„Unfassbar“ ist genau das richtige Wort

 

Der Kollege am Telefon ist verärgert, was ich verstehen kann. Ihm ist ein Fehler unterlaufen, der nicht hätte passieren dürfen, und nun hatte er große Not das alles wieder zu berichtigen. Endlich hatte er es geschafft und glaubte es aus der Welt, da sprach ihn der Erste im Lehrerzimmer an.
Der Vorfall aber war nicht nur zu uns durchgesickert, sondern von den Schülern zu einem der Lehrer getragen worden, dann von diesem zur Schulleitung und von dieser wieder ins Kollegium.  Jetzt ist der betroffene Kollege seiner Meinung nach in Erklärungsnot uns gegenüber und auf Hundertachtzig.

Ich kann seinen Ärger verstehen, es ist kein angenehmes Gefühl, wenn so etwas passiert, und gerade, wenn man beschlossen hat es selbst zu regeln, ist es umso nerviger, wenn man die Zügel gleich wieder aus der Hand gerissen bekommt. Zudem ist da noch die Meldepflicht, viele Dinge darf man als Lehrkraft gar nicht für sich behalten. Und wenn erst einmal der Vorwurf der Verschleierung laut wird, ist mit unserem Direktor echt nicht mehr zu spaßen.
Dennoch versuche ich zu erklären, dass sich der „Verräter“ ja vielleicht nichts dabei gedacht hat, es gut meinte etc pp, dass es vielleicht eine andere Erklärung für diese Sache gibt, als jene, dass er ihn anschwärzen wollte.
Die Reaktion auf diese These nach unserem fast einstündigen Gespräch ist dann wie folgt:

„Manchmal frage ich mich, ob Sie unfassbar diskret und loyal sind, oder einfach nur naiv.“

Da habe ich dann auch endgültig die Schnauze voll keine Lust mehr.

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Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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7 Antworten zu „Unfassbar“ ist genau das richtige Wort

  1. Theni schreibt:

    Aua… Jetzt tun Sie mir irgendwie leid… :/

  2. J schreibt:

    Da ist aber viel Getratsche – beinahe Flüsterpost zwischen Schülern, Kollegium und Schulleitung.

    • Frau Falke schreibt:

      Dass unsere Schüler solche Sachen weitererzählen, finde ich verständlich. Wenn schon mal etwas Aufregendes passiert in der Schule… Dass der Kollege es aber an die Schulleitung heran trägt, finde ich schwierig.
      Wenn so etwas drei Tage danach beim privaten Sport komplett verquer bei dem Betroffenen ankommt, ist das dann auf jeden Fall nicht gut. 😦

  3. J schreibt:

    Und wie geht ihr damit um? Gibt es ein Gremium, in dem das besprochen wird, z. B. Supervision?
    siehe „Personalentwicklung“ http://www.hs-neuaubing.musin.de/index.php?option=com_content&view=article&id=107:lernende-schule-schulentwicklung&catid=40:schulentwicklung&Itemid=146

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