Heilfasten

 

Das Schlimme an der Magersucht ist, dass jene, die sich mit ihr auskennen, stets Angst haben erneut in diesen Sog gezogen zu werden, und jene, die ihr fremd sind, viel zu lange brauchen, um die Anzeichen zu erkennen.

Seit einigen Wochen macht die Kollegin Berit eine Wandlung durch, die uns allen nicht nachvollziehbar erscheint. Angefangen hat das alles mit einem Entschluss, den wir nicht Ernst nahmen und der uns in seiner Tragweite auch gar nicht bewusst war.

Kerstin war eines schönen Morgens aufgewacht und hatte beschlossen, dass sich etwas ändern müsste. Sie hatte keinen Ärger mit ihrer Familie, liebte ihren Freund über alle Maßen und war auch in ihrem Job nicht unglücklich, trotzdem war da etwas, das sie ändern wollte, etwas, das sie nicht zufriedenstellte. Und in ihrer perfektionistischen Art versuchte sie dieses Loch, das sie nicht benennen konnte, zu füllen.

Sie begann zu fasten, ein Heilfasten, wie sie erklärte, das Körper und Seele gleichermaßen reinigen sollte und von dem sie sich Hilfe erhoffte um mit ihrem tiefsitzenden, stillen Verlangen nach mehr umzugehen. Eine Woche lang aß sie nichts, ernährte sich von Säften, Smoothies und den verschiedensten Shakes, war ausgelassen, redselig, lachte viel und strahlte über das ganze Gesicht.

Eine weitere Woche verging und mit jedem Gramm, das auf der Waage weniger wurde, stieg in Kerstin die Unzufriedenheit. Das berauschende Gefühl, welches sie anfangs verspürt hatte, war fort, es ließ sich auch nicht wieder zurückholen. Sie war unausgeschlafen, launisch, ihre Stimmung konnte ohne Vorwarnung von dem einen zum anderen Moment hin kippen, es war schwierig für uns sie noch zu verstehen.

Nach ungefähr drei Wochen hatte Kerstin nicht nur einige Kilos, sondern scheinbar auch ihre Sprache verloren. Schweigend saß sie im Kollegium wie ein Fremdkörper, der ein vertrautes Bild zerstört. Sie war immer müde, aschfahl und ausgehungert, doch ihren knurrenden Magen ignorierte sie, die Kopfschmerzen versuchte sie mit Aspirin zu bekämpfen. Dass sie zu diesem Datum auch keine Smoothies und Säfte mehr zu sich nahm, blieb uns verborgen.

Als vier Wochen vergangen waren, war die ehemals so lebensfrohe Kollegin nicht mehr wieder zu erkennen. Oft saß sie einfach da, die Beine an ihren Körper herangezogen, und weinte stumm, ohne eine jede Träne. Sie war erschreckend dünn geworden, ihre Handgelenke glichen denen eines Kindes, die Uhr, welche sie immer trug, drehte sich, so abgemagert war ihr Arm.

Fünf Wochen waren seit dem Beginn des Fastens vergangen, Kerstin sprach von sich aus nicht mehr mit uns, wies unsere Bitten klar ab, hörte auch nicht auf das Flehen ihres Freundes oder das Betteln ihrer Eltern. Sie hatte Schmerzen, die sie kaum auszuhalten vermochte, zudem war ihr Immunsystem am Ende. Sie fror auch ständig, ihre Hände waren immer leicht bläulich, sie eingehüllt in viele Lagen. Hatte sie früher nur ein Top und ein Shirt getragen, waren es nun ein Unterhemd, zwei Tops, ein Shirt, ein Longsleevshirt, eine dicke Strickjacke und ein Wollschal, mindestens. Doch auch das schien sie nicht genug zu wärmen, so umschlang sie ihren Körper mit den Armen.

Nach eineinhalb Monaten des Fastens war von der jungen Frau, die ich kannte, nichts mehr zu sehen. Ihr Haar war spröde und hatte den Glanz verloren, ganze Büschel fehlten und so hatte sie sich das Haar ab dieser Zeit zusammengebunden. Ihre Wangen waren eingefallen, die Augen lagen groß in den Höhlen und ihr Blick war so verletzt und schmerzerfüllt, dass es einem wehtat. Kerstin glich einem Schatten, so unsicher wandelte sie umher, so fuhr sie vor jedem Wort von uns hoch, so zusammengesunken saß sie da.

Ihr ganzes Sozialverhalten hatte sich verkehrt, sie war scheu, ängstlich, sprach nur wenn es wirklich nötig war und schien so in sich gekehrt, als lebe sie in einem Paralleluniversum, das nur wenige Berührungspunkte mit der unseren Welt hat. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt schon längst aufgehört etwas anderes als Mineralwasser zu sich zu nehmen, sah man davon ab, dass sie die heftigen Kopfschmerzen mit Aspirin und die Morgenmüdigkeit mit einer Tasse schwarzem Kaffee bekämpfte. Sie hatte auch angefangen zu rauchen, doch nicht immer vertrug sie es, manchmal musste sie sich nach dem Rauchen erbrechen, doch es half, es half ihr durchzuhalten, weil es das Hungergefühl wenigstens kurz abtötetete.

Nach sieben Wochen waren bei Kerstins Armen Elle und Speiche klar definiert, stach das Brustbein deutlich aus ihrem Dekolleté heraus. Hätte sie zugelassen, dass man sie umarmte, wir hätten ihre Hüftknochen hart hervorkommen gespürt und gemerkt, dass man an ihrem Körper eine jede Rippe ertasten konnte. Aber sie ließ nicht zu, dass wir sie umarmten, ja nicht einmal, dass wir in ihre Nähe kamen. Es war, als habe sie Angst vor unserer Nähe, und unbewusst beschlich uns das Gefühl, dass unsere bloße Berührung sie verletzt hätte.
Auch Kerstins Kräfte hatten sie verlassen, sie bekam selbst ihre Tasche nur mit größter Mühe noch hochgehoben, die Materialien für Experimente, die sie von Stunde zu Stunde mitschleppte, bekam sie nicht einmal einige Zentimeter vom Boden entfernt. Die Schüler trugen ihr schon alles, was sie in die Finger bekamen, und gingen auch sonst sehr fürsorglich und vorsichtig mit der Frau um. Alle wussten, dass etwas nicht stimmte. Und keiner zweifelte daran, dass es so nicht weitergehen konnte. Doch sie war uns an diesem Punkt schon lange entglitten.

Zwei Monate war es nun her, dass Kerstin begonnen hatte zu hungern, zwei Monate, in denen sie nicht nur von ihrem Körper, sondern auch von ihrer Persönlichkeit abmagerte, schrumpfte, zerfiel, in der sie uns fremder wurde als je ein anderer Mensch es war. Sie gehörte nicht mehr zu uns, ihre Gedanken teilte sie nicht mehr mit dem Kollegium und hätte sie es auch getan, wir hätten nicht im Geringsten verstehen können, was sie durchlebte. Sie war gefangen in einem Kreislauf aus Angst, Scham und Lügen, in dem das Hungern die einzige Variable war, auf die sie sich noch verlassen konnte. Die Vorstufe von Depressionen begleiteten sie jeden Tag, manchmal fehlte ihr die Kraft aufzustehen, dann blieb sie liegen und überlegte, für was sie das alles überhaupt tat, warum sie ein Leben aufrecht erhielt, das eine Lüge war. Sie hatte das Gefühl, als sei sie mitten auf halber Strecke zurückgelassen worden, ohne Möglichkeit wieder auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Nach diesen zwei Monaten passierte es.

Ich saß im Klassenraum einer Achten, es war die dritte Stunde und ich hörte mit ihnen gerade eine der Reading-Comprehension-Übungen, da hörte ich Lärm aus dem Zimmer nebenan. Sekunden später wurde die Tür aufgerissen und ein aufgeregter Schüler sah mich aus weit aufgerissenen Augen an. „Frau Falke, kommen Sie schnell, Frau Berit ist umgekippt.“

Sofort eilte ich dem Schüler nach, bat die Kinder leise zu sein und ging neben meiner Kollegin in die Knie, die hinter dem Pult lag und wirkte, als sei sie bloß eine Puppe, so klein und feingliedrig, so bleich und verletzlich.
„Kerstin, Kerstin hörst du mich?“

Sie reagierte nicht, was mich unruhig werden ließ, ich wandte mich an die Schüler, nachdem ich den schwachen Puls der Lehrerin ertastet hatte. „Einer von euch geht jetzt runter und sagt im Sekretariat Bescheid, die sollen einen Krankenwagen rufen. Und zwei Kollegen mit der Trage hochschicken, ja? Macht euch keine Sorgen, sie ist nur bewusstlos, okay?“

Die Schüler nickten und rannten dann nach unten, ich brachte Kerstin in die stabile Seitenlage und wartete neben ihr, bis die Kollegen endlich kamen. Ich begleitete sie die Treppen herunter, ich blieb bei ihr, bis der Krankenwagen kam, und bin auch auf dem Weg ins Krankenhaus nicht von ihrer Seite gewichen.
Im Krankenhaus wurde Kerstin untersucht, während ich im Nebenzimmer wartete, als man sie endlich in ein Zimmer verlegte, setzte ich mich zu ihr und blickte sie nur an. Ich war nicht fähig etwas zu sagen, aber ich wusste auch nicht, was ich hätte sagen wollen, ob ich mich entschuldigen wollte, sie anschreien, sie fragen, ihr mein Unverständnis ausdrücken, ihr meine Unterstützung versprechen, meine Hilflosigkeit offenlegen, ihr Trost zusprechen.
Da ich stumm blieb, fing sie an zu erzählen, und mir schien es mit jedem Wort, das sie sprach, schrecklicher zu sein. Doch es hatte wohl auch eine befreiende Wirkung, denn sie redete ohne Unterlass, so lange, bis sie keine Kraft mehr hatte.

Nach  zwei Stunden war ich dann Zuhause, saß an meinem Schreibtisch und überlegte, warum es soweit kommen musste. Ich meine, wir haben doch alles gesehen, was mit ihr passierte, oder nicht? Wie kann denn eine ganze Schule zusehen, ohne dass nur einer den Versuch unternimmt ernsthaft einzugreifen? Hätten wir mehr tun müssen? Mehr als reden, mehr als bitten? War es in unserer Hand die Ausmaße dessen zu verhindern? Ich kann es nicht sagen.

Zwei Monate mögen manch einem eine lange Zeit erscheinen, doch sie sind kurzlebig, schon vorbei, bevor wir überhaupt begriffen haben, was in ihnen geschehen ist.

Es grüßt,
Frau Falke

P.S.: Kerstin wird vor den Ferien nicht mehr zurück in die Schule kommen. Erst einmal muss sie wieder zu Kräften kommen, sagt ihr Freund. Nur so kann sie auch geheilt werden. Oder das, was überhaupt möglich ist.

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Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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23 Antworten zu Heilfasten

  1. Inch schreibt:

    Ich hab das mal bei einer mir nahe stehenden Person erlebt. Allerdings ging es nicht so schnell. Am Ende half nur, die Person so zu nehmen, wie sie ist. Ihr zu sagen, dass sie geliebt wird, egal ob sie dünn oder dick ist, schön oder hässlich, fröhlich oder zornig, redselig oder stumm. Ich hab ihre auch gestanden, wie hilflos ich mich fühle, obwohl ich doch helfen will. Andere haben sie beschimpft, oder ihr versucht zu helfen. Nicht jeder kann mit so einer Situation umgehen. Und am Ende war es doch sie selber, die ihre Situation erkannt und geändert hat. Mit dem Wissen, dass es Menschen gibt, die ihr wirklich helfen und nicht nur davon sprechen.
    Aber jeder ist anders. Bei der Tochter einer Cousine ging es ähnlich schnell wie von Ihnen beschrieben. Die macht nun eine Therapie. Bis jetzt recht erfolgreich

    • Frau Falke schreibt:

      Die Problematik haben wir hier sehr oft bei unseren Schülerinnen, noch kein Jahr ab zehnter Klasse, in der es nicht mindestens einen offiziellen Fall gibt, diejenigen, die nur anorektische Phasen haben oder zwischen Bulimie und Anorexie wechseln und somit „unauffälliger“ sind, mal gar nicht mitgezählt.
      Dass es möglich ist zu helfen, stimmt, aber ich weiß einfach nicht, ob die Schule der geeignete Ort dafür ist. Wie viel kann man denn leisten als Kollegen? Wir sind so gesehen Mitarbeiter, nicht unbedingt Freunde. Und dennoch, im Lehrerzimmer ist immer dieses Gefühl für den anderen verantwortlich zu sein. Anderseits, was wissen wir schon? Woher wissen wir, dass sie überhaupt einen Freundeskreis hat, der sie auffängt, oder eine Familie, die sie unterstützt? Wer sagt uns, dass nicht doch wir es sind, auf die sie zählen können muss?
      Ich kann in diesem Fall nicht all das tun, was ich tun sollte. Ich kann ihr nicht all jenes sagen, was Sie aufgeführt haben. Und ich weiß nicht, ob die, welche keine Ahnung haben von diesem Thema, überhaupt zu ihr durchdringen. Denn es stimmt, es ist sehr schnell gegangen, und sie ist sehr konsequent.

  2. ladymalfoy86 schreibt:

    ich hoffe, dass sie bald einsieht, was das hungern anstellt… ich selber habe zwei jahre gebraucht, um wieder richtig zu essen…

    • Frau Falke schreibt:

      Vor allem die Langzeitschäden sind gravierend, selbst wenn sie es schafft ihre Nahrungsaufnahme wieder in ein vernünftiges Maß zu bekommen. Und der Grund für all das ist auch noch nicht zur Sprache gekommen, das wird sicher noch wesentlich heftiger.

  3. Jürgen schreibt:

    Wenn jemand niemanden an sich heran lässt, ist es für KollegInnen schier unmöglich, einzugreifen. Das müssen andere tun, wenn überhaupt möglich: Freund, Geschwister, Eltern. Die Gründe dafür liegen ja auch selten im beruflichen Bereich. Eher Kindheit, Jugend, irgendetwas, was nicht verarbeitet werden konnte (durfte?).
    Frau Falke, dadurch, dass Frau Berit Ihnen erzählt hat, sind Sie ganz nah dran an ihr. Vielleicht klappt es.

    • Frau Falke schreibt:

      Da hast du natürlich recht. Ich muss mal sehen, ob ich jemanden finde, der über ihren Hintergrund ein bisschen was weiß. Es würde mich beruhigen sie in guten Händen zu wissen.

  4. littlemissbad schreibt:

    Es ist, denke ich, selbst dann schwierig, in so einer Situation sinnvoll helfend einzugreifen, wenn man der Person nahesteht. Als Kollege? Was kann man da machen? Hauptsächlich sich am Ende Vorwürfe, dass man zu wenig getan hat. In der Situation selbst gibt es keine adäquaten Handlungsmuster. Es gibt niemanden, den man informieren kann und man selbst steht der Person nicht nahe genug, um ihr das zu geben, was sie braucht.
    Wenn sie überhaupt schon selbst weiß, was das ist.
    Psychische Erkrankungen isolieren. Zumindest, was die Depression angeht (und ich vermute, bei der Anorexie ist es ähnlich), möchte man, dass einem geholfen wird, kann die Hilfe und Nähe aber nicht zulassen. Und das führt letztlich zu weiterer Verzweiflung und einem Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist.

    • Frau Falke schreibt:

      Ich hoffe auf ihren Freund und dass dieser dort nun alles in die Wege leitet. Dass die Krankheit isoliert, haben wir gemerkt, ich finde es erschreckend, wie man einer Person dabei zusehen kann, wie sie immer weiter schwindet. Ich halte viel von Therapien diesbezüglich, und wünsche ihr das Beste.

  5. Nadine schreibt:

    Das ist traurig. Da kann man nur hoffen, dass Kerstin lernt sich selbst zu lieben und dann wieder ein gesundes Verhältnis zur Nahrung bekommt.
    Meine Kolleginnen wollen übernächste Woche auch alle zusammen heilfasten. Hoffentlich kommt nicht auch sowas dabei raus…

    • Frau Falke schreibt:

      Ich denke es muss schon sehr viel mehr sehr viel länger im Argen liegen, bis man ein fundiertes und vernünftiges Heilfasten zu einer kompletten Nahrungsverweigerung führt. Sicherlich sind es nur Vermutungen, aber ich glaube, dass Kerstin ein Problem hat, an dem sie arbeiten muss, und dass ihr Hungern nur ein Ausdruck dessen ist.

  6. Frl. Rot schreibt:

    „Und ich weiß nicht, ob die, welche keine Ahnung haben von diesem Thema, überhaupt zu ihr durchdringen.“
    Vielleicht sind es aber gerade die, die helfen können. Eine Freundin von mir hat anorektische Bulimie und ist eine Meisterin der Täuschung. Ihr haben auch Menschen geholfen, die sich „normal“ verhalten haben, weil die eben keinen (Erwartungs-)Druck vermittelt haben. Und natürlich ein langer stationärer Aufenthalt. Ich hoffe doch sehr, dass mit „Ferien“ die Sommerferien gemeint sind? Das braucht viel Zeit.

    Abgesehen davon: Ich möchte nicht unsensibel für die Problematik der Kollegin erscheinen, aber wird das in der Klasse aufgearbeitet? Eine Lehrerin umkippen zu sehen, die dann auch noch das Bewusstsein verliert, ist nicht ohne.

    Fühl´ Dich umarmt!

    • Frau Falke schreibt:

      Natürlich sind es gerade jene, die zuvor nicht mit dem Thema in Berührung gekommen sind, die ihr nachher helfen können. Was ich jedoch meinte, ist einfach, dass diese auch wesentlich länger bleiben um solches Verhalten zu durchschauen.
      Da ich das mit den Ferien leider nur über die üblichen drei Ecken mitbekommen habe, weiß ich dies nicht, gehe aber eigentlich davon aus. Zwar kenne ich auch Menschen, die mit einer ambulanten Behandlung zurecht kamen, aber ich bezweifle, dass dies in ihrem Fall funktioniert. Darf ich fragen, wie es deiner Freundin geht?
      Deine Nachfrage ist nicht unsensibel, wir hatten gestern Abend die gleiche Diskussion. Ich habe daran gestern gar nicht gedacht, weil ich so plötzlich raus war aus der Schule und sich ein Kollege um die Kiddies kümmerte. Heute gab es dann ein Gespräch mit der Klassenlehrerin und dem Biologiekollegen, jedoch weiß ich nicht, wie das lief.

  7. rueckenpatientin schreibt:

    Ich habe mehrere Therapien hinter mir und kann dir sagen, dass ihr absolut nichts hättet machen können. Jedes Wort wäre vermutlich ein Ansporn gewesen, noch mehr abzunehmen. Schließlich sehen alle Nichtbetroffenen den Betroffenen verzerrt. Nur der Betroffene sieht, dass er noch viel zu dick ist.
    Macht euch deshalb bitte keine Vorwürfe! Ein magersüchtiger Mensch muss ganz alleine drauf kommen,dass etwas verkehrt läuft. Nur dann gibt es überhaupt eine Chance. Das einzige, das man als Nichtbetroffener machen kann, ist für die Person da zu sein.

    „Das Schlimme an der Magersucht ist, dass jene, die sich mit ihr auskennen, stets Angst haben erneut in diesen Sog gezogen zu werden, und jene, die ihr fremd sind, viel zu lange brauchen, um die Anzeichen zu erkennen.“

    Dieses Zitat ist absolut wahr! Ich habe immer diese Angst im Nacken,wenn ich mal weniger esse oder wenn ich mal keinen Hunger habe.

    Ich hoffe, dass deine Kollegin sich ausreichend helfen lässt und dass sie bald eine gesunde Einstellung zum Essen hat!

    • Frau Falke schreibt:

      Vielen lieben Dank für deine Offenheit, ich finde es gut als ehemalige Betroffene (bzw. als Noch-Betroffene, wirklich los wird man es ja offensichtlich nie…) so darüber zu sprechen. Dass die anderen keine Ahnung haben, klang bei Kerstin auch durch. Wobei ich schon sehr erschrocken war, wie abfällig sie über die Kollegen sprach.
      Dass das Zitat zutrifft, freut mich, denn es war mein Resümee aus allem, was ich bislang von jenen Krankheiten mitbekommen habe. Ich hoffe ebenso, dass sie sich helfen lässt, und dass sie erkennt, wie falsch der Weg ist, den sie beschreitet.

  8. Nicole schreibt:

    Wann der richtige Zeitpunkt ist einzugreifen, fragen wir uns gerade auch…

    • Frau Falke schreibt:

      Vielleicht gibt es irgendwelche Stellen, die da beratend zur Seite stehen können…?

      • Nicole schreibt:

        Wir (eine Freundin und ich) haben schon einige Telefonate geführt und es ist wirklich nicht einfach, denn niemand ist bereit aktiv einzugreifen 😦
        und gegen seinen Willen ist es verdammt schwer…

        • Frau Falke schreibt:

          Ich kann nur sagen, dass ich mir wünschte vorher eingegriffen zu haben. Zum einen hätte sie sich wirklich etwas tun können, wenn sie mit dem Kopf aufgeschlagen wäre etc., zum anderen hat sie den Kids einen ganz schönen Schock versetzt.

  9. Pingback: Ohnmacht | sovielzumthemaschule

  10. mina schreibt:

    Anzeichen sehen und helfen wollen, das ist wohl der Wunsch vieler Bekannte. aber es wäre nicht möglich gewesen. Wirklich nicht. Nicht solange sie in diesem Denken drin ist. Und auch jetzt ist es wichtig für Sie stets zu bedenken: Sie sind nicht die Therapeutin, vielleicht mag sie mit Ihnen sprechen, sich austauschen und vieles mehr, aber Ihre Aufgabe ist definitiv nicht, zu therapieren. Weil das würde Sie selbst zerstören und belasten. Ich wünsche Ihnen viel Stärke, bitte sprechen Sie mit den Kindern in der Schule darüber. Ich finde das sehr wichtig.
    Alles Liebe, Mina

    • Frau Falke schreibt:

      Ich denke auch, dass bei solchen Krankheiten Hilfe von jemandem, der darin wirklich gebildet ist, unbedingt notwendig ist. Ohne Therapie ist solches nur sehr, sehr schwer zu schaffen.
      Wir als Freunde, Kollegen und Bekannte können nur da sein, wenn sie es braucht, und ihr auch dann, wenn sie es nicht direkt einfordert, eine Stütze sein, indem wir sie wissen lassen, dass sie nie allein sein muss, wenn sie solches nicht möchte.

  11. Pingback: Hoffen wir das Beste für sie | ѕσνιєℓ zuм тнємα ѕcнuℓє

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