…und der Wald

Nun ist es bei uns Tradition, dass wir einen Waldspaziergang machen, anfangs, als wir das Feiern noch in verschiedenen Haushalten austrugen, mal eher durch einen Park oder die Innenstadt, bei meinen Eltern aber bietet es sich an, da ein wunderschönes Waldgebiet dicht am Haus ist.
Und so liefen wir los und genossen den Sonnenschein, das langsam erwachende Grün des Waldes und das Rauschen der Bäche, sprachen über Gott und die Welt und bestaunten letztlich in stillem Einklang die Schönheit der Natur. Nun, zumindest in der Theorie.

In der Praxis sah das Ganze dann schon ganz anders aus, denn da war es relativ kühl und die Sonne nur ein sehr spärlicher Begleiter auf unserem Weg durch den Wald. Kiara hatten sie Zuhause gelassen, sie ist ja ach so krank, aber Lydia war mitgekommen und heulte schon nach den ersten drei Metern herum. Sie hatte keine Lust, wollte nicht, fand das doof… Und setzte sich dann immer mal wieder auf den weichen Boden um ihren Unmut zu demonstrieren. Mein Bruder nahm sie hoch und trug sie, dann hatte sie wieder genug Lust und tollte ein paar Minuten vorneweg.
Mein Vater unterhielt sich mit meinem Schatz über die Firma, irgendwelche Fußballclubs und anderen Sportkram, bei dem ich nur lächeln und nicken kann, aber nicht so richtig weiß, von was er da genau spricht. Die beiden suchten sich ihren Weg durch das Dickicht, als gäbe es den Rest der Welt nicht.
Olivia sprintete im Zickzacklauf über die Wege, denn sie hatte nur sehr bedingt Empfang. Sie blieb natürlich die Ruhe selbst („Dieses beschissene Netz! Dieses beschissene Handy!“) und Lydia, die mittlerweile wieder auf den Schultern Phillips saß, echote sogleich („Beschissen! Beschissen!“), sodass meine Mutter erst Anna-Lena einen tadelnden Blick zuwarf, da diese ja für die Erziehung ihrer Tochter zuständig war, und dann Olivia, die längst weiter war und fluchend auf einen Stein kletterte.

Meine Tante und meine Mutter liefen ansonsten als Schlusslicht und tratschten über alles Mögliche, als hätten sie sich Jahre lang nicht gesehen. Dabei telefonieren sie jeden Tag mindestens eine Stunde lang. Aber auf das Kind deuten zu können ist natürlich viel, viel schöner. Und ich habe das Gerede auch fast nicht gehört.
Einzig Clara ging mit mir vorneweg, wie sprachen über die unfassbar tolle Aussicht (-„Wald.“ „Oh.“ -„Baum.“ „Ach ja.“ -„Noch ein Baum.“ „Sag bloß.“ -„Stein.“ „Wow.“) und dann über unser Leben, wie es sich seit dem letzten Treffen entwickelt hat. Ich muss sagen, seit Weihnachten ist auch bei mir einiges passiert.

Als wir von unserem Spaziergang kamen, der mehr einer Waldwanderung glich, waren wir durchgefroren, aber allesamt sehr glücklich zurück zu sein, wo es Kaffee gab und Kuchen, Internet, Handyempfang, Spielsachen und alles andere. Und als mein Vater eine seiner CDs aufgelegt hatte, war es beinahe, als wären wir nie losgewesen.

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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6 Antworten zu …und der Wald

  1. pausenkaffee schreibt:

    Sehr schöner artikel, den man eins zu eins auf jede andere Familie umschreiben könnte. Schöne Ostern dir (trotzdem) noch!

  2. theni schreibt:

    Ich hatte schon fast erwartet, dass du mit einem Laptop durch den Wald rennst, um ja bloggen zu können… xD

  3. theomix schreibt:

    Das klingt ja nach Harmonie im normalen Bereich, also mit Abstrichen, wie immer im Leben.
    Frohe Restostern noch!

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