Frau Necker sitzt im Kollegium, betrachtet ihre Hände, die winzige Furchen zieren, und seufzt. Dann sieht sie auf, beobachtet den Teil des Tisches, an dem die Referendare und wir Junglehrer sitzen.
Frau Donke setzt sich zu der Kollegin, die beiden haben seit einigen Wochen ein recht gutes Verhältnis zueinander, und reicht ihr eine Tasse Tee.
„Was ist denn los, Birgit? Haben dir die Schüler die Laune verhagelt?“
„Die Schüler nicht, aber mein alter Englischlehrer.“
„Wie denn das?“
„Er meinte damals zu mir, wenn wir uns in zehn Jahren treffen würden, würde er mich hundertprozentig erkennen. Sowas wie mich gäb es nur einmal, da könne man nichts draufsetzen.“
„Klingt jetzt nicht besonders schlimm.“
„War es die ganze Zeit auch nicht. Nur gestern, da habe ich ihn getroffen.“
…
„Und er ist an mir vorbei gegangen ohne mich zu beachten. Er hat mich nicht wiedererkannt, nach all den Jahren.“
„Nun, es sind ja auch ein wenig mehr als die von ihm ersonnenen zehn Jahre, Birgit.“
„Ich weiß es ja. Nur frage ich mich, ob ich wirklich so alt geworden bin, ohne es zu bemerken.
Sicher, ich habe Falten bekommen, sogar das ein oder andere graue Haar, und mein Bindegewebe ist auch nicht mehr das einer Achtzehnjährigen. Aber was ist denn mit all dem anderen? Was ist denn übrig geblieben von meinen Träumen von damals?
Was habe ich mir in der Oberstufe ausgemalt wie meine Zukunft aussehen sollte! Wie toll sollte es werden, wie schön und glücklich!“
„Ich denke wir alle haben uns unsere Zukunft in der Schule noch anders vorgestellt. Das nennen man Erwachsenwerden.“
„Aber bedeutet Erwachsenwerden wirklich das, was ich mache? Dass man das Leben so dahinplätschern lässt, immer mehr von dem verliert, was einen ausgemacht hat, immer mehr von dem aufgeben, was einem wichtig war. Verstehst du, was ich meine? Ich habe das Gefühl all jenes zu vergessen, was mir Kanten verlieh, bis ich nur noch ein Stein bin, der so glatt geschliffen ist, dass das Wasser ohne Probleme über mich fließen kann.“
Margot Vogt, die sich bisher herausgehalten hatte, legte der Dreiundvierzigjährigen die Hand auf die Schulter, eine kaum wahrzunehmende Geste.
„Du, ganz ehrlich, mich würde heute auch niemand mehr erkennen, mit dem ich früher in der Schule war.“
„Nicht?“
„Ich hatte grüne Haare und ein Nasenpiercing.“
„Oh.“
„Vielleicht ist es doch ganz gut, dass wir erwachsen werden, was?“
„Zumindest ein bisschen, ja.“
Es grüßt ganz lieb
Frau Falke

Eine Lehrerin mit grünen Harren und Nasenpiercing währe mir direkt sympatisch…
zumindest sympatischer als so ein 60jähriger, der noch aus 30m Entfernung nach Rauch riecht…
Ich hätte so gern ein Foto von ihr gesehen.
Aber Thenimaus, du bist doch nicht am lästern?
Iiiiiiiich doch nicht…
Es gibt tatsächlich einen Schuldirektor mit bunten Haaren in Lübeck: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/punk-als-rektor-ich-bin-hier-nicht-der-clown-a-765802.html
Hmm.
Margot Vogt hat heute blaue Haare und zwei Nasenpiercings, richtig?
Oh mein Gott, du kennst sie?
Alle werden älter. Auch ich. Hab ich heute beim Blick in den Spiegel auch wieder festgestellt.
Spiegel sind auch fies.
Ich mag grüne Haare und Nasenpiercings. Auch bei Kollegen. Aber ich arbeite ja auch im zweiten Bildungsweg.
Ich würde so gern ein Bild von ihr sehen! *seufz*