Die Blondies

Hinten in meiner Klasse sitzen fünf Mädchen, die unter uns Kollegen „die Blondies“ genannt werden. Sie sind die allerbesten Freundinnen überhaupt, tragen die gleichen Klamotten, stehen auf den gleichen Typen aus der Zehnten und sind sowieso und überhaupt die Allercoolsten.
Im Gegensatz zu den meisten ihrer Klassenkameradinnen schminken sich die Fünf schon, und auch wenn das meist mehr wie ein Unfall aussieht, so übertrieben sind pinke Lippen und glitzernde Lider, so einen Eindruck macht es auf die Klasse. Die Blondies sind in den Augen der Mädchen total angesagt, in den Augen der Jungs schon richtig erwachsen.

 Ihren Namen haben die Mädchen, weil sie sich gemeinsam die Haare färben. Das ist lustig, denn so kommen sie an einem Tag alle glücklich mit exakt dem gleichen wasserstoffblonden Farbton in die Schule und lassen sich bewundern. Die meisten Mitschülerinnen dürfen sich die Haare noch nicht färben, schon gar nicht blond, noch weniger im Selbstversuch.
Aber die Blondies machen riesige Events draus, richtige Haar-Färbe-Partys mit Nägel lackieren und Schnulzen gucken und über Jungs lästern. Also alles ultracool.

Als Lehrer beobachtet man dann, wie die Erblondeten von ihrem Glanz verlieren, jede Woche ist mehr von dem Blond herausgewachsen und es wirkt, als hätten sie alle eine Mütze auf. Die verschiedenen Naturhaarfarben kommen durch, je nachdem um welche der Schülerinnen es sich handelt, ist das Blond bei der einen bis auf die Höhe der Augenbrauen, bei der anderen bis zu den Ohren herausgewachsen.

Das ist immer der Moment, an dem wir Lehrer, also die Kollegen, die in meiner Klasse unterrichten, und ich, mit den Wetten beginnen, wann die Blondies wieder eine Party schmeißen um diese Haarkatastrophen zu beseitigen.

Gerade ist es auch wieder an einem kritischen Punkt, ich habe auf drei Tage getippt, Bernhard glaubt es wird bis zum übernächsten Wochenende dauern und Frau Crande hat gemeint, es würde noch genau drei Stunden dauern, bis sie sich treffen.
Sie wird ihnen wohl die Französischarbeiten wiedergeben, das sorgt sicher für emotionale Krisen und fünf Über-Nacht-Erblondungen.

Es grüßt ganz lieb,
Frau Falke

P.S.: Ich werde natürlich am Ball bleiben, Frau Falke, die rasende Reporterin.


 

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Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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2 Antworten zu Die Blondies

  1. Jürgen schreibt:

    Ein Mädel aus der neunten Klasse hat mir kürzlich erklärt, warum sie so oft zu spät kommt. sie braucht mindestens eine dreiviertel Stunde zum Schminken. Was da an Schichten und Wässerchen und Cremes auf- und wieder abgetragen wird, ist beeindruckend.
    Ich brauche diese Zeit jeden Morgen zum Überfliegen der taz und SZ.

    • Frau Falke schreibt:

      So macht jeder das, was er für wichtig hält. Aber es stimmt schon, die Listen des täglichen Schminkens können länger sein als das Rezept eines durchschnittlichen Kuchens. 😉

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