Das Raucher-Phänomen

Schüler sind lustig. Schüler sind naiv. Und Schüler sind an und für sich sowieso sehr niedlich in ihrem Verhalten, wenn man mich fragt.
Sie glauben, man wisse nicht, wenn sie in Arbeiten schummeln, man sähe nicht, wenn sie im Unterricht essen, man höre nicht, wenn sie kaum drei Meter von einem entfernt über einen Kollegen lästern. (Oder noch besser- über einen selbst.)

Kommt man morgens zur Schule und hat das Glück genau die Pausenzeit zu erwischen, kann man ein weiteres interessantes Phänomen entdecken. Das Raucher-Phänomen.
Und da ist es egal ob es draußen regnet, schneit oder gar Hagelkörner in der Größe des eigenen Kopfes auf die Erde niederprasseln, sie stehen dort und frönen ihrem Laster.

Als Lehrer ist das dann immer so eine Sache. Solange man einbiegt, naht und stehen bleibt, ist alles okay. Sobald man dann aber aussteigt, kommt Panik bei den Schülern auf, genauer gesagt bei den Mittelstüflern. Denn diese dürfen

a) im Gegensatz zu den meisten Oberstüflern noch nicht offiziell rauchen
oder
 b) behaupten von sich, sie würden nicht rauchen
oder
c) wollen nicht, dass die Lehrerschaft mitbekommt, dass sie rauchen.

Wie sich die Sache also auch verhält, sobald man in ihre Nähe kommt, steigt Panik auf und die Schüler reagieren.
Dies tun sie dann auf verschiedene Arten, sie

a)      verstecken ihre Kippen gaaanz unauffällig in ihren Händen (und holen sich am besten auch noch eine Brandblase bei dieser blöden Aktion)
oder
b)      geben ihre Kippen schnell einem der Oberstüfler.

Und da bin ich dann auch wieder bei meiner anfänglichen These, dass Schüler in ihrem Verhalten einfach unglaublich niedlich sind.

Denn wer sonst könnte so naiv sein zu glauben, es falle den Lehrern nicht auf, wenn da ein Mittelstüfler unter all den Oberstüflern in der Kälte steht und neben ihm ein Schüler, der zwei Kippen raucht?
Ich meine, beim besten Willen, selbst unsere schlimmsten Raucher sind nicht so süchtig, dass sie gleich zwei Zigaretten auf einmal rauchen würden.

Ich für meinen Teil gehe dann recht unauffällig an ihnen vorbei, was soll ich auch groß dazu sagen, und bin einfach nur froh, dass ich aus dem Alter raus bin, an dem ich mich beim Rauchen verstecken musste. Und dass die Schüler meiner Klasse noch nicht soweit sind, dass ich sie hier beim heimlichen Rauchen erwischen könnte.

Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

P.S.: Stefan hat mit seiner Neunten da mehr Probleme. Ich frage mich, warum die es nicht machen wie wir damals und sich eine Raucherecke suchen, die nicht sofort vom Lehrerparkplatz aus eingesehen werden kann.

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Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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16 Antworten zu Das Raucher-Phänomen

  1. Frl. Rot schreibt:

    Du redest aber nicht vom Rauchen auf dem Schulgelände, oder?
    Bei uns wurde sogar der Bürgersteig vor der Schule zum Schulgelände erklärt 🙂
    Wer sich da erwischen lässt…

    Und süß ist auch, wenn sie meinen, man würde die Ohrstöpsel nicht sehen oder wenn sie im Unterricht „heimlich“ eine sms unter dem Tisch schreiben oder lesen.

    • Frau Falke schreibt:

      Unser Schulgelände endet an der Grundstücksgrenze zu jenem Parkplatz. Als vor knapp dreißig Jahren die Schule gebaut wurde, die jetzt nur noch von den Schulpsyhologen und Co bewohnt werden, reichte der Parkplatz vor der Schule für die knapp fünfzehn Lehrer. Heutzutage haben wir nicht nur eine wesentlich größere Schule, sondern auch wesentlich mehr Lehrer, sodass der öffentliche Parkplatz hinter der Schule eingenommen wurde. Dennoch dürfen die Schüler dort ebenso parken wie rauchen, ab der elften Klasse ist das Verlassen des Schulgeländes ja erlaubt. Irgendwie blöd, die Regelung, aber ich glaube, so richtig weiß da einfach niemand Bescheid…

      Ja, genau, „heimlich“. 😉 Das war übrigens der erste große Schreck bei meinem ersten Praktikum in einer Schule. Dass der Lehrer von vorne so verdammt viel sieht. 😀

  2. Frl. Rot schreibt:

    Genau deswegen wurde der Bürgersteig zum Schulgelände erklärt, obwohl er natürlich offiziell zum öffentlichen Raum gehört. Aber die Schüler glauben uns das (naja, bis einer von ihnen das hier liest). Schüler, die auf dem Bürgersteig beim Rauchen erwischt werden, dürfen ihn fegen. Das schreckt ab.
    An meiner alten Schule gab´s in der wirklich allerhintersten, unwirtlichen Ecke eine halboffizielle Raucherecke, fein säuberlich markiert mit einer lilafarbenen Linie. Diese Ecke wurde dann zum „Nicht-Schulgelände“ gemacht. Das war auch immer lustig bei der Aufsicht: „Wo ist die Linie?“ „Aber, ich stehe doch dahinter!“ „Nein, Sie stehen darauf. Und auf der Linie stehen ist nicht hinter der Linie stehen. Wer ist Ihr Klassenlehrer?“ Und zack!, gab´s einen netten Brief. 🙂

    • Frau Falke schreibt:

      Bei uns hat einer der Kunst-LKs einen bemalten, umgekippten Baumstamm und bemalte große Steine zurückgelassen, ebenso eines dieser steinernen Dinge, in das man Blumen pflanzen kann. Da die Schüler ihre Zigaretten brav dort hinein werfen, würde das Fegen bei uns leider nicht ziehen.
      Das mit der Linie würde bestimmt Aufstand geben, das ist ja schon immer bei Bahnhöfen so eine Riesenaktion… 🙂

  3. Nadine schreibt:

    Das ist ja sehr unauffällig, wenn da einer auf einmal 2 Kippen hat, muss ich schon sagen… Sieht man als Lehrer wirklich so viel? Also, willst Du mir damit sagen, meine Lehrer haben gesehen, dass ich primär mit Briefchen schreiben und 3D-Bilder malen beschäftigt war, und weniger lange mit dem Text an der Tafel oder so?

    • Frau Falke schreibt:

      Man sieht -fast- alles, wenn man vorne steht, besonders auch das, was unter den Tischen vorgeht. Wer malt usw. ist auch schnell zu erkennen, selbst wenn du es nicht direkt sehen kannst, die Stiftführung ist einfach eine andere.

    • Frl. Rot schreibt:

      Oh, man sieht so viel!
      Die Körperhaltung und -spannung veränderen sich, ebenso der Gesichtsausdruck.
      Wenn man einmal raushat, worauf man achten muss… 🙂

      • christaschule2010 schreibt:

        Ja – Nadine -, auch weil „vielbeschäftigte“ Schüler einem verstohlene Blicke zuwerfen, ob der Lehrer auch bemerkt, dass man etwas Anderes macht, als den Text bearbeiten. Und man sieht auch bis in die vierte Bankreihe, ob sich Heftseiten füllen oder nicht!!!

  4. rueckenpatientin schreibt:

    Bei uns gab es damals extra einen Raucherschulhof. Dort wurd eine Lehrer als „Wache“ positioniert und kontrollierte dann die Raucher-Ausweise, die der Direktor höchstpersönlich ausgestellt hat.
    Die normalen Schulhofausgänge wurden ebenfalls von Lehrern bewacht, damit die jüngeren Schüler nicht heimlich außerhalb des Schulgeländes rauchen konnten.
    Dieses Prinzip hat sich gut bewährt, auch wenn es ein bisschen nach Überwachung klingt.

    • Frau Falke schreibt:

      Unsere Schüler würden schon auf die Barrikaden gehen, wenn wir sie zum öffentlichen zugeben ihres Rauchens zwingen wollten, was durch die Ausweise der Fall wäre. Vor allem den Oberstüflern ist es egal, notfalls verlassen die das Schulgelände und gehen drei Schritte auf den Parkplatz.
      Gab es bei euch keine Diskussionen deswegen? Oder klappte es einfach so gut, dass es stillschweigend hingenommen wurde?

  5. Inch schreibt:

    Also ehrlich, Frau Falke, ich bin froh, dass die Mittelstüfler sich zu verstecken suchen. Das zeigt doch wenigstens, dass sie a) wissen, das es falsch ist und b) Respelkt vor dem nahenden Lehrer haben.
    Mich hat mal ein Rotzlöffel von vielleicht 11/12 Jahren auf der Straße, die Kippe in der Hand, gefragt, ob ich Feuer habe. Ich habe so entrüstet und – Kinderrechtler würden sagen – unangemessen reagiert, dass ich sicher bin, dass dieser Bengel nie wieder einen Erwachsenen um Feuer gebeten hat und möglicherweise hat er sich beim Rauchen auch versteckt. Jedenfalls bis er so 15/16 war.

    • Frau Falke schreibt:

      Dass es falsch ist wissen sie zu gut, das stimmt, oder einfach, dass sie mit Strafen rechnen müssen. Als ich letztens angesprochen wurde, ob ich eine Zigarette hätte, muss ich zugeben, war ich auch ziemlich irritiert, weil mir das Alter des Mädchens als schwer einschätzbar vorkam.

  6. Kiki schreibt:

    An meiner Schule gibt es 3 Ein-/Ausgänge von je 20, jeweils mit zwei Lehrern zur Aufsicht, sodass Unter und Mittelstufe keine Chance hat überhaupt vom Hof zu kommen. Die Oberstufe darf nur rauchen, wenn sie in die nächste Querstraße geht, damit die Kleinen sie nicht sehen. Aufgepasst wird ziemlich streng, aber alle Schüler akzeptieren das auch. Spätestens nach einem erfolglosen Versuch macht man es nie wieder.
    Zusammengefasst: System funktioniert

  7. Inch schreibt:

    Apropos Rauchen. Mein großes Kind war ja am Sportgymnasium. Und ich dort im Elternrat. Es gab auf dem Hof eine Raucehrinsel-für Lehrer. Die Kinder rauchten ja nicht. Durften nicht. Waren ja alles Sportler. die ob ihrer Leistungen von ihren Verbänden an die Schule geschickt worden waren. Für die von außerhalb, und das waren die meisten, gabs es direkt neben der Schule ein Internat.
    Also, wir Eltern fanden es ziemlich doof und wenig Vorbild, dass es da eine Racuherinsel gab. Also plädierten wir für Abschaffung! Wir fanden auch, dass sich ein Lehrer an einer sogenannten „Eliteschule des Sports“ ein bißchen anpassen kann. Die rauchende Elternschaft verzichtete schließlich auch, wenn sie den NAchwuchs zu Sportveranstaltungen begleitete.
    Glauben Sie, wir konnten uns mit unserer Bitte/Forderung durchsetzen? Der Direx war zwar auf unserer Seite. Das Gesetz aber, das GESETZ!. Ich könnte mich da heute noch, 10 Jahre später, aufregen

    • Frau Falke schreibt:

      Ich glaube, ich würde mich sehr unwohl fühlen, wenn nur wir Lehrer dort stehen und rauchen würden, vor allem so eine Raucherinsel stelle ich mir unangenehm vor. Abgesehen davon, wie weit das mit Vorbildfunktion etc. ist, gab es nicht einfach die Möglichkeit außerhalb des Schülersichtfeldes zu rauchen? Denn es zu verbieten, das stimmt, funktioniert nicht so richtig, aber anpassen an die Schule und ihr Ziel wäre vielleicht eine Möglichkeit?

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