Frau Falke braucht ein Hobby

Ich brauche ein Hobby, dringend. Denn alles, was mich beschäftigt, hat irgendwie mit Schule zu tun und das nervt mich langsam. Dass meine gesamte Lektüre sowie mein Filmrepertoire ebenfalls in die Sparte „Schüler, Schule & Pädagogik“ fällt, hatten wir ja schon festgestellt.

Dementsprechend verzweifelt betrete ich das Neulehrerzimmer und verkünde, schon bevor ich gesehen habe, wer überhaupt alles anwesend ist: „Ich brauche ein Hobby. Sonst schnapp ich noch über.“
Daina schmunzelt, zieht den Stuhl neben sich ein wenig weg und wartet, bis ich mich gesetzt habe. „Ein Hobby also. Irgendwas bestimmtes?“

Ich zucke mit den Schultern. „Keine Ahnung, ich dachte vielleicht an was Kreatives oder so.“
„Probier’s doch mal mit einem Zeichenkurs.“ schlägt Stefan vor, als Kunstlehrer ist er ja geradezu prädestiniert für diese Idee.

„Um mir dann von dem Mallehrer alles vorschreiben zu lassen? Darauf, nochmal Schülerin zu sein, kann ich echt verzichten.“

„Mein Hobby ist kochen und backen, weil es ist lustig und man kann es essen.“ erklärt Brianna, wobei sie über ihren Bauch streicht.

„Das ist mehr so die Aufgabe meines Mannes, wenn ich ehrlich bin.“

Herr Wallert beginnt zu grinsen. „Dann fangen Sie an Modelleisenbahnlandschaften zu bauen.“

„Dafür ist meine Wohnung zu klein -zum Glück- und langweilig ist das auch.“

„Wenn die Wohnung so klein ist bietet sich etwas zu sammeln wohl auch nicht an.“ stellt Sandra Kramer fest, die von Tag zu Tag glücklicher aussieht. Die Schwangerschaft scheint ihr gut zu tun.

„Wie wäre es mit Computer,“ möchte der Kollege Helfrich fragen, mein Gesichtsausdruck sagt aber offensichtlich genug.

Emily sitzt im Schneidersitz auf der Couch und legt den Kopf schief. „Wie wäre es mit Wildwasserrafting, Extreme Climbing  oder Parcour?“

„Wie wäre es mit etwas, wo ich mir nicht das Genick breche?“

„Dann spiel Schach.“ Felizitas grinst, sie weiß genau, dass ich dafür nicht die Geduld habe, wir haben zusammen mal versucht uns das von einem Freund erklären zu lassen, als wir einen Spieleabend gemacht hatten und es so spät wurde, dass die meisten schon wieder gegangen waren. Letztlich haben wir uns dann aber mehr aufs Sektleertrinken verlagert, das konnten wir wenigstens erstklassig.

„Du joggst doch gern, wie wäre es da mit einem sportlichen Hobby?“ Sarah lächelt, sie ist ja unsere Obersportlerin. Die trainierte Figur hätte ich auch gern, aber Sport mache ich eigentlich nur, wenn ich Lust darauf habe und die habe ich halt nicht so oft.

Sarah hat meinen Blick gesehen und dreht den Apfel in ihrer Hand. „Ein bisschen Bogenschießen oder Schwimmen macht Spaß und du würdest nicht Gefahr laufen dir das Genick zu brechen, Süße.“

Felizitas zupft ihren dunkelgrünen Seidenschal zurecht. „Ja klar, weil sie so eine Sportfanatikerin ist. Nein, nein, da ist doch mehr mein Fachbereich gefragt. Wie wäre es mit etwas Musikalischem? Klavierspielen, Klarinette lernen oder ähnlichem?“

„Auch wenn die Sporthobby-Idee schon abgelehnt wurde, wie wäre es mit Sport Stacking?“
Herr Fontaine ist seit Neustem auch nur noch die nötigste Zeit im Lehrerzimmer.

„Was ist nochmal Sport Stacking?“ erkundigt sich Emily, das Kinn auf der Hand aufgestützt und mit diesem interessierten Blick, mit dem sie ihren Schülern das Gefühl gibt, sie wären das Wichtigste auf der Welt für sie. Ich kann Herrn Fontaine nicht verübeln, dass er fasziniert von ihr ist. (Was ihr Daniela ziemlich übel nimmt, aber das nur so nebenbei.)

„Sport Stacking bedeutet mit einem Set aus neun beziehungsweise zwölf farbigen Bechern Pyramiden und Figuren in einer bestimmten Reihenfolge auf- und wieder abzubauen. Das sollte dann natürlich möglichst schnell und fehlerfrei geschehen und ist eine Sportart mit Suchtfaktor, wenn du mich fragst.“

„Dafür ist sie zu ungeschickt.“ verkündet Felizitas und ich frage mich langsam, was sie denn bitte für ein Bild von mir hat. Es klingt fast, als wäre ich ein unsportlicher Trampel, so schlimm ist es aber auch wieder nicht.

Wie so oft ist es Sarah, die einen Vorschlag zur Güte macht. „Und wenn du Sport und Musik kombinierst? Versuch es doch mal mit Tanzen.“

„Finde ich gut, das sollte ich mir wirklich überlegen.“

„Echt?“ Jetzt hat sich Stefan auf Felizitas Seite geschlagen.

Herr Wallert grinst. „Tja, da braucht die gute Frau Falke wohl dringender ein Hobby, als wir gedacht hätten.“

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

P.S.: Mal sehen was Herr Falke zu dem Vorschlag meint, der muss nämlich mit.

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Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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53 Antworten zu Frau Falke braucht ein Hobby

  1. Theni schreibt:

    Der arme Herr Falke, jetzt wird der da auch noch mit rein gezogen… ;D
    Aber du wohnst doch auf dem Land. Also geh zum nächsten Stall, einen alten Klepper, den du dir ab und an ausleihen darfst, haben die bestimmt irgendwo 😉 und mit einem Pferd kann man ja noch viiiiiel mehr machen, als nur reiten… 😉
    (ok. das war ein ganz untypischer Vorschlag meinerseits. Du könntest aber auch Modelltiere sammeln. Schön kreativ. 😀 *hust*)

  2. sunshinemuffin schreibt:

    Muffins backen ist ein ganz tolles Hobby, wirklich 😀
    Tanzen aber auch 🙂 Und wenn du Herrn Falke dazu bequatschen kannst, ist’s doch super. Tanzen macht ja wirklich Spaß (:

  3. Nicole schreibt:

    Tanzen klingt doch super. Vielleicht wäre ja auch Zumba was für Sie? Wäre bestimmt auch ein super Ausgleich 🙂

    • Frau Falke schreibt:

      Mir gefiel diese Idee auch sehr. Zumba tanzt meine Mutter, das ist sicherlich auch etwas Tolles. Vielleicht als Alternative, wenn mein Schatz nicht mitmachen will.

  4. Frl. Rot schreibt:

    Was ist denn mit „Couching“? *duckundweg*

  5. Jürgen schreibt:

    Ja, getanzt habe ich auch lange, und Volleyball gespielt/trainiert, aber jetzt gehe ich in Ausstellungen, reise ein kleines bisschen und lese, lese, lese, keine Schullektüre (Lesen ist Abenteuer im Kopf).
    Aber:
    „mit diesem interessierten Blick, mit dem sie ihren Schülern das Gefühl gibt, sie wären das Wichtigste auf der Welt für sie. Ich kann Herrn Fontaine nicht verübeln, dass er fasziniert von ihr ist. (Was ihr Daniela ziemlich übel nimmt, aber das nur so nebenbei.)“
    Was geht denn an dieser Schule ab? Das gibt es bei uns einfach nicht. Und wenn sich mal zwei verlieben, geht eine/r woanders hin.
    (Ich denke an einige Blogs, die in der Vergangenheit Sex zum Thema hatten: Allmählich wundert es mich nicht)

    • Frau Falke schreibt:

      Ich glaube du legst zu viel in meine Worte herein, wenn ich ehrlich bin. Keiner der Kollegen hat hier eine Affäre, ist verliebt oder etwas anderes. Emily verhält sich so, wie sie sich immer verhält, das kann man ihr nicht ankreiden. Herr Fontain ist fasziniert von ihr, auch das halte ich nicht für schlimm. Manche Menschen lassen sich von Gesten bezaubern, von einem Lächeln, von einem Blick. Ich mag die raue, dunkle Stimme meines Französischkollegen, aber ich habe doch an ihm kein Interesse deshalb? Und letztlich Daniela, okay. Sie missbilligt, dass Herr Fontain Emily so ansieht. Aber gesagt hat sie nichts, nie. Und ich glaube, sie weiß auch warum, dass sie ihn nicht tatsächlich liebt, sondern bloß eine große Sympathie für ihn pflegt und ihr der Gedanke gefällt, dass sie ihn ansprechen könnte, wenn sie wollte.

  6. nadineswelt schreibt:

    Du hast doch jetzt Fußball!
    Aber Tanzen macht echt Spaß. Vorausgesetzt der Partner hat Rhythmusgefühl. Kann ich nur empfehlen!

  7. Inch schreibt:

    Ich hätte ja auch klettern vorgeschlagen 😀 Aber tanzen ist auch wunderbar!

  8. pausenkaffee schreibt:

    Der arme… weiß er schon von seinem “ Glück“?

  9. Klotho schreibt:

    Probier’s doch mal mit Stricken, Häkeln, Weben, Spinnen, Quilten….. Handarbeiten ist doch neuerdings so hipp und kreativ ist es außerdem.

  10. - schreibt:

    Wie wärs mit Ukulele spielen? Der Trend unter deutschen Lehrern, aber auch normalen Menschen. Man lernt es recht schnell und es macht gute Laune. Daher habe ich eine im Wohnzimmer deponiert, in der Küche und im Arbeitszimmer.

    • Frau Falke schreibt:

      Wäre ich mit meiner Gitarre nicht schon überfordert, wäre das sicher eine sehr gute Idee. Ausgefallen ist es auf jeden Fall, und sicher recht lustig zu lernen. Aber gleich drei Stück? Ist Ihre Wohnung so groß, dass sich das Mitnehmen über die langen Strecken nicht lohnen würde? 😉

      • Das schöne an der Ukulele ist, dass sie nur 4 statt 6 Saiten hat. Und nachdem ich mir auch noch eine Gittare gekauft habe, kann ich die Vorteile von nur 4 Saiten deutlich schätzen.
        Wegen der Anzahl und Größe: Sopran-Ukulelen sind recht klein nur unwesentlich größer als ein DIN-A-4-Heft. Ein großer Vorteil, wenn man sie mitnehmen will. Und damit sie immer richtig gestimmt ist, hat meine ein eingebautes Stimmgerät.
        Für mehr Infos einfach mal bei youtube nach Ukulele Mike suchen. Mit seiner Hilfe habe ich mir das selbst beigebracht.

    • sunshinemuffin schreibt:

      Mir gefällt die Differenzierung zwischen Lehrern und „normalen Menschen“ :’D

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