Die kriegen eh nichts mit

Heute ist mir etwas passiert, das ich hoffte nicht mehr erleben zu müssen.

Denn ich bin Junglehrerin, das möchte ich mal festhalten, das heißt jedes mal, wenn ich einen der Schüler über mich sagen höre ich sei eine Referendarin, ärgert es mich.

Ebenso wenn die Kollegen mich nicht als Lehrerin erkennen oder die neuen Referendare sich vertraulich an mich wenden mit einem: „Du bist doch auch neu hier, ziemlich angsteinflößend so am Anfang, was?“

Und doch denke ich mir ein jedes Mal, wenn mich einer der Lehrer anspricht, dass sie mich schließlich nur für eine Referendarin und nicht für eine Schülerin halten. (Das ist mir zu Beginn meiner Referendarratszeit bis in die ersten paar Jahre als Lehrerin passiert. War auch nur mäßig amüsant.)

Aber zurück zu dem, was mir heute passiert ist.

Als ich nichts Böses ahnend auf dem Flur des zweiten Obergeschosses Aufsicht führte, kam mir ein Schüler entgegen. Marke „lässiger Mittelstüfler“, also gegeeltes Haar, weit runterhängende Hose, schlabberiges Oberteil mit bekanntem Emblem. Schlurfenden Schrittes, demnach betont cool, aber von der Mimik her sehr aufmerksam. Er stellte sich neben mich, lehnte sich an das Geländer und grinste.

Da habe ich mir schon überlegt worauf das wohl herauslaufen würde, immerhin wusste der Schüler doch zu genau, dass alle außer der Oberstufe in der Pause unten bleiben müssen.

Der Schüler nickt mir betont lässig zu. „Na, was steht so an?“

„Nun ja, ich genieße hier meine Pause, würde ich sagen.“

Er fängt an zu grinsen. „Oben? Ziemlich mutig.“

Frau Falke zieht fragend eine Augenbraue hoch.

Der Junge wirft einen Blick das Treppenhaus herunter, grinst noch breiter. „Aber die Lehrer hier blicken es ja sowieso nicht, ob man die Pause hier oben verbringt oder nicht. Ich meine, seien wir mal ehrlich, die kriegen eh nichts mit. Und notfalls erzählt man einfach man wäre bei der Frau Donners in der Klasse, das glauben die einem immer.“
Er lacht, dann klingelt es, er zwinkert mir zu und geht weiter.

Ich sehe noch, wie die Jugendlichen, wohl seine Freunde, die kurz nach ihm hoch gekommen sind, ihn am Ärmel zur Seite ziehen. Das Mädchen beginnt auf ihn einzureden. Als ich die Treppe fast herunter bin merke ich noch ihre Blicke an mich geheftet.

Tja, dem war wohl nicht klar, dass er sich hier mit einer Lehrerin unterhielt. Wundert mich aber auch überhaupt gar nicht, denn: Die kriegen eh nichts mit. Die Schüler.

Es grüßt ganz lieb,

Frau Falke

P.S.: Ich werde mich mal erkundigen wer so in Frau Donners Klasse ist. Warum ist noch keinem Kollegen aufgegangen, dass nicht die halbe Mittelstufe zur Elf c gehören kann?

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Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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3 Antworten zu Die kriegen eh nichts mit

  1. michael schreibt:

    > …Lehrer hier blicken es ja sowieso nicht, ob man die Pause hier oben…

    An unserer alten Schule, mussten die Schüler der 11. Klasse zusammen mit einem Lehrer Pausenaufsicht machen. Die hätten so einen schleunigst hinausbefördert.

  2. fraufalke schreibt:

    Unsere Schüler würden mir den Vogel zeigen, wenn wir auf diese Idee kämen. Und vielleicht sogar die anderen Kiddies decken. 😉

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