Schülerfreie Pause

Seit wir an unserer Schule die Schülerfreie Pause eingeführt haben, gab es einige Diskussionen, manches an Kritik zu hören, aber durch die Bank weg, und das möchte ich mal festhalten, war die Resonanz durchaus positiv.
Als ich vor einiger Zeit eine Doppelstunde in der Elf a vertreten musste, einer Klasse, in der wegen Lehrermangels kaum Unterricht gemacht wird und ich immer wieder versuche auch nur irgendetwas auf die Beine zu stellen, war das ein geeignetes Thema für die Aufsätze, die ich die Kiddies schreiben ließ. In der zweiten Stunde durften sie dann als Entschädigung Hausaufgaben machen, damit waren sie wieder versöhnt.

Ich habe viele nette Arbeiten am Ende der Stunde bekommen, eine war jedoch dabei, die mir so außergewöhnlich vorkam, dass ich mir damals die Erlaubnis holte sie zu kopieren. Als mir ihr Zusatz heute in die Hände fiel, wollte ich ihn mit euch teilen. Die Schülerin hat es mir freundlicher Weise erlaubt, sodass ihr hier den Zusatz zu ihrem Aufsatz zum Thema „Schülerfreie Pause“ lesen könnt:

Offener Brief an die Lehrerschaft des Gymnasiums
Betreff: Schülerfreie Pause

Es war klar, dass es mit uns nicht mehr lange gutgehen konnte. Dieses ständige Aufeinandersitzen den ganzen Tag, das Gefühl für nichts mehr Zeit zu haben- und vielleicht waren wir auch einfach zu fordernd.
Jetzt haben sie die Reißleine gezogen, nennen es „Schülerfreie Pause“ und meinen damit, dass wir sie künftig nur noch zwischen der zweiten und dritten Stunde aus dem Lehrerzimmer rufen dürfen.
Der Tonfall, in welchem sie uns die Mitteilung machen und der Zusatz, dass es ja erst mal nur probeweise wäre, erinnert stark an eine Beziehungspause. Es geht nicht um Liebesentzug, sondern viel mehr darum, „auch mal was mit anderen zu unternehmen“, für „etwas anderes Zeit zu haben“ und „auf andere Gedanken zu kommen“. Man wünsche sich ein wenig Abstand um auch mal für sich selbst Zeit zu haben.
Wir sitzen da, Stille erfüllt den Raum- mehr nicht. Kein Schluchzen, keine Tränen, keine Vorwürfe.
Wir nehmen es hin, aber nicht, weil wir keine andere Chance hätten. Wir nehmen es hin, weil wir wussten, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis dieser Schritt gegangen würde.
Und weil wir wissen, dass es das Beste ist, wenn wir, anstatt zu klammern, ihnen diesen Freiraum lassen.
Es ist okay. Uns ist bewusst, dass dies nicht bedeutet, dass ihnen unsere Probleme egal sind. Wir wissen, dass wir bei jenen, die bis dato ein offenes Ohr für uns hatten, nicht auf Ablehnung treffen werden.

Fünfzehn Minuten des Tages dafür zu beanspruchen noch ein paar Kopien zu machen, einen Kaffee zu trinken oder sich mit den Kollegen auch über nicht-schulische (!) Themen auszutauschen, ist kein Weltuntergang.

Liebe Lehrer, nutzt eure Schülerfreie Pause, ihr habt sie euch wahrlich verdient.

Ich denke, ich habe dem nichts hinzuzufügen.

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

P.S.: Ich bin dafür, dass wir werden diese Pausenregelung beibehalten. Sie ist doch sehr angenehm und in vielen anderen Schulen schon längst fest im Programm.

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Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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14 Antworten zu Schülerfreie Pause

  1. Jürgen schreibt:

    Klasse Mädel.
    Wunderbar.

  2. nadineswelt schreibt:

    Hast Du den Aufsatz dem Kollegium gezeigt?

    • Frau Falke schreibt:

      Sarah hat ihn gelesen, Feli, Emily. Stefan und Daina, also nur der engere Kreis. Die anderen hatten nicht den Nerv oder das Interesse, und ich hatte keine Lust damit hausieren zu gehen.

  3. Nobelix schreibt:

    Klingt nach ner tollen Idee…schülerfreie Pause. Vielleicht sollte ich das mal aufs Büro umsetzen – im Stile von „telefonfreier Mittagspause“. Aber dafür den Anrufbeantworter einschalten? Hm, na mal ausprobieren heute 😉

    Aber dafür ist eine Pause ja eigentlich da – um mal auf andere Gedanken zu kommen und sich über entwas anderes als die Arbeit zu unterhalten.

  4. littlemissbad schreibt:

    Ach, wie schön. Beim Lesen deines Blgs werden mir immer wieder Dinge bewusst, die mir als Schülerin nie in den Sinn gekommen wären.

  5. littlemissbad schreibt:

    ich kaufe ein o

  6. Nicole schreibt:

    Frau Falke, schön dass es ihnen wieder besser geht und ich nach meinem Urlaub ganz viele tolle Einträge lesen konnte 🙂
    ich wünsche ihnen ein schönes Osterfest 🙂

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