Dictionaries

Das Geld ist knapp, egal wohin man sieht, besonders an Schulen, das schon seit Jahren, gerade bei uns. So erklärt sich, dass wir jedes Mal um die English Dictionaries kämpfen müssen, wenn wir vorhaben sie im Unterricht zu gebrauchen.
Da ich die Erfahrung schon machen durfte, am Tag einer wichtigen Klausur gänzlich ohne oder nur mit fünf Dictionaries dazustehen, bin ich vorsichtig geworden. Deshalb habe ich gestern gegen Abend extra die Bücher genommen und sie im Schrank meiner Klasse eingeschlossen, damit die Kiddies heute welche haben.

So weit, so gut, könnte man nun denken- aber Pustekuchen! Denn heute komme ich in den Raum, extra früher, um den Schülern möglichst keine Zeit zu stehlen, und was ist passiert? Der Klassenschrank ist offen.

Alarmiert sehe ich die Schüler an. „War einer von euch am Schrank?“

„Nee, der war schon offen, als wir kamen.“ wird mir geantwortet.

Ich begutachte wütend die leeren Regalbretter des Schrankes und schüttele den Kopf. „Das kann doch nicht wahr sein.“

„Wissen Sie, wer das war?“ erkundigt sich Karina, ich sehe auf und werde neugierig.
„Nein, keine Ahnung. Ihr etwa?“

Die Schüler, ganz eingeschworen, reden laut durcheinander.

Ich versuche mir in dem ganzen Lärm Gehör zu verschaffen, indem ich ihnen mit den Händen deute ruhig zu sein. „Einer nach dem Anderen, bitte. Pia, wer war es?“

„Die Rocio-Mull, die schreibt mit ihrer Siebten heute nämlich auch eine Arbeit.“

„Ach?“ erstaunt sehe ich in die Runde. „Die Frau Rocio-Mull also?“

Karina stützt ihren Kopf mit ihren Händen auf. „Seien Sie nicht sauer, Frau Falke.“

Ich schüttele den Kopf und lache auf. „Nein, warum sollte ich auch. Ich meine, ist doch nur verständlich, dass man mir die Dictionaries jetzt schon aus dem Klassenschrank klaut.“

Sophia sieht mich mitleidig an. „Das geht bestimmt nicht gegen Sie.“

Zum Glück habe ich mich wieder gefangen und so schaffe ich es zu lächeln, obwohl ich echt sauer bin. Können meine Schüler ja nur nun mal nichts für.
„In Ordnung, Leute, ihr habt ja Recht. Nur glaube ich nicht, dass noch Dictionaries in der Bücherei sind und ihr braucht schließlich welche für eure Arbeit.“

„Wir haben selber welche dabei.“ erklärt Abdul und holt eines heraus, was mich wirklich erstaunt. Ich hätte Stein und Bein geschworen, dass er nicht einmal weiß, dass es Dictionaries auch außerhalb der Schule gibt.

„Wie kommt es denn dazu?“ erkundige ich mich und die Schüler beginnen zu grinsen.

„Weil Ihre immer so blöd Englisch-Englisch sind.“

„Und weil wir da keine Spicker rein machen können.“

Eines muss ich ihnen lassen: Man kann ihnen nicht vorwerfen, nicht die Wahrheit zu sagen. Selbst wenn es besser für sie wäre.

 

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

P.S.: Was ich mir vorgenommen habe: 1. Frau Rocio-Mull zur Rede stellen. 2. Ab sofort die Dictionaries kontrollieren. 3. In der Fachschaft vorschlagen entweder mehr Dictionaries anzuschaffen oder die Schüler diese anschaffen zu lassen.

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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23 Antworten zu Dictionaries

  1. Nicole schreibt:

    „Weil Ihre immer so blöd Englisch-Englisch sind.“ 😀 süß!!

  2. nadineswelt schreibt:

    Aber das 1. finde ich am Wichtigsten. Damit, dass die Dictionaries korrigiert werden, rechnen die jetzt eh, und ob das mit dem Bücher von den Schülern besorgen lassen und dann auch mitbringen klappt… auch fraglich. Aber Frau Doppelnamen sollte doch eine Art verbalen Einlauf erhalten.

  3. Fran schreibt:

    Das ist bei uns aber das selbe (dass es zu wenig Dictionaries gibt)…da 2 unserer 3 Englisch LKs in der gleichen Schiene lagen, hat unsere Lehrerin uns damals dringend empfohlen uns selbst Oxford Dictionaries zu kaufen und zur Klausur mitzubringen…
    Ich war heute echt fasziniert, dass wir für die Abi-Klausuren genug hatten, denn es haben 3 LKs und 3 GKs geschrieben…
    Aber die Bücher einfach aus dem Klassenschrank zu klauen ist echt dreist!

    • Frau Falke schreibt:

      Wie schön, dass wir nicht allein sind mit dem Problem, auch wenn es natürlich gut ist, dass bei euch niemand auf die Idee kommt die Dinger zu stehlen. :/
      Ich hoffe die Klausur ist zufriedenstellend verlaufen?

  4. ullli23 schreibt:

    Wir mussten das dicke, teure, megaschwere, aber auch sehr gute Oxford Dictionary selbst kaufen. Jetzt steht es so gut wie nie verwendet im Regal, veraltet und sieht dabei toll aus…

  5. Inch schreibt:

    Ich wusste ehrlich gar nicht, dass so was in der Schule ausliegt. Aber gut, bei uns zu Hause nehmen die Dictionaries und Grammatikbücher für 6 Sprachen auch ein ganzes Regalfach ein. Da hat sich immer auch was passendes für die Kinder gefunden. 😉

  6. sunshinemuffin schreibt:

    Ooooh, an Dictionaries mangelt es bei uns auch… aber wir werden schon seit eh und je gezwungen, selber welche zu haben 😀
    In der achten Klasse mussten wir uns das jetzt schon häufiger erwähnte Oxford English Dictionary kaufen, das finde ich eigentlich recht gut. Für Klausuren schleppe ich aber immer zwei mit, das Oxford und ein Pons mit Deutsch-Englisch, so ist’s am einfachsten 😀
    Wir Oberstüfler dürfen mittlerweile bei einigen Lehrern sogar elektrische Dictionaries benutzen. Einige sogar ihren Ipod oder das Handy… Da wird natürlich niiiiiie mit geschummelt *hust*

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