Lehrerfußball

 

„Wie schön, dass man Sie hier auch noch mal sieht, wir haben Sie wirklich vermisst in den Ferien.“ lautet die Begrüßung an diesem Morgen, als ich das Lehrerzimmer betrete um noch schnell ein Buch zu suchen und ein paar Kopien zu machen.

Verunsichert mustere ich den Kollegen Fontaine. „Ach ja?“

„Sicher, wer freut sich nicht über ein nettes Lächeln noch vor Unterrichtsbeginn? Und dann auch noch von einer so hübschen jungen Frau.“

Ich hebe eine Augenbraue und lege den Kopf schief, dass da etwas nicht stimmen kann, sieht ein Blinder. Die Frage ist jetzt also lediglich wie schlimm es ist.

„Was genau wollen Sie von mir?“

„Keine Angst, Frau Falke, es ist nichts. Wir brauchen bloß noch Mitspieler für unser Schüler-Lehrer-Match nächsten Dienstag.“ erklärt mir Michael.

„Schüler-Lehrer-Match? Und das schon nächsten Dienstag?“ erkundige ich mich und lege die Stirn in Falten.

„Seit wann haben wir denn überhaupt ein Team?“

„Das ist der springende Punkt, wir haben keines.“ klärt mich Frau Rocio-Mull auf.

Herr Vladeck klatscht in die Hände. „Genau deshalb stellen wir ja gerade eines auf.“

Zweifelnd sehe ich die Gruppe von engagierten Sportfreunden an, lasse mich aber doch darauf ein wenigstens einen Moment an ihrem Tisch stehen zu bleiben. „Okay, dann lasst eure Liste mal sehen. Wer ist bislang denn alles im Team?“

Herr Vladeck holt einen Zettel hervor, auf dem er Namen zu notieren beginnt.

Mir ist nie aufgefallen wir klobig seine Hände doch sind. Anderseits passt das zum Rest seines Körpers, denn er ist groß und hat ein breites Kreuz.

„Herr Fontain und Herr Krombalk, Herr Clemens und der Kollege Tarsmus, Frau Rocio-Mull, das Fräulein Hansen, Herr Helfrich sowie der Referendar mit diesem Doppelnamen, wie heißt er noch?“

„Polwin-Kaulwitz.“ helfe ich ihm auf die Sprünge.

„Stimmt, stimmt, Polwin-Kaulwitz, so heißt er. Nun ja, jedenfalls ist der auch dabei, dann Herr Krüger und natürlich ich.“

„Wie Sie sehen fehlt uns noch genau eine Freiwillige, damit wir ein Team aufstellen können. Also- machen Sie mit.“ versucht es der Kollege Fontain erneut.

Wenig begeistert sehe ich zwischen den Männern hin und her. „Aber ausgerechnet Fußball? Meint ihr nicht, dass da jemand anderes besser geeignet wäre?“

Mit großen Augen blicken mich meine Kollegen an, Herr Fontain gibt sich noch nicht geschlagen. „Überlegen Sie es sich, hmm? Sie können ja in der nächsten großen Pause Bescheid sagen.“

 

Ich stimme seinem Vorschlag zu und denke noch, dass ich dadurch genug Bedenkzeit habe, bis mir auffällt, dass das gerade mal neunzig Minuten sind. Meine lieben Kollegen haben mich offensichtlich mal wieder ausgetrickst. Und nicht nur das, Sie haben auch noch einen Trumpf im Ärmel.

 

Denn als ich mir gerade einen Kaffee einschenken will und merke, dass die Kanne leer ist, steht kein geringerer als Nicolas hinter mir. Ich reagiere demnach so, wie ich immer reagiere, wenn ich den Kollegen Clemens sehe, ich werde rot.

„Nicolas.“

Er lehnt im Türrahmen und lächelt. „Na, überlegst du noch, was du herausholen kannst?“

„Wie meinst du denn das?“ erkundige ich mich und bin in der nächsten Sekunde sicher, dass er mich für bekloppt halten muss. So wie ich immer herum stottere oder seine Fragen echoe, wenn er mit mir spricht.

Nicolas beobachtet amüsiert, wie ich mich mit der Kaffeemaschine abmühe. „Nun, ich dachte du überlegst dir, was du als Gegenleistung dafür willst, dass du in unser Team eintrittst.“

„Du meinst ich kriege so eine Art Belohnung?“ versichere ich mich, denn die Idee gefällt mir ja mal ausgesprochen gut.

„Ich würde es eher Bestechung nennen.“

Wir sehen uns an, dann wende ich den Blick ab, bevor ich mich wieder blamieren kann.

 

Natürlich schaffe ich es dann doch mich zu blamieren, indem ich die Kaffeemaschine, die ich schließlich seit gefühlten Jahrzehnten bediene, nicht zum Laufen kriege.

„Brauchst du Hilfe oder so was?“

Ich sehe ihn an und nicke ergeben. „Die letzte Zeit mache ich oben Kaffee, die Maschine dort ist viel leichter zu bedienen und,“

Er hebt eine Augenbraue, nimmt mir die Kaffeekanne aus der Hand und hat die Maschine innerhalb weniger Minuten zum Laufen gebracht.

„So, bitte. Obwohl ich schon ein wenig enttäuscht bin.“

„Wieso denn enttäuscht?“ erkundige ich mich mit einem Blick über die Schulter bei ihm, während ich auf Zehenspitzen stehend versuche eine Tasse aus dem oberen Regal zu holen.

Er mustert mich mit schiefgelegtem Kopf und spitzbübischem Grinsen. „Nun, dieses eine Mal hättest du dir von mir wünschen können, was du wolltest- und du nimmst einen Kaffee.“

 

Ich hebe drohend den Zeigefinger, als sei er ein unartiges Kind, und drehe mich zu ihm. „Na, na, na, mein lieber Nicolas, wenn ich mich recht entsinne warst du doch derjenige, der letztens genau die gleiche Chance hatte. Und was hast du dir noch gleich von mir gewünscht?“

Ich lächle ihn siegessicher an. „Dass ich dir aufschließe, nicht wahr? Da ist mein Kaffee aber das kleinere Übel.“

Er fährt sich durchs Haar wie ein Schuljunge und gibt sich grinsend geschlagen. „Wir sollten wohl beide unsere Wünsche überdenken, was?“

„Du auf jeden Fall. Aber wer weiß, wann du wieder so eine Chance bekommst, vielleicht ist dir bis dahin ja etwas Besseres eingefallen.“

 

 

 

Es grüßt ganz lieb,

Frau Falke

 

 

P.S.: Mal sehen, wie ich mich beim Fußballspielen schlage. Drückt mir die Daumen.

 

 

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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30 Antworten zu Lehrerfußball

  1. Theni schreibt:

    Meine Lehrer sind ja eigentlich totale Vollpfosten*, aber eins können sie: Fußball spielen… 😀 Da gibt es seit Jahren eine Lehrerfußballmannschaft… xD (sorgt bei jedem Sportfest für Erheiterung, wenn sie mal wieder gegen die Schüler verlieren, äh, gewinnen) Allerdings sind da auch nur die netten/ tollen Lehrer dabei… 😉
    Mach da ruhig mit, Fälkchen, macht dich noch viiiiel cooler! 😀

    *das hab ich nicht geschrieben! Das tut nur so, als ob es da steht…! 😉

  2. nadineswelt schreibt:

    Ach, Du machst einfach ne Schwalbe und holst Elfmeter und Freistöße raus. Dir nimmt man doch die Schmerzen durchs gefoult werden bestimmt ab?

  3. Nicole schreibt:

    also ich finde den Aspekt mit Nicolas ja viel interessanter als die Fussballgeschichte (das werden sie schon meistern!), aber damit scheine ich die einzige zu sein 😀

  4. Jürgen schreibt:

    Und warum wird Frau rot?

  5. Inch schreibt:

    Fußball hin, Fußball her, mich interessiert die Geschichte mit Nicolas viel mehr 😀
    Ach, und dann doch noch Fußball. Sie wissen, dass das eine Risikosportart ist? Ich bin ja Kletterer, eine Sportart, in der Sächsischen betrieben, die durchaus ihre Risiken hat. Und ich habe auch schon einige Unfälle miterlebt. Beim Klettern. Aber die meisten passieren, wenn die Bergesteiger gegeneinander Fußball spielen. Also, schön aufpassen
    P.s.: Volleyball ist übrigens ähnlich gefährlich

    • Frau Falke schreibt:

      Ich fand die Nicolas-Sache auch interessanter als die Jungs mit ihrem Fußball. 😉
      Oha, das klingt aber wirklich gefährlich. Besonders bei meiner Geschicklichkeit sollte ich mir das wohl noch mal überlegen mit dem Klettern.

  6. rueckenpatientin schreibt:

    Wenn man nicht von Hernn Falke wüsste, könnte man doch glatt meinen, dass da Schmetterlinge in der Luft sind, wenn du dich mit Nicolas unterhälst 🙂
    Und hör mir bloß auf mit Fußball. Wenn ich nur an die EM denke, wird mir übel. Mein Freund hat nun offiziell die Erlaubnis vom DFB, als Bodyguard der National Elf mitzufahren…

    • Frau Falke schreibt:

      Der Kollege Clemens ist auch einfach sehr besonders. Ich mag ihn, aber diese Spielereien sind keine Gefahr für meinen Schatz, und das weiß er auch. :]
      Sehr schön, da habe ich in Sachen Fußball ja eine Verbündete gefunden. Auch wenn ich mich frage, wie man es schafft bei so einem Event Bodyguard zu werden…und warum. 😉

      • rueckenpatientin schreibt:

        Ich hätte dich auch nicht so eingeschätzt, dass daraus eine Gefahr entstehen könnte 🙂
        Und trotzdem liest es sich, als ob Schmetterlinge in der Luft wären…

        Tja, mein Freund trainiert schon eine lange Zeit irgendeine Kampfsportart (kann mir den Namen immer nicht merken, weil´s mich einfach nicht interessiert) bei dem „Chef-Bodyguard“ der National Elf. Und genau dieser Trainer hat in seiner Firma keinen Mitarbeiter, der Polnisch spricht. Mein Freund kann diese Sprache und beim Training war er auch äußerst fleißig. Und deshalb wurde er gefragt, ob er sich vorstellen könnte, auf die Fußballspieler aufzupassen.
        Mein Freund hat natürlich schon lange den Wunsch, einmal bei so einem Event dabei zu sein und sagte sofort zu.
        Zuerst weigerte sich der DFB, weil mein Freund keinen Personenschützer-Schein hat. Ich habe mich schon tierisch gefreut, weil ich eigentlich gar nicht möchte, dass er da hin fährt. Schließlich kann das auch ganz schön gefährlich werden.
        Der Trainer hat dem DFB nun klar gemacht, dass mein Freund zwar nichts von der Theorie weiß, aber dafür die Praxis sicher beherrscht und dass er eben bei Problemen die Sprache versteht und auch vermitteln kann.
        Der DFB hat sich nun darauf eingelassen und gesagt, dass er dieses mal mit kann, aber beim nächsten mal den Personenschützer-Schein braucht, damit er eben auch die Gesetzestexte weiß.
        Auf der einen Seite freue ich mich tierisch für ihn, weil er schon so lange darauf hingearbeitet hat, aber auf der anderen Seite habe ich große Angst, dass ihm etwas passiert. Zumal ich jetzt auch weiß, dass er die Fußballspieler zu den Presseterminen ganz alleine begleitet und auch im Hotel passt er alleine auf. Ins Stadion darf er zum Glück nicht mit.
        Etwas Gutes hat die Ganze Sache dann aber doch: er verdient dort so viel Geld, dass wir endlich zusammenziehen können!

        • Frau Falke schreibt:

          Es klingt ja, als hätte das Ganze einige positive Seiten. Dass es trotz allem mit einem unguten Gefühl verbunden ist, kann ich jedoch gut verstehen. Ich wünsche deinem Freund Glück und hoffe, dass alles gutgeht. 🙂
          Will er die Prüfung denn ablegen? Dann wäre dieser Job ja ein sehr guter Einstieg und Vorgeschmack auf das Kommende.

          Die Schmetterlinge… Nun, es ist auf jeden Fall etwas Besonderes, so viel lässt sich wohl festhalten. 😉

  7. Pingback: Exkursion | sovielzumthemaschule

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