Ich bin Lehrerin und habe Angst

 


 

Antworten
werfen manchmal mehr Fragen auf als sie beantworten können.

 

So lange haben wir uns gefragt was los ist, haben eine Antwort gesucht für das auftretende Fehlverhalten. Jetzt endlich haben wir sie bekommen. Und das von einer Person, von der wir es am allerwenigstens erwartet hätten: Megan Ullrich.

Die Referendarin ist niemand, der einem aufgefallen wäre im Kollegium. Sie ist nicht so vorlaut wie Emily, nicht so liebreizend wie Sarah, nicht so modebewusst wie Felizitas. Sie hebt sich in der Masse von Referendaren nicht hervor, ist nicht so jung und naiv wie Frau Jäger, nicht so bemüht wie Herr Polwin-Kaulwitz, nicht so sprühend voller neuer Ideen wie Frau Debian.

Frau Ullrich war auf eine gewisse Weise immer so dazwischen, was alles anging, und irgendwie lag es vielleicht genau daran, dass so lange niemand genug Interesse an der jungen Frau und dem, was sie bewegte, gezeigt hatte. Dass niemandem außer den anderen Referendaren aufgefallen war, dass es ihr von Tag zu Tag schlechter ging. Und dann kam Sandras Tod, der sowieso alles in den Schatten gestellt hat, der es uns unmöglich machte den Fehler wo anders zu suchen, die Gründe für ihr Traurigsein.
Wenn das Leben sich nur langsam aus einer allumfassenden Betäubung löst, ist es schwer zu verstehen, dass die Probleme der Zeit zuvor sich nicht einfach verändert haben.

Heute saß ich schon in der dritten Stunde in unserem neuen Pausenraum und genoss die Ruhe, welche die langsam einstaubenden Lehrmittel verbreiteten, da wurde die Tür aufgeschlossen und Megan erschien. Sie sah sich unsicher um, als würde sie der Mut verlassen, und ließ sich dann neben mir auf das ausrangierte Sofa aus der Cafeteria sinken.

Ich blickte sie erstaunt an, legte meinen roten Füller zur Seite, mit dem ich  Vokabeltests korrigiert hatte, und schlug die Beine übereinander. „Tja, da haben Sie mich wohl erwischt.“
Sie blickte mich mit großen Augen an, nahm den Kopf zurück. „Das wollte ich nicht, ich habe nur zufällig mitbekommen, dass Sie hier sind und wollte mit Ihnen allein sprechen.“
Ich nickte langsam. „In Ordnung, was ist denn los? Hat meine Klasse wieder was angestellt?“

Megan sieht auf den Boden, dann auf ihre krampfhaft ineinander verschränkten Hände, schüttelt den Kopf und obwohl ich ihren Blick suche, schafft sie es nicht mir in die Augen zu sehen. „Ich muss Ihnen etwas anvertrauen.“
Ihre Stimme bewegt mich dazu nicht zu fragen weshalb sie sich nicht an ihre Mitreferendare wendet oder an ihre Mentoren, sondern ausgerechnet an mich.

Einige Zeit herrscht Stille zwischen uns, sie muss erst den Mut fassen sich zu öffnen.

„Ich habe große Probleme, seit Wochen schon, aber es wird immer schlimmer und schlimmer. Mittlerweile hat es sich ins Unerträgliche gesteigert. Ich gehe in den Unterricht und habe vorbereitet, was ich niemals halten werde, wage es nicht mehr anzuziehen, was sie als Angriffspunkt nutzen könnten, oder zu sagen, was sie aufbringen könnte.“

Betroffen mustere ich die Referendarin, die mich gar nicht richtig wahrzunehmen scheint, sondern eher mit sich selbst spricht. „Wer…?“
Sie sieht auf, streicht sich ihr schwarzes Haar aus dem Gesicht und atmet tief ein. „Die Zwölf d, das Gesellschaftsprofil. Mirkos Klasse, Anna-Lenas Klasse, die.“
Megan zieht ihre Beine nach oben, umschling ihre Knie und bringt sie so dicht an ihren Körper heran. „Diese Klasse ist nicht normal, die Schüler sind außer Kontrolle. Und ich habe Angst. Ich bin Lehrerin und habe Angst, verstehen Sie das?“

Die Tür wird aufgeschlossen, Stefan steckt seinen Kopf herein, doch ich deute ihm hinter dem Rücken der Referendarin draußen zu bleiben.

Megan verzieht den Mund, sucht nach Worten. „Ich habe ihnen einfach nichts mehr entgegen zu setzen, alles habe ich schon ausprobiert, aber vergeblich. Ich kann nicht mehr. Sie beleidigen mich, machen mich in jeder verdammten Stunde fertig.“
Sie sieht mich an und ihre Augen sind feucht dabei, aber vor Wut, wie ich glaube. „Sie nennen mich eine Schlampe, fragen für wie viel ich die Beine breit machen würde.“

In diesem Moment entdecke ich eine schlimme Seite an mir, eine Seite, die das alles nicht hören will. Ich möchte meine Ohren zuhalten und sie zum Verstummen bekommen.
Das alles ist nicht zu ertragen, nicht jetzt. Ich will doch nur weitermachen. Ohne Stress, ohne Ärger. Ich will nicht schon wieder eine Kollegin, die leidet, nicht schon wieder mit der Schulleitung konfrontiert werden, der ich nicht vertraue. Ich will keine verbrannte Erde. Und ich will nicht wieder diejenige sein, von der erwartet wird, dass sie hilft. Ich habe doch selbst erst angefangen weiterzumachen. Die Antworten auf alles habe ich nicht. Ich bin nicht besser als die anderen, und ich kann nicht alles zum Guten wenden.
Ich bin schockiert. Von dem, was sie erlebt hat, aber fast noch mehr davon, dass sie niemandem etwas erzählt hat. Doppelmoral? Vielleicht. Oder Überforderung, schlichtweg. Und sie redet immer noch.
Wie kann es sein, dass die Kollegin es zulässt, dass man so mit ihr umgeht? Wie kann ein Mensch das überhaupt? Es gibt Regeln in der Schule, und es gibt Regeln in der Gesellschaft. Und nichts, absolut gar nichts, kann Grund dafür sein, dass man sich so behandeln lässt, oder? Sie redet und redet. Ich begreife es dennoch nicht.

„Wenn ich ihnen drohe sie zum Direktor zu schicken, machen sie sich darüber lustig, dass ich mit dem sicher schon längst etwas am Laufen hätte.“
„Wie bei Sarah.“ sage ich, denn ihre Beschreibungen kommen mir bekannt vor. Ich ahnte noch nicht, wie bekannt.

„Am Schlimmsten ist es, dass sie mich bedrohen, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Es macht ihnen Spaß, wenn sie merken, dass ich vor ihnen zurückschrecke, wenn sie auf mich zukommen, sie knacken mit ihren Fingerknöcheln, verspotten mich.“  Megan nimmt den Kopf herunter, ihr schwarzes Haar fächert sich über ihren Schultern. „Ich versuche anders zu sein. Ich versuche das nicht zu machen. Aber… Es geht nicht. Ich kann nicht.“
Sie schüttelte den Kopf. „Sie fragen mich wie es wäre, wenn sie abends vor meiner Tür stehen würden, ob ich es mir denn erlauben könne hier so eine Tour zu fahren, wo ich doch allein bin.“

„Und was machst du?“ erkundige ich mich noch leicht verstört von dieser Offenbarung, was ich hier hörte klingt keineswegs auch nur im Ansatz nach einer Klasse aus unserer Schule. Oder überhaupt irgendeiner Schule. Dass ein Schüler mal austickt, sicher, dass eine Schülerin sich daneben benimmt, auch verständlich, aber eine ganze Klasse? Ich wünschte mir es wäre still um mich herum.

„Ich habe versucht mit der Klasse über ihr Verhalten zu reden, aber bei dem gestörten Sozialverhalten, welches die an den Tag legen, ist das wohl ein aussichtsloses Unterfangen. Dann war ich bei Renate, sie ist schließlich die Klassenlehrerin, doch sie zeigt keinerlei Interesse an der Sache, ist selbst überfordert mit dem ganzen Terror. Sie verschließt einfach die Augen vor dem Sachverhalt und hofft, dass diese verbliebene Zeit möglichst schnell vorüber geht. Ihr konnte ich doch nicht sagen, dass ich mich vor den Schülern fürchte, die sie nur aufmüpfige Kinder nennt? Und der Direktor? Sie haben die Sache mit Sarah erlebt. Der sieht das Problem einzig in Mirko, er ist ganz besessen von dem Gedanken.“
Bewegt sieht Megan auf und blickt mich bittend an, wirkt dabei so verloren wie ich sie noch nie gesehen habe. „Sagen Sie mir, was ich machen soll, Frau Falke, denn ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung was ich noch unternehmen kann, an wen ich mich wenden soll. Ich…ich habe das Gefühl als sei es alleinig mein Versagen. Als wäre es meine Schuld, dass alles so läuft, weil ich nicht mit der Klasse fertig werde.“

Langsam lasse ich die Luft aus meinen Lungen entweichen, stütze meinen Kopf auf meinen Händen ab und mustere die Referendarin. Wie sie davon erzählt, klingt es, als glaube sie, dies verdient zu haben. Ich fange an darüber nachzudenken, was bei ihr noch im Argen liegt. Und ich denke daran, dass ich eigentlich nichts von ihr weiß.
„So wie es jetzt ist kann es auf keinen Fall weitergehen.“ stelle ich nur fest, noch recht überfordert von dem, was mir in der letzten halben Stunde erzählt wurde.

Megan nickt, fährt sich erneut durchs Haar und stützt ihren Kopf auf ihren Knien ab. „Wenn sich nicht bald etwas ändert, werde ich die Konsequenzen daraus ziehen müssen. Denn ich habe keine Kraft mehr um diesen Bedrohungen, diesen Verleumdungen, dieser ständigen Angst in die Klasse gehen zu müssen Stand zu halten. Jeden Abend liege ich weinend wach, jeden Morgen plagen mich regelrechte Panikanfälle bei dem bloßen Gedanken ihnen wieder gegenüber treten zu müssen. Ich kann einfach nicht mehr.“

Ich sehe sie an und erfasse die Hand der Frau, die sich aus einem unerfindlichen Grund mir anvertraut hat. „Es wird nicht weitergehen, Frau Ullrich. Wir werden etwas unternehmen um ein solches Verhalten zu unterbinden, ob nun mit oder ohne die Unterstützung von Renate und dem Direktor, das ist egal. Schließlich sind noch andere Lehrer in dieser Klasse, die werden nicht alle beschlossen haben diesen Terror auszusitzen. Und es gibt genug Mittel und Wege. Auch Hilfe von außerhalb.“

Megan lässt ihren Kopf an meine Schultern sinken und schließt die Augen. „Danke.“, sagt sie, nicht mehr. Aber so wie sie es sagt habe ich mit einem Mal ein so schlechtes Gewissen wie kaum zuvor.

Ich frage mich, warum wir so lange nicht mitbekommen haben, was da los war. Und denke, dass dies in der letzten Zeit eine sehr häufige Feststellung von mir ist, dass wir etwas nicht mitbekommen haben, meine ich. Ich denke an Sarah, an Kerstin.
Liegt es einfach nur daran, dass man in einem Kollegium von so vielen Personen keinen Überblick haben kann? Oder haben wir tatsächlich verlernt zumindest ein wenig auf einander zu achten?

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

P.S.: Nach den Ferien wird das Klassenkolloquium zusammenkommen und alle, die in der 12 d unterrichten, sich austauschen können. Ich hoffe sehr, dass dabei klar wird, dass hier unbedingt etwas geschehen muss.

P.P.S.: Meine Vorschläge hat sie nicht angenommen. Keinen Mediator, keine Polizei, kein Gespräch mit der Schulpsychologin. Vielleicht nach den Ferien, wenn ihr klar geworden ist, was sie da eigentlich durchlebt.

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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33 Antworten zu Ich bin Lehrerin und habe Angst

  1. pausenkaffee schreibt:

    Ich lese immer wieder deinen Blog und bin immer wieder fassungs- und sprachlos. Kann grade gar nicht mehr dazu sagen…

    • Frau Falke schreibt:

      Ich bin nicht mal überrascht, wenn ich ehrlich bin. Wenn ich mir ansehe, wie das mit Sarah lief, hätten wir uns fast denken können, dass da mehr hintersteckt. Unbekannt war es wohl auch nicht, nur dass „ein wenig problematisch“ das alles bedeutet, war mir nicht klar. Aber wir kriegen das hin, nicht? Müssen wir ja. Wir kriegen ja alles immer irgendwie wieder hin. Anderes bleibt nicht übrig.

      • pausenkaffee schreibt:

        Das klingt sehr… abgeklärt und niedergeschlagen,was ich voll und ganz verstehen kann.

        • Frau Falke schreibt:

          Es tut mir Leid. Aber ich weiß einfach nicht, wie ich das alles schaffen soll. Ich weiß nicht, weshalb ich diejenige bin, von der das alles erwartet wird. Und auch wenn ich gleich wieder losfahre um zu sehen, was da jetzt zwischen Megan und Daina los war und warum sie sich eingesperrt hat, wünsche ich mir doch eigentlich nur mich zu verstecken und mal ein paar Tage unbehelligt zu bleiben. Nicht, weil ich mich nicht kümmern will. Sondern weil ich glaube, dass ich mich, wenn es so weitergeht, irgendwann nicht mehr kümmern kann.

          • pausenkaffee schreibt:

            Genau so klangst du. Ich kann dich aber voll und ganz verstehen. Im Moment stürzt sehr viel (auf dich) ein, dass du gar nicht selbst direkt beeinflussen kannst und wobei du dich einerseits hilflos fühlst, andererseits helfen willst. Das ehrt dich! Aber du darfst dabei nicht vergessen, dass auch dein Tag nur 24 Stunden hat (und du Nachts auch [am besten ruhig] schlafen solltest) und auch deine Kraft irgendwann zuende ist. Dein Gefühl, immer helfen zu wollen, kenne ich nur zu gut!

            Jeder sollte eine Frau Falke haben. Aber hast du auch eine?

  2. PMK74 schreibt:

    Bei Klassenstufe 12 war mein erster Gedanke Polizei, da die handelnden Schüler volljährig sind und Verleumdung und Üble Nachrede lt. § 186 und 187 StGB strafbewehrt sind – aber wenn die Kollegin dies nicht will, von der Direktion keine Unterstützung zu erwarten ist und sie und auch keine anderen Vermittler einbeziehen möchte, wird es schwierig.

    Könnte eine Unterrichtseinheit im Rahmen Gesellschaftskunde oder Ethik zu diesen Paragrafen des Strafrechts zu einem Denkanstoß bei den Schülern führen?
    Evtl. kann auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing ( Link: http://www.bl-mobbing.de/ ) eine Hilfestellung geben.

  3. Frau Falke schreibt:

    Ich hoffe sie entscheidet sich noch dafür. Aber wenn selbst Sarah, die so stark ist, so selbstbewusst, sich nicht dazu überwinden kann… Wie soll ich dies dann von Megan erwarten, die in ihrer ganzen Persönlichkeit schon wirkt, als würde sie sich durchgehend für ihre Existenz entschuldigen? Vielleicht kriegt sie jemand anderes dazu, über die Ferien oder so. Ich werde ihr da nicht weiter reinreden, sonst spricht sie beim nächsten Mal mit niemandem mehr.
    Eine Unterrichtseinheit in Philosophie oder Religion wäre machbar, aber die sind ein Jahr vor dem Abitur mit anderen Dingen beschäftigt. Und ich glaube ehrlich gesagt, dass es auch für solche Aktionen zu spät ist. Was da helfen würde, wäre ein Coaching. Das müsste mal jemand organisieren, nur wer? Renate? Herr Jochender? Megan selbst? Wohl kaum. Und ich kann es nicht auch noch.
    Danke für den Link, ich werde sehen, was ich nun tun muss.

  4. Mechthilda schreibt:

    Ich lese diesen Blog schon länger und bin definitiv schockiert.

    Das sind junge Menschen kurz vor’m Abitur – was ja nun erwarten lässt, dass sie eine irgendwie geartete Karriere anstreben – evtl. mal Führungspositionen bekleiden. Da wird mir schlecht, bei der Vorstellung, solche Soziopahen kriegen tatsächlich irgendeine Art von Macht über andere.

    Wir waren sicher auch keine Engel – aber so ein Verhalten hat bei uns weder ein Einzelner, noch eine ganze Gruppe anderen gegenüber an den Tag gelegt – nicht Mitschülern gegenüber und Lehrern gegenüber schon gar nicht.
    Irgendwann ist da versäumt worden, diesen jungen Menschen das simpelste beizubringen, was Menschen im Umgang miteinander brauchen: Respekt vor’m Gegenüber.

    LG
    Eine traurige Mechthilda

    • Frau Falke schreibt:

      Zeitig sollten wir mal analysieren, wie es zu dem Ganzen überhaupt kommen konnte, und wieso jeder so reagierte, wie er es tat, das stimmt. Jetzt jedoch erst einmal mit dem umzugehen, was uns gegeben ist, wird auch sehr schwierig.

  5. Pingback: Die Sache mit Frl. Einstein | Muffins, Klausuren und andere lebenswichtige Dinge

  6. Jürgen schreibt:

    Sie müssen auf sich aufpassen, Frau Falke.
    Sie können das nicht leisten, was von Ihnen erwartet wird. Mir ist mittlerweile klar, warum sich die Frauen an Sie wenden.
    Schulleitung – praktisch nicht vorhanden.
    Ich hatte mir damals schon gedacht, dass da bestimmte Strukturen, die so etwas ermöglichen, vorhanden sein müssen.

    • Jürgen schreibt:

      Siehe auch die „Muttis“ und der junge Herr Lehrer.
      Es zieht sich auch auf dieser Ebene bis in das Kollegium hinein.
      Dann die – unmöglich sich verhaltende – Schulleitung.
      Kommen Sie doch zu uns, Frau Falke!
      Ich weiß – geht nicht.

    • Frau Falke schreibt:

      Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht. Sicher, die Schulleitung macht nicht durch Vertrauen von sich reden, aber es gibt wohl genug andere Kollegen…
      An deine Schule würde ich gern wechseln, wenigstens ein paar Tage raus aus dem Ganzen. Dafür war es heute aber recht angenehm, und die Ferien, Ostern, das wird hoffentlich ein bisschen Kraftschöpfen erlauben.

  7. michael schreibt:

    Sexuelle Belästigung ist für jeden Job ein fristloser Kündigungsgrund.

    Warum also fliegen die Schüler eines Gymnasiums , die in der Schule eine Lehrerin sexuell belästigen, nicht sofort von der Schule.

    Warum weigern sich die Lehrer nicht, diese Klasse zu unterrichten ?

    • Frau Falke schreibt:

      Du klingst wie mein Vater… Aber ich kann es dir dennoch nicht beantworten. Vielleicht liegt es an den Strukturen, die in einer Schule noch einmal ganz anders sind? Ich weiß es nicht, und ich verstehe Megan, wie gesagt, auch nicht.

  8. Theni schreibt:

    Nicht schon wieder sowas… 😦
    Zuerst mal: Megan tut mir leid, die Schüler nehmen sich ja ganz schön was raus… Gerade wenn das schon 12er sind… (müssen die jetzt nicht schon Abi machen?) meine Klasse hat auch schon Referendar aufs übelste „fertig gemacht“, aber an sowas hätte nicht einmal meine Mobberklasse gedacht… Aber kann man da nicht mit Einträgen etc. Druck machen?
    Aber ich kann Megan auch verstehen, dass sie so lange nichts gesagt hat, bin ich doch selber eine, die von sich aus nicht sagt, wann/ob/dass es ihr schlecht geht.

    Aber etwas „ganz anderes“: kommen die alle nur zu dir, um sich auszuheulen, oder kommt mir das nur so vor? Gibt es da nicht einen offiziellen Beratungslehrer oder soetwas? Oder bekommst das alles du ab?
    Jedenfalls hatte ich schon manchmal das Gefühl, dass das, was du abbekommst, ein wenig (zu) heftig ist… Klar, die Kollegen, die zu dir kommen sind in Not, ihnen geht es schlecht etc., verstehe ich durchaus, aber irgendwie kommt es mir so vor, als wärst du manchmal eine Art seelische Mülltonne, in die jeder werfen darf, was er nicht mehr haben will.
    Was ich eigentlich sagen wollte: Bitte pass auf dich auf, dass dir das nicht über den Kopf wächst und/oder sag dann wenigstens was… Wäre wirklich schade, wenn so ein lieber Mensch wie du an soetwas kaputtgehen sollte…

    Und ich wünsch dir, dass dir mal weniger unerfreuliches und dafür mehr erfreuliches über den Weg läuft… und ansonsten viel Kraft, dass du die Krisen deiner Mädels gut aushältst… 🙂

    lg, Theni

    • Frau Falke schreibt:

      Ich denke nicht, dass die Kollegen tatsächlich alle zu mir kommen. Wahrscheinlich kommt es mir nur so vor, oder es sind verhältnismäßig viele. Dennoch glaube ich, dass du Recht hast und ich da ein wenig besser auf mich aufpassen sollte. Sonst, das hat mir dieser Artikel und auch die Kommentare auf diesen gezeigt, endet das wirklich nicht gut.
      Danke für die Kraftwünsche, meine Liebe, und auch jenen Wunsch, mir möge Erfreuliches geschehen. Das heute war… Nun, nicht unbedingt erfreulich, aber doch recht amüsant. Und ich habe eine neue Freundin gefunden. 😉

  9. nadineswelt schreibt:

    Ich bin absolut sprachlos. Wie kann man mit einem anderen Menschen so respektlos umgehen, wie diese Schüler mit der Referendarin? Ich denke, Polizei wäre schon gut. Schon allein, damit die Schüler mal (wieder?) sehen, dass auch die Schule kein rechtsfreier Raum ist.

    • Frau Falke schreibt:

      Davon müsste ich nur Megan überzeugt bekommen. Aber scheinbar ging es in dem Streit von ihr und Daina gestern um eben dieses Thema, sodass ich zumindest mit dem Wissen um jene Ausschreitungen nicht alleine dastehe.

  10. Inch schreibt:

    Ich bin fassungslos. Das klingt wie aus einem schlechten Film und nicht wie aus einem Deutschen Gymnasium. Andererseits, vielleicht sind solche Schüler nur die logische Konsequenz einer Erziehung, die darauf abzielt, aus allen Kindern egoistische Individualisten zu machen. Sozialisierungt beginnt doch schon im Kleinkindalter, oder? Und in welcher Umgebung wachsen Kleinkinder auf? Zu Hause, behütet bei der Mama oder dem Papa. Die Eltern tun alles für das Kind. Natürlich gehen sie auch auf den Spielplatz. Schließlich wissen sie, das ihre Kleinen den Kontakt zu anderen Kindern brauchen. Nur wie sieht der Kontakt aus? Sobald es zu Rangeleien kommt, greifen die Eltern ein und lösen das. Gemeinsamkeit und Gemeinschaft scheinen ein völlig veralteter Begriff zu sein, der nicht mal mehr in Familien gelebt wird. Da werden Kleinkinder in Fahrradanhänger gesetzt zum Ausflug. Ach mir würden hier noch so viele Beispiele einfallen

    • Frau Falke schreibt:

      Ich denke auch, dass wir letztlich ernten, was wir säen. Wie du richtig feststellst, ist auch dieses Verhalten eine Konsequenz aus der jahrelang gepflegten Erziehung. Nicht nur, sicherlich, aber die Tendenzen sind Jahr für Jahr spürbar.

  11. mathefee schreibt:

    Fassungslosigkeit; Tränen der Wut, des Mitgefühls mit Megan…
    Zum Glück war ich bisher nie in solch einer Situation. Doch es macht mich auch betroffen und nachdenklich. Wahrscheinlich erahne bzw. bemerke auch ich nicht das ganz persönliche Martyrium von Kollegen.
    Danke für den Denkanstoß und Ihnen viel Kraft, um da helfen zu können!

    • Frau Falke schreibt:

      Vielen Dank. Gerade dafür, Denkanstöße zu geben und ein bisschen aufmerksamer im Umgang miteinander zu machen sind solche Offenbarungen gut, wenn man mich fragt. Natürlich macht das alles einen betroffen, und ich will mir gar nicht vorstellen wie es wäre in ihrer Situation zu sein.
      Letztlich bekommt man eh sehr wenig mit, würde ich vermuten, denn selbst hier haben wir uns über Megan gewundert, aber nichts derartiges vermutet.

  12. mccab99 schreibt:

    Ich war fast vier Jahre lang Personalrat. Man kann schon daran verzweifeln, wie insbesondere junge Frauen mit derartigen Übergriffen umgehen. Man kann an der Kultur des jahrelangen Wegsehens verzweifeln. In diesem Stadium erscheinen mir pädagogische Ansatzpunkte lieb gemeint, aber nicht zielführend. Hier ist die disziplinarische Keule angesagt, für die es eine Schulleitung mit Arsch in der Hose braucht (an der führt doch so oder so kein Weg vorbei?) – die Drohungen in Konsequenzen umsetzt. Bei uns hieße das Klassenkonferenz, Androhung von Ordnungsmaßnahmen, ggf. sofortige Suspendierung – in der Regel reicht es, das Feuer auf die Rädelsführer zu konzentrieren, der Rest fällt dann von alleine, dann ist der Boden für Pädagogik da, vorher nicht – man verzeihe mir die recht brachiale Ausdruckweise, aber wenn das stimmt, was die Kollegin erzählt…. Bei der „Beweisfindung“ muss man ggf. erfinderisch sein. Ton- und Bildaufnahmen sind schließlich nur in Strafverfahren vor Gericht nicht anwendbar – warum soll man jemanden fair behandeln, der sich so verhält? Was du tun konntest, hast du getan. Schütze dich, aber schau bitte weiterhin hin! Weggucken hilft symptomatisch, aber führt bald dazu, dass du dich nicht mehr im Spiegel betrachten kannst oder zynisch wirst. Du wirst sie nicht zwingen können, von sich aus aktiv zu werden, aber wenn sie „Glück“ hat, zwingt sie irgendwann ihre Gesundheit dazu. Klingt wieder gemein, oder? Es läuft aber gelegentlich in unserer Gesellschaft so.

    • Frau Falke schreibt:

      Ein solches Thema zu behandeln ohne gemein zu klingen ist wohl nur schwer möglich. Wie soll man respektvoll mit jemandem reden, der keinerlei Respekt zeigt? Diese Klasse braucht Sanktionen, das ist klar. Aber wie auch du schon festgestellt hast, muss die Kollegin tätig werden.
      Nur was soll ich tun? Was wir? Sollen wir ernsthaft warten, bis schlimmeres passiert, oder bis sie sich körperlich heruntergewirtschaftet hat, sodass sie wie Kerstin Berit umfällt? Können wir unsere eigenen Kollegen nicht schützen vor solchen Angriffen?

  13. lottamachtkrach schreibt:

    Bei dir scheint momentan wirklich die (Schul-)Welt Kopf zu stehen. Und ich kann es nicht verstehen. Wie kann sowas sein? Negative gruppendynamische Prozesse kennt man ja. Aber doch nicht mehr in dem Alter. Und vor allem nicht in dem Ausmaß. Und (mein erster Gedanke) doch nicht am Gymnasium. Aber vielleicht gerade da. Und vielleicht ist es deswegen auch so schwer zu reagieren. Weil man es am Gymnasium eben nicht erwartet. Und selbst wenn, dann wäre es schlecht für die Außenwirkung der Schule, sobald solche Vorfälle Staub aufwirbeln.

    Es klingt momentan einfach nach viel zu viel auf einmal. Und dass du diejenige bist, an die sich alle wenden, spricht wirklich für dich als Person und als Lehrerin. Aber du kannst eben auch nicht für jeden die Probleme lösen. Achte bitte auf dich, damit du nicht die nächste bist, die an ihre psychischen Grenzen gerät.

    Meinst du deine Schulleitung stünde einer Sozialpädagogischen Kraft, die dauerhaft an der Schule arbeitet aufgeschlossen gegenüber?
    Es muss ja nicht so sein, dass ein Sozialpädagoge zur Problemtante wird, bei der sich jeder mal ausheulen kann: Aber durch Fächer wie „soziales Lernen“ können solche Zustände, wie sie gerade in eurer 12. Klasse herrschen, vielleicht schon in früheren Entwicklungsphasen vermieden werden.

    • Frau Falke schreibt:

      Leider steht bei mir wirklich gerade alles Kopf. Wobei ich nicht so genau weiß, ob das schon die ganze Zeit so schlimm war oder es sich durch Sandras Tod und den Tagen, wo für nichts anderes als die Trauer platz war, schlichtweg angestaut hat.
      >>doch nicht am Gymnasium. Aber vielleicht gerade da.<< Danke für diesen Satz, er spiegelt genau das wieder, das Benjamin zu der Sache mit Sarah meinte. Es ist eben doch nicht so, dass im schönen, netten, beschaulichen Gymnasium nie etwas los ist. Und vielleicht haben wir einfach zu lange die Zügel locker gelassen.

      Dass ich an meine eigenen Grenzen stoße, war mir ehrlich gesagt gar nicht so bewusst. Nur die eher patzigen Antworten meinerseits auf die Kommentare des lieben Pausenkaffees zeigten mir, dass ich echt aufpassen muss, mich nicht zu überfordern. Viele der anderen Kommentare bestätigten mich darin. Also werde ich mir etwas einfallen lassen um kürzer zu treten, irgendwie. Auch wenn ich ehrlich gesagt noch nicht weiß, wie das gehen soll.

      Zu meiner Schulleitung kann ich nicht viel sagen. Meine Schulleitung übergeht das Kollegium. Meine Schulleitung gibt vertrauliche Informationen an Schüler heraus. Was der Mann macht und was nicht, und ob hinter dem ganzen Terz ein Sinn steht, kann ich dir nicht beantworten. Eine Schulpädagogin haben wir, aber die teilen wir uns mit den anderen beiden Schulen im Zentrum, einer Real- und Hauptschule und einer Grundschule. Leider hat die Zusammenarbeit bislang nicht besonders gut funktioniert.

  14. Jürgen schreibt:

    Hier bei uns in der Nähe gibt es eine Gruppe professioneller MediatorInnen, die fest und ehrenamtlich in Schulen arbeiten, für Eltern, Kids und Kollegen.
    Vielleicht gibt es das in deiner Stadt auch?
    Interesse?
    Dann wieder per Mail…
    Dauert aber ein wenig, weil bei uns sind die nicht und ich müsste es erst rausfinden.

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