Zu meiner Schulzeit II

Der zweite Beitrag zu dem Projekt stammt von Nobelix, der diesen Blog schon einmal durch einen Gastbeitrag bereichert hat. Ich habe beim Lesen durchgehend schmunzeln müssen, ich denke, euch wird es ebenso ergehen. Man kann sich den Kleinen richtig gut vorstellen – und mal ehrlich, man muss ihn einfach liebhaben, oder? 

 

 

Damals – ein Schulleben im Zeitraffer

 

Wir befinden uns irgendwo in der Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrtausends. Irgendwo in einer kleinmittelgroßen Stadt in Norddeutschland springt Klein Nobelix lustig spielend durch die Straßen. Bis Vater Staat das erste Mal ruft: es geht zur Schule.

Grundschule, erste Schulwoche, Dienstags Vormittags, kurz vor Schulschluss:
Die Lehrerin der frisch eingeschulten Erstklässler verabschiedet sich mit den Worten “Bis Morgen!”. Ein schwerer Fehler, denn in diesem Moment meldet sich Klein Nobelix zu Wort: “Morgen? Da kann ich aber nicht, da ist Oma-Tag…” Gebanntes Schweigen durchzieht das Klassenzimmer. Was wird passieren? Kommt es zum tödlichen Duell? Oder gibt es ein Wortgefecht, bis einer weint? Nein…

Auch Klein Nobelix musste schmerzhaft lernen, dass der Besuch der Schule am Mittwoch wichtiger ist, als die eigene Oma zum Frühstück schon zu besuchen. Eine Tradition, die in dieser Woche zum ersten Mal so schmerzhaft unterbrochen wurde – und danach nie wieder so war, wie früher. Kein Wunder, denn ab da ging es immer Mittags nach der Schule zur Oma.

Knapp ein Jahr später:
Klein Nobelix hat sein erstes Zeugnis bekommen. Gut, es stehen noch keine Noten darin sondern nur eine Beurteilung, aber es ist ein Zeugnis. Wichtigster Satz darin: Klein Nobelix sollte sich mehr am Unterricht beteiligen. Ein Satz, der sich durch die gesamte Grundschule ziehen wird. Aber wen wundert es – bei einer Lehrerin, die einem den Oma-Tag vermiest?
Die Schüler stehen vor der Schule, werden von stolzen Eltern abgeholt. Aber niemand kommt, um Klein Nobelix abzuholen. “Gut,” denkt dieser sich, “geh ich halt zu Fuß. Ist ja nicht weit.” Gedacht, getan, auf geht’s nach Hause. Aber halt, wohin mit dem Zeugnis? Ganz einfach – in den Schulranzen. Der Einfachheit halber sauber gefaltet. In der Mitte. Zum Glück gab es noch keine Rucksäcke, sonst wäre das Zeugnis bestimmt deutlich verknickter angekommen.

Noch ein Jahr und die Sommerferien später:
Erster Schultag der frisch Eingeschulten. Darunter auch der kleine Bruder von Klein Nobelix. Vor der Schule versammeln sich Eltern und Geschwister der Eingeschulten, Schultüten wechseln den Besitzer, die Freude ist groß. Langsam verläuft sich die Menschenmenge, bis am Ende alle verschwunden sind. Nur Klein Nobelix und sein Bruder stehen einsam vor der Schule. “Gut,” denken beide sich, “gehen wir halt zu Fuß, ist ja nicht weit.”
Zu Hause angekommen, ist das Geschrei groß. Die versammelte Familie (und zwar die ganze Familie) will sich soeben auf den Weg zur Schule machen, als Klein Nobelix mitsamt Bruder um die Ecke gelatscht kommt. Natürlich ist hier der Familienstreit vorprogrammiert, denn schließlich wollen alle Großeltern, Onkel und Tanten vor der Schule fotografieren. Aber Schultütenfotos kann man zum Glück auch auch im heimischen Garten machen.

Zwei Jahre später war die Grundschule dann auch schon geschafft, und Klein Nobelix (der so langsam gar nicht mehr so klein war) machte sich auf zu neuen Ufern…

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Über Frau Falke

Eine Junglehrerin bloggt über ihren Schulalltag in Klassenräumen und Lehrerzimmern, die Eskapaden der Schülerschaft und die Erlebnisse mit dem einen oder anderen Kollegen.
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7 Antworten zu Zu meiner Schulzeit II

  1. datmomolein schreibt:

    Das ist aber wirklich ein tolle Schulgeschichte. Oma-Tag! niedlich…. sehr schöne Montagmorgenaufmunteung….

  2. Wolfy schreibt:

    Schweinerei… einfach den Omatag zu vermiesen. Geht ja mal gar nicht. Armes Nobelix :O

  3. Nadine schreibt:

    Omatag? Süüüüß!

  4. Pingback: Zu meiner Schulzeit…. | ѕσνιєℓ zuм тнємα ѕcнuℓє

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