School is everywhere

Heute wurde ich inmitten meiner Erzählung über die neuen Absprachen, die ich mit den Fachkollegen getroffen hatte und wie sich diese auf mein weiteres Arbeiten mit den Schülern auswirken würde, jäh von meinem Herrn Falke unterbrochen.

„Schatz, sei mir nicht böse, aber kannst du eigentlich auch mal von etwas anderem reden als von Schule?“ fragt er mich und sieht mich mit so einem ergründenden Blick an. „Es gab mal eine Zeit, da hattest du auch andere Interessen.“

Jetzt fühle ich mich schon ein wenig auf den Schlips getreten. „Als würde ich mich immer nur mit Schule beschäftigen.“

Herr Falke deutet auf unsere DVD-Sammlung. „Schau dir das doch mal an. Welche von denen sind dir? Die „Der Lehrer“-DVD-Box und „Die Klasse“. Und die, die ich dir gestern noch bestellen sollte, „Heute trage ich Rock“, handelt doch auch von einer Lehrerin, oder nicht?“

Eingeschnappt verschränke ich die Arme. „Die drei sind noch lange kein Beweis.“

Er muss über meinen trotzigen Tonfall lächeln. „Ja, aber dein Lieblingsfilm, was ist mit dem? „Tagebuch eines Skandals“, da geht es, wenn ich mich recht erinnere, um zwei Lehrerinnen und einen Schüler, hmm?“

Manchmal kann er echt gemein sein.

„Und dann der letzte Kinofilm, den wir gesehen haben.“ macht er weiter mit seiner Aufzählung.

„Das war aber das mit deinen Transformers.“ sage ich schnell, ahne aber schon, was jetzt kommt.

„Klar, Schatz, aber den habe ja ich bestimmen dürfen. Du hast als letzten Kinofilm „Das weiße Band“ ausgesucht, da ging es auch um Pädagogik.“

Grummel. „Gut, die Filme, aber meine Lektüre geht in eine andere Richtung. Ich lese keine Bücher über Methodik oder so und das Buch über Mobbing in der Schule habe ich nur für die Arbeitsgruppe gekauft. Sonst lese ich Krimis.“

Er steht auf, nimm die ersten Bücher aus dem Regal und liest die Titel laut vor. „Tod eines Lehrers“, „Und nebenbei ein toter Lehrer“ und „Lehrer Lampes Tod“. Dabei ist das jetzt nur eine Auswahl.“

Grummel.

Er nimmt mich in den Arm und streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Okay, wir machen einfach einen kleinen Versuch, einverstanden? Du wirst den ganzen Samstag nicht über die Schule sprechen und dafür werde ich dann eine Woche lang den Abwasch erledigen.“

Da kann ich nicht nein sagen, denn den Abwasch zu machen hasse ich wie die Pest. Aber da Herr Falke schon kocht, was ich absolut nicht kann, muss ich ja danach aufräumen, damit ich wenigstens etwas mache. Eine Woche keine verschrumpelten Seifenfinger… Das hätte schon was. Obwohl… „Das geht nicht, ich muss doch die Unterrichtsvorbereitungen,“

Weiter komme ich nicht, er legt mir die Hand auf den Mund. „Deshalb habe ich ja das Wochenende vorgeschlagen, dann kannst du deine ganzen Vorbereitungen am Sonntag machen.“

Ich gebe mich geschlagen, dennoch denke ich, dass er mal wieder maßlos übertreibt. Demnach nehme ich mir vor, die nächste Zeit darauf zu achten, womit ich mich so beschäftige.

Zwei Sekunden später fällt mir ein, dass ich ihm noch gar nicht erzählt habe, dass Natalie… Ach nein, Schülerinnen sind ja auch Thema Schule.
Oder dass Achim… Kollegen. Thema Schule.
Wie gestern der Hausmeister… Schule.
Der Direktor… Schule.
Die doofe Rondell… Schule.

Ich versuche an etwas anderes zu denken und stelle fest, dass selbst unser gemeinsamer Freundeskreis zu gut achtzig Prozent aus Lehrern besteht, diese somit als Gesprächsthema auch wegfallen. Ich sehe mich also um und in meinem Kopf summt ein leicht abgeändertes Lied: School is everywhere, na na na na na…

Es grüßt ganz lieb,

Frau Falke

P.S.: Ich brauche ein Hobby. Dringend.

Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
Dieser Beitrag wurde unter Dumm gelaufen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu School is everywhere

  1. madameella schreibt:

    Genau über dieses Phänomen habe ich mir auch schon meine Gedanken gemacht. Ich wünsche auf jeden Fall gutes Gelingen für den restlichen Tag (und somit die Freude einer abwaschfreien kommenden Woche 🙂 )

    • Frau Falke schreibt:

      Vielen lieben Dank, ich hoffe es wird klappen. Noch habe ich mich gut gehalten, aber so langsam wird es schwierig. Aber nicht abwaschen zu müssen wäre eine so schöne Sache…
      Ja, ich denke, es ist besonders unter den jungen Kollegen so ein Ding. Im Studium war es auch immer sehr schwer sich vom Thema zu lösen, fand ich. Aber ich werde immer gewarnt, dass es auf kurz oder lang nicht gut ist, die Schule nicht Schule sein lassen zu können. Wir werden sehen…

  2. Inch schreibt:

    Ach, das ist so wunderbar beschrieben. Ich bin ja so ein „armes Lehrerkind“. 😀 Und Lehrernichte. Und Lehrerschwester, Lehrercousine…Und das prägt mich noch heute. Es hat auch meine Berufswahl geprägt: alles nur nicht Lehrer! Obwohl ich jetzt auch unterrichte, allerdings Studenten und Doktoranden 😉
    Meine Kinder sind zum Glück (bis jetzt) noch keine Lehrer. 😉 Aber zwei meiner Nichten und Neffen auf dem besten Weg dahin.

  3. Frau Falke schreibt:

    Vielen lieben Dank, es ist schön, wenn sich auch Lehrerkinder hier erkennen. Ich kenne die Schwierigkeit bei dem Thema, Lehrergroßeltern, Lehreronkel und -tanten, und sobald die Kleinen mal groß sind, befürchte ich dort auch einiges… Das hat auch meinen ersten Freund verschreckt (übrigens Referendar), als Weihnachten rauskam, dass meine halbe Verwandtschaft Germanistik studiert hat. 😀

  4. pausenkaffee schreibt:

    Ich für meinen Fall bin der erste Pädagoge der Familie. Aber da noch im Referendariat beschränkt sich mein Freundeskreis im Moment tatsächlich ausschließlich auf Lehrer. Außer zuhause, wo aber auch alle was zum Thema Schule reden wollen, weil sie es eben auch können. Kein anderer Beruf bietet ähnlich viel Gesprächs- und Diskussionsstoff wie Bildung. Und in Berufen, in denen man mit gefühlten 2000 Menschen täglich zu tun hat, gibt es auch immer wieder was zu erzählen 🙂 Unser Job ist anstrengend, stressig aber einer der tollsten Berufe, den ich mir persönlich vorstellen kann, weil man Morgens nie weiß, was einen Vormittags erwartet. Diese ständige Weiterentwicklung, ohne die man einfach nicht bereit wäre… Herrlich!

  5. Frau Falke schreibt:

    Ich stimme dir da in allen Punkten absolut zu, nur kann ich mir vorstellen, dass es echt anstrengend ist, wenn dein Partner nur von seinem Beruf spricht. Gerade bei anderen Paaren sieht man dies deutlich, ist er Mineralölkaufmann und sie OP-Schwester, ist das Erzählen des Arbeitstages schon vom Verständnis des anderen ein wenig beschränkt. 😉
    Wie man sicher noch merken wird, höre ich nie auf von der Schule zu sprechen. Nur sollte ich meinem Schatz gegenüber vielleicht ein bisschen Rücksicht nehmen.

  6. TickleMeNot schreibt:

    Jetzt muss ich doch direkt mal bei Amazon gucken, ob es die Lehrerkrimis auch wirklich gibt, und ob sie etwas für mein Bücherregal sind 😀

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s