Bin ich erst einmal braun, ist es ein gold-bronzener Ton, um den mich alle beneiden. Aber eben nur wenn ich erst einmal braun bin. Momentan ist es also eher die noble Blesse, die mich kleidet, und das ist das Problem.
Denn ich werde auf meinen hellen Teint angesprochen, und das nervt. Die Kollegen mustern mich und finden, ich wäre so blass, würde krank wirken, oder zumindest nicht gut. Und die bläulichen Adern, das kann doch nicht gesund sein? Zudem ist mein Bindegewebe schlecht, einmal irgendwo angestoßen, zeigen sich gleich Hämatome. Bei solch weißer Haut fällt das umso mehr auf.

Ich beschließe also in ein Sonnenstudio zu gehen, zwei, drei Mal, zumindest solange, bis ich nicht mehr aussehe wie ein lebendes Gespenst. In der Nähe ist ein Sonnenstudio, das ich wähle, doch schnell merke ich, dass ich wohl ein wenig aufpassen sollte.

Vor dem Sonnenstudio steht eine Frau und raucht. Sie wirkt wie eine schlecht zusammengebastelte Barbie, wasserstoffblondes Haar, das ungepflegt dafür aber umso länger ist, ein weißes Top und pinke Hotpants. Ihre Füße stecken in goldenen Sandalen, ihr überschminkter Mund kräuselt sich, als sie mich mit einem Blick bedenkt, der mir eigentlich schon hätte zeigen sollen, dass ich hier falsch bin.
Ich betrete das Studio und warte, bis die Dame aufgeraucht hat, denn vorher hat sie nicht die Ambition mich zu bedienen. Sie mustert mich nochmals und schluckt dann ihr Kaugummi runter. (Kann man mit Kaugummi im Mund überhaupt rauchen? Häh?)
„Was willst du denn?“ erkundigt sie sich bei mir und ich erkläre, dass dies mein erster Solariumsbesuch ist.
Sie zuckt mit den Schultern. „Ich würd sagen die schwächste Bank und dann fünfzehn Minuten?“
Ich lege die Stirn ein wenig in Falten. „Fünfzehn Minuten?“ echoe ich, denn mir kommt das doch ein wenig lang vor.
Die Frau fährt sich mit ihrer Zunge über die Zähne. „Na, sonst kriegst du halt nen Sonnenbrand.“
„Ich dachte eher an weniger.“ gab ich zu bedenken.
Sie zieht eine der unfassbar dünn gezupften Augenbrauen hoch. „Ey, das bringt dann doch nix.“

Ich lasse mir es nicht entgehen das Studio gezeigt zu bekommen, auch wenn ich sie mit dieser Bitte zu überraschen scheine. Eigentlich zeigt sie den Leuten nur die Augendinger, erklärt sie mir mit einem Deuten auf die orangenen Solariumsbrillen.
Sie bringt mich in einen der Räume, es sieht nicht gerade einladend aus, mehr wie ein umgebautes Geschäft, und es wirkt abgenutzt. Die Frau öffnet die Sonnenbank. „Das wäre es halt. Ich mache die mit dem Computer an und du gehst dann drunter.“
Langsam nicke ich, noch immer ein wenig geschockt von dem, was sich mir hier bietet. Dann fasse ich mich und stelle eine scheinbar vollkommen blöde Frage, zumindest ihrem Blick nach zu urteilen. „Für was sind die Knöpfe hier?“
Sie schaut darauf, als habe sie sich nie darüber Gedanken gemacht. (Was ich für gar nicht so unwahrscheinlich halte.) „Na, da kann man halt so verschiedene Dinge mit regeln. Stärke und Co. Musste halt ausprobieren.“

Ich verabschiede mich von ihr und verlasse das Sonnenstudio. Lieber lasse ich mich noch zwanzig Mal auf meine Vampirhaut ansprechen und höre mir Witze darüber an, ob ich in der Sonne auch glitzern würde, bevor ich mich hier bräune. Die Frau tritt mit mir raus und zündet sich eine weitere Zigarette an.

 

 

Das zweite Sonnenstudio, das ich betrete, hat schon von außen einen viel angenehmeren Eindruck gemacht. Der Mann hinter der Theke wirkt gepflegt, sein Bart ist ordentlich, seine Kleidung wirkt ein wenig wie eine selbst auferlegte Berufskleidung, auch wenn ich beim besten Willen nicht weiß, wie man so etwas hier haben sollte.
Er begrüßt mich, nachdem er eine andere Kundin in eine der Kabinen entlassen hat, und stellt sich erst einmal vor. Dann fragt er mich, ob ich schon Erfahrungen habe was das Bräunen angeht, mich informiert hätte und so weiter. Er fragt nach den Strahlungen, die nun auf mich zukommen, und als ich ihn fassungslos ansehe (Er weiß ja nichts von meinem Erlebnis kurz zuvor.), beginnt er mich aufzuklären.
Wir verbringen so sicher eine Viertelstunde, dann bestimmt er meinen Hauttyp, gibt mir noch eine Pflegecreme. Gemeinsam betreten wir eine Kabine und er erklärt mir genau, was passieren wird und was ich mit welchem Knopf regeln kann. Sogar auf den Notschalter weißt er mich hin, falls es mir doch zu viel würde oder ich merke, dass es mir nicht bekommt.
Erst als er sicher ist, dass alle meine Fragen beantwortet sind, lässt er mich allein. Für mich wäre die schwächste Einstellung sinnvoll, befindet er, und erst einmal nur wenige Minuten, damit sich die Haut daran gewöhnt. Das Geheimnis sei schließlich sich so zu sonnen, dass man sich nicht verbrennt.
Als er hinaus tritt, wendet er sich noch einmal mit einem Lächeln an mich. „Schließen Sie die Tür ab. Es wird zwar auch so niemand reinkommen, da achte ich schon drauf, aber es ist ja doch für einen selbst angenehmer.“

Nach dem Bräunen unterhalten wir uns noch kurz, ich zeige mich begeistert von seiner Einführung und dem Studio und er scheint sich wirklich zu freuen. Er bietet mir noch einen Kaffee an und wir trinken ihn gemeinsam, während er andere Kunden bedient, die alle schon länger herzukommen scheinen.

Auch wenn ich nicht vorhabe mich jetzt regelmäßig zu bräunen, habe ich doch ein sehr gutes Gefühl.  Die nächsten zwei Male werde ich sicherlich hierher kommen. Und danach sehe ich dann hoffentlich wieder halbwegs wie ein normaler Mensch aus.

 

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

 

 

Advertisements

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
Dieser Beitrag wurde unter So etwas passiert nur hier abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Sonnenstudio

  1. Nadine schreibt:

    Diese weiße Haut hab ich auch. Edle Blässe. Mein Mann sagt immer „wie Schneewittchen“, und mit DEM Vergleich kann ich leben.

  2. Jürgen schreibt:

    Die Kollegen.
    Deretwegen ins Sonnenstudio. Wo doch jeder weiß, dass Bräune schädlich ist, die Haut speichert das ein Leben lang.
    Wo man, wenn man in der Sonne, im Straßencafé sitzt, oder an der Isar, natürlich bräunt.
    Reklame.
    Modeprospekte.
    Braungebrannte Männer, Viertagesbart, von Bräuten umschwärmt.
    Über „Schule und andere Fragwürdigkeiten“.
    Ja.
    Fragwürdigkeiten.
    Es grüßt (diesmal auch ganz lieb)
    J.

  3. Inch schreibt:

    Tapfer, dass Du Dich nach dem Erlebnis im ersten noch in ein zweites Sonnenstudio getraut hast

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s